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Lokales

19. November 2017 | 13:29 Uhr

"Nur fliegen ist schöner"

vom

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2010 | 07:45 Uhr

Dobbertin | Es rattert und knattert, als Dieter Glaser den Motor seines dunkelgrünen Messerschmitt Kabinenrollers anwirft. Das blitzende kleine Gefährt mit dem Dach aus Plexiglas dreht eine Runde auf dem Hof des Autohauses Riedel in Dobbertin. Hier, neben weiteren, herrlich gepflegten Raritäten aus vergangenen Zeiten, hat auch Dieter Glaser eine Garage, in der er schraubt. Der gelernte Kfz-Mechaniker hat sich auf etwas ganz Besonderes spezialisiert: auf den Messerschmitt. Auf diesem Gebiet ist er ein echter Experte. Neun Kabinenroller hat der 65-Jährige bereits liebevoll und fachkundig wieder aufgebaut.

Glaser hebt den Vollsichtaufbau des Mini-Gefährtes an und steigt aus. Der Innenraum offenbart sich: Zwei kleine Sitze, rote Stoffbespannung, einige wenige Schalter und Anzeigen. Außerdem ein bananenförmiges Lenkrad, das daran erinnert, dass die Ursprünge des Kabinenrollers im Flugzeugbau liegen. "Angefangen hat alles damit, dass ich den Messerschmitt von meinem Kollegen repariert habe", erzählt der Mechaniker. "Er wollte mit einem angeschlagenen Kabinenroller zum Nordkapp fahren. Da hab ich gesagt: Nee, komm, den machen wir erst wieder richtig fit." Nach der Reparatur ist Dieter Glaser Probe gefahren und war sofort begeistert von dem kleinen Auto auf Rollerbasis. "Ein ganzes Jahr habe ich dann nach einem eigenen Messerschmitt gesucht", erzählt er. Gefunden hat der Rentner ihn bei Kassel. Es sei ein richtiger Dachbodenfund gewesen, erzählt der 65-Jährige und die Begeisterung ist ihm am Gesicht abzulesen.

Von 1999 bis 2000 hat der gelernte Kfz-Mechaniker den kleinen Oldtimer, Baujahr 1958, gemeinsam mit seinem Sohn wieder aufgebaut. "Begonnen haben wir zunächst mit einer Bestandsaufnahme, um zu sehen, was vorhanden ist, welche Teile besorgt werden müssen", erzählt Glaser. Es sei schwer, Teile zu bekommen, da es diese nur selten gebe. Von seinem Messerschmitt sei nur noch die Karosse brauchbar gewesen: "Aber wir hatten Glück. In Würzburg haben wir Originalteile bekommen und konnten dann mit dem Wiederaufbau beginnen." Zwei bis drei Arbeitsstunden hat Glaser jeden Tag in den Aufbau seines Oldtimers investiert - ein zeitaufwändiges Hobby. Doch der 65-Jährige korrigiert sofort: "Das ist kein Hobby, das ist ein Messerschmitt", sagt er und lacht.

Der Kabinenroller wurde zehn Jahre, von 1953 bis 1963, gebaut. 36 000 Exemplare sind überhaupt nur gefertigt worden. "Auf der Straße existieren derzeit etwa 450, in Deutschland insgesamt gibt es ungefähr 1000, weltweit sind sogar nur noch 1500 Messerschmitt erhalten", weiß der Experte zu berichten.

Und weil es sich um solch eine Rarität handelt, die Liebhaber sich gegenseitig bei der Suche nach Teilen und Karossen unterstützen, haben sie sich zu einem deutschlandweit agierenden Club verbündet. Dieser organisiert unter anderem auch Ausfahrten und regionale Stammtische. "Einmal im Jahr wird gemeinsam ausgefahren. Außerdem gibt es ein Anrollern im Mai und ein Abrollern im September." Doch Glaser mottet den Kabinenroller dann noch längst nicht ein: "Ich fahre ihn, wann immer es geht", erzählt der Fan begeistert. 14 000 Kilometer habe er bereits selbst heruntergefahren. "Nur fliegen ist schöner", findet Dieter Glaser.

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