Null Hoffnung für Ortsdurchfahrt

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29. Juni 2010, 11:09 Uhr

Postlin | "Bis 2013 besteht für einen Straßenbau in Postlin null Hoffnung." Diese Aussage von Frank Schmidt, Abteilungsleiter Planung/Entwurf in der Potsdamer Niederlassung des Landesbetriebs Straßenwesen, sorgte für Ernüchterung und Unmut unter den 50 bis 60 Bürgern, die am Donnerstag der Einladung der Gemeinde zum Dauerbrenner Ortsdurchfahrt in das Gasthaus Koch gefolgt waren. Bürgermeister Udo Staeck und Ortsvorsteher Andre Lüdemann wollten aus berufenem Munde hören, in welchen Zeitrahmen die Erneuerung der Ortsdurchfahrt fallen könnte. Schon längst hätte die Straße gemacht werden müssen, denn sie sei der gestiegenen Belastung nicht mehr gewachsen, machten die Postliner klar.

Enorm sei der Schwerlastverkehr, besonders zur Kampagne der Stärkefabrik Dallmin und zur Erntezeit, wenn die Korntransporte zur Getreide AG und Agroservice GmbH rollen. Aber auch außerhalb dieser Spitzenzeiten rollt der Verkehr durch den Ort, verursacht durch Spurrillen, Fahrbahnabsenkungen, abgesackte Gullydeckel und andere Schäden Erschütterungen und Lärm. Ein gefährliches Nadelöhr, besonders für Schulkinder, sei die Kreuzung Dargardter Weg/Postliner Straße. "Wenn die großen Lkw die Straße lang donnern, wackelt der ganze Schrank, die Gläser rutschen nach vorn. Von einem neuen Schrank hat sich die Rückwand gelöst", machten Irmgard Pansch und Hildegard Stange ihrem Ärger Luft.

"Wir können nur das machen, was der Haushalt zulässt. Hier werden die Gelder für den Straßenbau in den nächsten Jahren zugunsten anderer Prioritäten in der Landespolitik erheblich zurück gefahren, so dass im Prinzip nur noch Gelder für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit auf den Landesstraßen mit Ausbessern von Schäden, Winterdienst usw. zur Verfügung stehen, aber Straßenerneuerungen erst mal nicht mehr möglich sind", machte Ressortleiter Schmidt deutlich. Eine grundhafte Erneuerung der Ortsdurchfahrt Postlin würde allein etwa 1,7 Millionen Euro kosten.

Er selbst sei ebenfalls nicht glücklich über die drastischen Kürzungen, liegen doch zahlreiche Projekte fertig im Schrank. So auch die Ortsdurchfahrt Boberow, die in diesem Jahr gebaut werden sollte und auf 2011 verschoben wurde. "Wenn wir bis 2013 warten, werden wieder andere Prioritäten gesetzt. Also müssen wir uns dafür einsetzen, dass die Straße gebaut wird und auf die politische Schiene setzen", stellte Bürgermeister Staeck klar. "Das wird ein langer Weg. Wichtig ist, erst einmal eine Neuplanung zu haben, so dass auch die Gemeinde weiß, wie sie mit den Nebenanlagen eingebunden wird. Denn wir werden jetzt keine neuen Gehwegabschnitte bauen, die später wieder rausgerissen werden."

Die Gemeinde habe bereits viel Material zusammengetragen, wolle auch eine Verkehrszählung beantragen und durchführen. Der Landesbetrieb hat dafür kein Geld, will aber die Auswertung übernehmen "Ebenso werden wir das Thema an den Petitionsausschuss des Landtags her antragen und die Prignitzer Landtagsabgeordneten einbeziehen", zählte Staeck weiter auf. Doch auch die Postliner seien gefordert: "Jeder ist angehalten, mit Name und Adresse aufzuschreiben, wie er durch den Verkehr und den schlechten Straßenzustand betroffen ist." Die Schreiben können bei Ortsvorsteher Andre Lüdemann abgegeben werden. "Parallel dazu läuft eine Gemeinschaftsaktion des Regionalen Wachstumskerns Perleberg-Wittenberge-Karstädt, der den Straßenausbau zum Schlüsselprojekt erklärt hat und das auch am 22. September der interministeriellen Runde in Potsdam vorlegen wird", so Staeck.

Als kurzfristige Zwischenlösung zur Minderung von Lärm und Erschütterung will die Gemeinde, unterstützt vom Landesbetrieb Straßenwesen, bei der unteren Verkehrsbehörde ein Tempolimit auf 30 km/h beantragen. Das müsse bereits am Ortseingang aus Richtung Bahn brücke greifen, forderten die Bürger, denn von hier oben donnern die Fahr zeuge nur so rein in den Ort. Kritik gab es am Verkehrsteiler, der mit dem Brückenneubau entstand, doch zu keinerlei Verkehrsberuhigung beitrug.

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