zur Navigation springen

Stadt weist baurechtliche Bedenken zurück : Obdachlosenheim im Gewerbegebiet?

vom

Der Streit um die geplante Wohnungslosenunterkunft in der ehemaligen Kita "Kirschblüte" in der Weststadt in Schwerin geht weiter. Kritiker des Vorhabens sehen sich in ihrer Position erneut bestärkt.

svz.de von
erstellt am 28.Apr.2011 | 07:36 Uhr

Schwerin | Der Streit um die geplante Wohnungslosenunterkunft in der ehemaligen Kita "Kirschblüte" am Mittelweg 9 in der Weststadt geht weiter. Kritiker des Vorhabens sehen sich in ihrer Position erneut bestärkt. Grund ist ein Schreiben des Bauamts der Lan deshauptstadt an die Wohnungsge sellschaft Schwerin (WGS) vom Juli 2003, in dem es seinerzeit um die künftige Nutzung des Grundstücks Mittelweg 5 ging. Am Mittelweg 5 weiteren Wohnraum zu schaffen, sei unzul ässig, "da der Baugebietscha rakter der näheren Umgebung dem eines Gewerb e gebietes entspricht", hieß es in der Mitteilung des Bauamtes. Und weiter: "Im Ge werbegebiet sind nach den Vorschriften der Baunutzungsverordnung jedoch nur ausnahmsweise (!) lediglich Wohnungen für Betriebspersonal o.ä. zulässig, das unmittelbar in anliegenden Gewerbebetrieben tätig ist."

"Demzufolge ist auch im Gebäude Mittelweg 9 eine Nutzungsänderung als Wohnraum - für wen auch immer, also auch für Wohnungslose - baurechtlich unzulässig", argumentiert nun Rechtsanwalt Dr. Klaus Oberloskamp von der Bürgerinitiative, die gegen einen Umzug der Obdach losen aus der jetzigen Unterkunft in der Anne-Frank-Straße in die frühere "Kirschblüte" ist, weil sie nach eigenen Angaben eine gesund heitliche Gefährdung im neuen Domizil befürchtet.

Hartmut Wollenteit, Leiter des Schweriner Hauptamtes, tritt sowohl der Rechtsauffassung Oberloskamps als auch den gesundheitlichen Bedenken entgegen. "Das Grundstück Mittelweg 9 ist anders zu bewerten als das Grundstück Mittelweg 5. Die ehemalige Kita ,Kirschblüte liegt in einem ,Mischgebiet", so Wollenteit. Die Stadt habe die Zulässigkeit einer Wohnungslosenunterkunft an diesem Ort ausführlich geprüft. Das Ergebnis: "Die geplante Nutzung ist baurechtlich möglich", betont der Hauptamtsleiter.

Nach Aussage von Wollenteit sind die von Schimmel befallenen Stellen in der früheren Kita inzwischen saniert worden. Auf der Grundlage eines aktuellen Gutachtens der Rostocker TIR Konzept GmbH hatte eine Spezialfirma die betroff enen Bauteile in einem Teilbereich des Kellers, im Dach und im Erd geschoss entfernt sowie eine Fein reinigung und eine chemische Be handlung vorgenommen (wir berich teten). Um sicher zu gehen, dass die Gesund heit der künftigen Bewohner nicht gefährdet werde, würden jetzt noch frische Proben im Labor untersucht, so der Hauptamtsleiter. "Voraussichtlich bis Ende nächster Woche liegen die Ergebnisse vor."

Unterdessen arbeite die Stadt am Auftrags verfahren für den Umbau der ehemaligen Kita, berichtet Wollenteit. Spätestens Mitte Mai sollen die Handwerker ihre Tätigkeit aufnehmen. Für insgesamt rund 115 000 Euro sollen unter anderem notwendige Veränd e rungen im Grundriss geschaffen, sani täre Ein richtungen erneuert und Maßnahmen für den bautech nischen Brandschutz durchgeführt werden, erklärt Kerstin Schmidt, Leiterin des Zentralen Ge bäudema nagements der Stadt. Die Außenanlagen würden ebenfalls hergerichtet.

Bis Oktober sollen die Schweriner Wohnungslosen ihr neues Zuhause mit rund 40 Plätzen beziehen. Im Februar hatte die Stadtvertretung den Umzug beschlossen, weil das bisherige Ob dachlosenheim auf dem Großen Dreesch einem Neubaugebiet weichen soll. Mehr als 20 Standorte in der Landes hauptstadt waren von der Verwal tung auf ihre Eignung für die Wohnungs losenunterkunft untersucht worden.

Die Initiative in der Weststadt, die bereits Unter schriften für ein Bürger begehren gegen eine Verlegung der Wohnungslosenunterkunft in den Mittelweg gesammelt hat, hält an ihrer Kritik an der Standort-Entscheidung fest. So sei jetzt auch noch zu prüfe n, "ob das nebenan liegende ehe malige Vorwärtsgelände wegen der Schad stoffbelastung im Boden gesunden Wohnbedingungen (§ 34 Abs. 1 Baugesetzbuch) im Mittelweg 9 entgegensteht", fordert Rechtsanwalt Oberloskamp in einem Brief an Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke).

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen