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Lokales

18. November 2017 | 15:19 Uhr

Nur der Schimmel ist noch zu Gast

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2011 | 07:44 Uhr

Ludwigslust | Am Donnerstag haben die letzten Gäste ihre Koffer gepackt - und neue werden sich bis auf weiteres auch nicht mehr im Mecklenburger Hof einquartieren. Das traditionsreiche Ludwigsluster Hotel ist ab sofort geschlossen.

"Bei Sanitäreinrichtung starke Abwertung, da in dem ansonsten angenehm eingerichteten und sauberen Bad die Dusche stark mit Schimmel befallen war." Diesen Satz schrieb ein Gast nach seinem Aufenthalt im Mecklenburger Hof auf die Seite eines Hotel-Bewertungsportals im Internet. Und er war nicht der einzige, der sich auf diesem Weg über die Hygiene in den Bädern des Vier-Sterne-Hotels beklagte. "Diese Beschwerden haben sich gehäuft. Und sie sind berechtigt", sagt Jörg Kutta (40), der gemeinsam mit Denny Junghans (25) das Hotel in der Stadtmitte gepachtet hat und seit rund zweieinhalb Jahren bewirtschaftet.

Gastronomen sehen den Eigentümer in der Pflicht

Mecklenburger Hof, 1. Etage, Zimmer 206: Das Badezimmer hat kein Fenster, die Lüftung springt nur an, wenn das Licht eingeschaltet wird. Die Bodenfuge in der Dusche hat schwarze Flecken, die kein Reinigungsmittel mehr lösen kann. "Das ist Schimmel, und so sieht es in fast zwei Dritteln unserer 37 Zimmer aus", sagt Denny Junghans und zeigt noch weitere Nasszellen, in denen sich das gebildet hat, was Gäste ganz bitter aufstoßen lässt. "Eigentlich müssten diese Bäder komplett saniert werden", sagt Junghans, doch das wollen die Pächter nicht machen. "Das Gebäude gehört uns nicht, und wir werden auch kein Geld mehr dafür ausgeben", sagt Geschäftspartner Kutta. 60 000 Euro hat das Duo nach eigenen Angaben schon in das im 18. Jahrhundert errichtete Haus investiert. Rund 200 000 Euro müssten nach Kuttas Berechnungen noch investiert werden, um den Vier-Sterne-Status zu rechtfertigen. "Doch da sehen wir den Besitzer des Hauses in der Pflicht. Wir haben den dänischen Eigentümer schon vor einem Jahr auf die Mängel hingewiesen, waren sogar zu Gesprächen in Kopenhagen. Doch es ist nichts passiert", sagt Kutta. Mittlerweile haben sich die Fronten verhärtet. Beide Seiten haben Rechtsanwälte eingeschaltet. Kutta und Junghans sagen, dass sie in den vergangenen drei Monaten keine Miete mehr bezahlt hätten, um auf die Missstände in der Immobilie hinzuweisen. Der Besitzer, Olav Classen, habe daraufhin mit einer fristlosen Kündigung und einer Räumungsklage reagiert. Ebenfalls im Raum stehe eine Sanierungsauflage des Gesundheitsamtes. "Falls nicht saniert wird, droht von dieser Seite eine Schließung", ergänzt Kutta. Das Ludwigsluster Tageblatt wollte Olav Classen gestern zu diesen Vorwürfen befragen, doch er war nicht erreichbar.

Schlechte Kritiken im Netz, Rückgang der Buchungen, Räumungsklage, Auflagen des Gesundheitsamtes und keine Aussicht auf Sanierung - Kutta und Junghans haben sich entschlossen, den Standort aufzugeben. Noch habe man kein Minus gemacht, die Auslastungen in den ersten beiden Jahren seien akzeptabel gewesen, doch jetzt seien, so Kutta, kein vernünftiges und erfolgreiches wirtschaftliches Handeln, Geschäftsreise- und Tagungsmarketing mehr möglich.

Lehrlinge sollen in anderen Betrieben untergebracht werden

14 Mitarbeiter, darunter drei Lehrlinge, sind von der Schließung betroffen. Derzeit würden Gespräche laufen, sagt Kutta, um die Auszubildenden in andere Ludwigsluster Hotels einzugliedern. Einige Angestellte haben zudem das Angebot bekommen, weiter für Kutta/Junghans zu arbeiten, denn das Duo betreibt noch gastronomische Einrichtungen in der Burg Neustadt-Glewe sowie in Schwerin. Zudem soll im April eine weitere Einrichtung in der Landeshauptstadt dazu kommen. Dafür würden acht Angestellte benötigt. "Aber alle Mitarbeiter aus Ludwigslust können wir nicht übernehmen", bedauert Kutta. Das sei schade, denn nach Anlaufschwierigkeiten habe man jetzt ein gutes Team aufgestellt.

Da stimmen dem Geschäftsführer der JK Hotel- und Gastronomie GmbH einige Gäste zu. "Das Personal ist sehr freundlich" - auch dieser Satz taucht in den Bewertungsportalen im Internet auf.

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