Hühner-Aufzuchtanlage bedroht Landschaftsschutzgebiet : Noch mehr Hühner - Protest hält an

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Die Hühner-Aufzuchtanlage in Bergfeld soll durch weiter Ställe weiter wachsen. Die Erweiterung wird auf Kosten des Landschaftsschutzgebietes im Naturpark "Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See" führen.

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23. November 2010, 08:28 Uhr

Bergfeld | Die Hühner-Aufzuchtanlage in Bergfeld soll weiter wachsen. Drei zusätzliche Ställe plant Landwirt Markus Böckermann. Zu den zurzeit 38 000 Hühnern sollen noch einmal 46.400 hinzu kommen. Damit will Böckermann seinen Betrieb mehr als verdoppeln. Wie schon bei der ursprünglichen Anlage geht auch die Erweiterung auf Kosten des Landschaftsschutzgebietes im Naturpark "Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See". Der Aufschrei der Bürgerinitiative "Hähnchenmastanlage Bergfeld - Nein danke" war programmiert. Schon mit ihrem eigentlichen Ziel gescheitert, die Hühner-Aufzucht in Bergfeld zu verhindern (SVZ berichtete), muss Ulrike Beseler, Sprecherin der Bürgerinitiative, jetzt noch eine weitere Schlappe hinnehmen: Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Güstrow hat eine Ausgrenzung von ca. acht Hektar aus dem Landschaftsschutzgebiet zur Erweiterung der Hühner-Aufzuchtanlage genehmigt. Seit August ist die Genehmigung rechtswirksam.

"Hier werden die schönsten Filetstücke der mecklenburgischen Landschaft für industrielle Massentierhaltung missbraucht", ist Ulrike Beseler überzeugt. Sie wohnt in Sichtweite der Hühner-Aufzucht von Markus Böckermann. Trotz "massiver Proteste" von Bürgern und der BUND-Ortsgruppe, deren Mitglied Ulrike Beseler ebenfalls ist, sei die Herauslösung der acht Hektar aus dem Landschaftsschutzgebiet genehmigt worden. "Die BUND-Ortsgruppe, Mitglied im Netzwerk ,Bauernhöfe statt Agrarfabriken, sieht diese Entwicklung mit großer Sorge und Enttäuschung", so Beseler. Sie hofft, die Erweiterung noch im laufenden Genehmigungsverfahren verhindern zu können. Die Antragsunterlagen für den Bau von drei weiteren Ställen liegen noch bis morgen im Amt Krakow am See sowie im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (Stalu) in Rostock aus. Bis zum 9. Dezember können schriftliche Einwendungen erfolgen.

Es handelt sich um eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die Anlage. "Wir befinden uns noch am Anfang des Genehmigungsverfahrens", sagt Hans-Joachim Meier, Leiter des Stalu Rostock. "Ein Erörterungstermin zu dem Vorhaben ist für Februar geplant. Dann kommen alle einzelnen Kriterien auf den Prüfstand." Das damalige Staun Rostock genehmigte aber bereits die erste Anlage in Bergfeld.

Karl Schütt, Bürgermeister der Gemeinde Langhagen, räumt den Protesten der Bürgerinitiative keine großen Chancen ein. Er steht der Hühner-Aufzuchtanlage sowie der Erweiterung positiv gegenüber. "Die Region kann nicht nur auf Tourismus setzen", sagt er. Die Gemeinde habe zu der Anlage ihr "Ja-Wort" gegeben. "Die Leute sollen froh sein, wenn einer überhaupt noch was macht." Zudem könne er bei der bisherigen Anlage keine Geruchsbelästigung, ein häufiger Vorwurf der Bürgerinitiative, feststellen. "Ich habe da noch nie was gerochen", so Schütt.

Landwirt Böckermann ist froh, dass die zur Erweiterung seiner Anlage notwendigen acht Hektar aus dem Landschaftsschutzgebiet ausgegrenzt wurden. "Ich fange an zu bauen, sobald die Genehmigung vom Stalu Rostock da ist" kündigt er an. Er zieht in seiner Anlage Elterntiere auf. "Ich könnte den Betrieb aber auch kurzfristig auf Hähnchenmast umstellen, wenn der Markt das fordert", sagt er. Das sei aktuell jedoch nicht geplant. Schon jetzt dürfe er laut Genehmigung in der Anlage 83 000 Masthähnchen mästen.

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