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Lokales

24. September 2017 | 06:52 Uhr

Nidulus-Konzept bundesweit gefragt

vom

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2010 | 06:47 Uhr

Lewenberg | Wenn Yannic Noel morgens in die Kita Nidulus kommt, ist Papa - bei aller Liebe - schnell vergessen. Ein kurzes Winken und schon ist der Zweijährige mitten im Spiel mit seinen ebenso kleinen Freunden. Da wird gebastelt, gebaut, gekuschelt, geklettert, vorgelesen - Werner Zeidler lässt seinen Sohn mit einem guten Gefühl hier. Dann schaut er auf die Uhr. Eine Stunde Fahrt hat er bis zur Arbeitsstelle, jetzt aber nichts wie los. Yannic ist mit seinen Gedanken schon ganz woanders.

Werner Zeidler arbeitet genau wie seine Lebensgefährtin im Schichtdienst. Für beide sind Arbeitszeiten bis 22 Uhr oder später keine Seltenheit, manchmal müssen sie auch am Wochenende ran. Die von der städtischen Kita gGmbH betriebene 24-Stunden-Kita Nidulus auf dem Gelände der Helios-Kliniken ist für das Paar die perfekte Lösung. "Natürlich können wir Yannic auch mal bei den Großeltern abgeben", sagt Zeidler. "Aber eine Dauerlösung ist das nicht." Hätten sie die Möglichkeit zur Rund-um-die-Uhr-Betreuung nicht, müssten sie ihre Arbeitszeiten reduzieren. "Schichten so zu tauschen, dass man abends immer pünktlich zu Hause ist, ist sehr kompliziert. Und viele Arbeitgeber sehen es nicht gern, wenn man seine Stundenzahl runtersetzen möchte."

Werner Zeidler und seine Partnerin haben Yannic schon 2009 bei Nidulus angemeldet. Wer Schichtdienst oder lange Arbeitszeiten nachweisen kann, hat die Chance auf einen Platz in der ersten 24-Stunden-Kita im Land. Genau ein Jahr ist es her, dass sie ihre Pforten öffnete, Yannic gehörte zu den ersten Kindern, die dort betreut wurden - und dort auch die Nacht verbrachten. "Er weist die anderen heute ein", sagt Marion Lais lächelnd. Sie ist Erzieherin in der Kindergartengruppe - und rundum stolz auf das, was das Team um Leiterin Grit Brinkmann im vergangenen Jahr gestemmt hat. Denn auch für die Erzieherinnen bedeutet "Nidulus" Schichtarbeit und ungewöhnliche Arbeitszeiten. Jeden Monat wird der Dienstplan neu erstellt - abgestimmt auf die aktuellen Arbeitszeiten der Eltern. Mehr als 40 Familien und ihre individuellen Wünsche müssen koordiniert werden. Welches Kind schläft an welchen Tagen in der Einrichtung? Wann wird es abgeholt, wann gebracht? Ist es auch am Wochenende hier? Und: Wird das Zeitkontingent bei alledem nicht überschritten?

"Wir müssen sehr flexibel sein", sagt Marion Lais. "Aber alle, die sich hier beworben haben, wussten, worauf sie sich einlassen. Unsere eigenen Kinder sind alle groß - und wir sind ein tolles Team hier, das sich aufeinander verlassen kann."

Die erste Nidulus-Schicht beginnt morgens um 6 Uhr, der Nachtdienst kommt um 22 Uhr. Schlafenszeit für die Kleinen ist um 20 Uhr, danach sollte auch kein Kind mehr abgeholt werden. Vorher essen alle gemütlich zusammen - manchmal bei Kerzenschein - danach werden die Kinder gebadet oder geduscht, es gibt als Abend-Ritual eine Sandmännchen-Folge, noch jede Menge Kuscheleinheiten und dann ab ins Bett. "Das klappte von Anfang an problemlos", erzählt Marion Lais. "Die Kinder haben Vertrauen zu uns. Und wenn sie nachts aufwachen, ist ja immer jemand da." Das Gros der Nidulus-Kinder nutze die Nacht-Angebote, sagt Marion Lais. Manchmal auch drei oder vier Nächte hintereinander. Zwischendurch werden die Kleinen oft von ihren Eltern abgeholt - und wenn es nur für ein paar Stunden ist. Nidulus versucht, alle Wünsche zu erfüllen - und das Kindeswohl an erste Stelle zu setzen.

Seit September sind die 48 Nidulus-Plätze voll. "Wir haben uns bewusst so lange Zeit gelassen", sagt Marion Lais. "Schließlich ist vieles neu, musste ausprobiert und manchmal auch verworfen werden." An dem Schweriner Modell sind mittlerweile Träger aus ganz Deutschland interessiert und fragen bei der Kita gGmbH nach. "Unser Konzept geben wir natürlich nicht raus", sagt Geschäftsführerin Anke Preuß. Aber sie freut sich über das Interesse, das ihre Einrichtung weckt. Heute hat sich erneut Besuch angekünigt: Bezirksbürgermeisterin Christina Emmerich aus Berlin wird sich ab 10 Uhr bei Nidulus informieren.

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