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Obdachlosen in Hinterhalt gelockt und schwer verletzt

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erstellt am 31.Okt.2010 | 07:56 Uhr

Rostock /Warnemünde | Sieben Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe wegen schweren Raubes lautete das Urteil des Landgerichtes gegen Heiko S. (34). Er wurde für schuldig befunden, im August 2006 in Warnemünde mit seinem Kumpel Thomas L. (33) einen Obdachlosen in einen Hinterhalt gelockt, zusammen geschlagen, beraubt und in den Laakkanal gestoßen zu haben.

Bis zuletzt wies der Angeklagte alle Vorwürfe zurück und rebellierte im Gerichtssaal. Wegen dieser Tat war er im Juli 2007 vom Amtsgericht Rostock freigesprochen worden. Einen Freispruch erhoffte er sich auch gestern, zum Abschluss des Wiederaufnahmeverfahrens.

Aber die Ermittler gaben keine Ruhe. Denn Thomas L. hatte inzwischen ein Geständnis abgelegt, in dem er den 34-Jährigen als Mittäter angab und war 2007 zu vier Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Für die 8. Große Strafkammer bestanden keine Zweifel, dass der Angeklagte der zweite Beteiligte war. Nach der Beweislage waren Heiko S. und Thomas L. am 31.August 2006 mit den Fahrrädern unterwegs, um in Warnemünde Werbeprospekte auszutragen. Dazu kam es nicht. Vielmehr entsorgten sie die Materialien. Gegen 21 Uhr trafen sie an der Aral-Tankstelle in Warnemünde ein. Hier kreuzten sich die Wege mit Mathias D., dem späteren Opfer. D. prahlte damit, 400 Euro in der Tasche zu haben. Heiko S. und Thomas L. planten sofort, sich des Geldes zu bemächtigen. Sie spendierten ihm ein Bier, das sie in der Tankstelle kauften, und luden Mathias D. zu einer Gartenparty ein.
Alle drei machten sich auf den Weg in Richtung Haltestelle Werftblick. Hier versetzte der Angeklagte seinem Opfer mit der Bierflasche einen Schlag auf den Hinterkopf und stieß ihn in den Laakkanal. Dann suchte er nach dem Geld. Da er nichts fand, nahm er ihm seine Uhr, einen Gürtel, ein Feuerzeug und Zigarillos ab. Mathias D. wehrte sich und Thomas L. drückte ihm seine Daumen in die Augen. Der Angeklagte schlug noch einmal mit der Bierflasche zu. Als Mathias D. sich aus dem Graben heraus rappelte, versetzte Thomas L. ihm einen Fußtritt an den Kopf. Das Opfer fiel zurück in den Kanal. Mit den Worten: "Wenn du die Bullen rufst, bringen wir dich um", entfernten sich die Räuber. Mathias D. erlitt Verletzungen im Gesicht, am Ohr und einen einseitigen bleibenden Hörverlust.

Auf Heiko S. kamen die Ermittler, weil er sich in der Tankstelle seine Payback-Punkte hatte geben lassen. Auch auf den Videoaufzeichnungen wurde er erkannt. "Sie haben über Jahre versucht, die Tatsachen zu verdrehen", sagte der Vorsitzende Richter. "Immer wenn es neue Ermittlungsergebnisse gab, änderten Sie ihre Aussagen". Für die Kammer waren die Zeugen glaubwürdig. Ihre Aussagen brachten das Lügengebäude des Angeklagten endlich zum Einstürzen, so der Richter. Mildernde Faktoren hätte das Gericht nicht finden können. Der Angeklagte habe mit seiner Tat ein menschenverachtendes Verhalten gezeigt. "Sie haben die ,goldene Brücke, die wir Ihnen bauten, noch in letzter Minute ein Geständnis abzulegen, nicht genutzt", sagte der Richter. "So werden Sie wohl die vielen Jahre absitzen müssen".

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