Noch keine Spur vom Enkel

Bei ihrer Suche nach dem vermissten sechsjährigen Gerard-Fabien Heidmann hat die Polizei in Schwerin noch keine heiße Spur. Bei der Fahndung verteilten die Beamten gestern im gesamten Stadtgebiet Flugblätter mit Fotos des Jungen und seiner ebenfalls verschwundenen 42-jährigen Oma Kirsten Heidmann. Sie steht im Verdacht, ihren Enkel seit Tagen versteckt zu halten.

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05. Dezember 2008, 08:32 Uhr

Schwerin | "Haben Sie diesen Jungen oder diese Frau gesehen?" Bereitschaftspolizisten zeigten gestern Passanten in der belebten Schweriner City, aber auch in allen Wohngebieten der Landeshauptstadt Fotos des sechsjährigen Gerard-Fabien und seiner 42-jährigen Großmutter Kirsten Heidmann, die beide seit Wochenmitte nicht mehr gesichtet wurden. Die Oma steht im Verdacht, nach dem Entzug des Sorgerechts für ihren Enkel das Kind vor den Schweriner Behörden versteckt zu halten.

Aber auch am zweiten Tag der Fahndung ernteten die Beamten zumeist nur Kopfschütteln. "Wir haben zwar einige Hinweise erhalten, die ganz heiße Spur fehlt jedoch noch", so Polizeisprecher Klaus Wiechmann gegenüber unserer Zeitung.

Die Polizei vermutet folgenden Hintergrund des Verschwindens der beiden: Das Schweriner Amtsgericht hatte der Großmutter am Dienstag auf Antrag des Jugendamtes das Sorgerecht für den Jungen entzogen. Die Richter sahen das Kindeswohl als gefährdet an. Kirsten Heidmann hatte das Sorgerecht bei der Geburt von Gerard-Fabien bekommen, weil die leibliche Mutter minderjährig war. Allerdings musste später das Jugendamt einschreiten, weil der Junge stark vernachlässigt wurde.

Zuletzt befand sich der Sechsjährige in einer Klinik und kehrte am Wochenende zu seiner Oma zurück. "Anscheinend wusste die Frau von dem ihr drohenden Sorgerechtsentzug, wollte sich damit aber nicht abfinden und hält ihren Enkel deshalb versteckt", vermutet Polizeisprecher Wiechmann. Woher die Frau das hätte wissen können, bleibt offen.

In ihrer Wohnung im Schweriner Plattenbau-Viertel Großer Dreesch sei Kirsten Heidmann seit einigen Tagen nicht mehr aufgetaucht. "Turnusmäßig überprüfen wir neben der Wohnung der Frau auch alle ihre Kontaktadressen", sagt Klaus Wiechmann.

Die Polizei, die eine Sonderermittlungsgruppe in dem Fall eingerichtet hat, bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Gerard-Fabien ist etwa 1,20 Meter groß, hat blonde Haare und blaue Augen. Seine Großmutter ist etwa 1,70 Meter groß, hat dunkelblonde bis braune Haare und grau-grüne Augen. Wie die beiden derzeit bekleidet sind, ist nicht bekannt. Hinweise nimmt die Kripo unter Telefon 0385-20 70 22 22 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.

"Wir hoffen, dass Gerard-Fabien, um den wir uns große Sorgen machen, schnell gefunden wird", so Schwerins Jugenddezernent Dieter Niesen. Das Jugendamt strebe unverändert eine kooperative Zusammenarbeit mit der Familie an.

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