Nichts für Zarte: Spargel stechen

Der Job eines Spargelstechers ist Knochenarbeit. Vor allem die körperliche Anstrengung, gebückt zu arbeiten, ist hart. Auf den Spargelfeldern vom Familienunternehmen "Mecklenburger Frische" ist gerade Hochsaison. Täglich liefert das Unternehmen mehrere Tonnen frischen Spargel. SVZ-Volontärin Katarina Sass hat sich auf den Feldern umgeschaut.

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06. Mai 2009, 07:09 Uhr

Tieplitz | Es gießt in Strömen, der Wind weht unangenehm kühl. In der Ferne tauchen mit Folie abgedeckte Felder auf. Am Rand des Weges stehen Autos mit den Kennzeichen CWI, PNI oder RST. Sie verraten die Herkunft ihrer Besitzer. Derzeit arbeiten 60 polnische Arbeiter auf den Spargelfeldern vom Familienunternehmen "Mecklenburger Frische", dessen Geschäftsführung Yvonne und ihr Mann Cornelius von Laer inne haben. Noch eine Stunde, dann ist es elf Uhr und die Arbeiter können sich ausruhen. Nachmittags geht es dann weiter.

Chefin Yvonne von Laer geht durch die Reihen, zupft hier und da die schwarze Folie zurecht. "Siesoll die Sonne anziehen und die Wärme absorbieren, damit der Spargel gut wächst", wird sie später erklären. Will man den Wachstumsprozess verlangsamen oder in die Länge ziehen, werde die Folie umgedreht - mit der weißen, sonnenabweisenden Seite nach oben.

Mit einem spitzen Eiseninstrument in der Hand geht sie geradewegs zu einem jungen Polen, der an der Maschine steht, die stückchenweise die Folie anhebt, sodass darunter gearbeitet werden kann. Sie sagt zu Dominik Chorzepa, dass er erst mit zwei Fingern den Spargel, der mit dem Kopf aus der Erde guckt, freiräumen muss. "Dann musst du die Gabel senkrecht am Spargel entlang führen und oberhalb der Wurzel den Spargel abtrennen", erklärt die Diplomlandwirtin. Dann rollt die Maschine weiter, und der junge Pole hebelt den nächsten Spargel, der aus der Erde schaut, heraus.

Dann probiere ich es. Ich ziehe mir Handschuhe an und mache nach, was die resolute Chefin vormachte. So einfach, wie es aussieht, ist es nicht. Man darf nicht zu tief ansetzen und die Wurzel abtrennen. Zu hoch, dann bricht der Spargel in der Mitte. Die Erde muss ich mit einer viereckigen Kelle wieder an Ort und Stelle bringen. Der Wind bläst unaufhörlich. Die Erde unter der Folie ist trocken und weht mir ins Gesicht. Nervig. Was mich jedoch am meisten stört, ist die gebückte Haltung. Schnell stellen sich die ersten Schmerzen ein. Ich schaue mich um. Überall sind die Arbeiter beschäftigt, sie lachen und scherzen dabei. Ihnen scheint es nichts mehr auszumachen.

Anschließend kommt die ErdbeersaisonIch spreche Wjadyslaw Poronin an und versuche meine Frage verständlich zu machen. Ob die Arbeit für ihn anstrengend ist, will ich wissen und halte mir den schmerzenden Rücken. Er weiß sofort Bescheid und zeigt auf seine Oberschenkel und auf sein Kreuz. "Schmerzen", sagt er im gebrochenen Deutsch. Er verdreht das Handgelenk. Auch das tut weh, will er mir wohl sagen. Aber er lacht trotzdem. Seine Kollegen im Hintergrund rufen etwas zu ihm auf Polnisch. Seit zehn Tagen schon steht er auf den Feldern bei Mühlengeez und erntet.

Wie viel Stundenlohn die Arbeiter bekommen, erzählt Yvonne von Laer nicht. "Sie werden nach NRW-Tarifen bezahlt", sagt sie nur. Ende Juni ist die Spargelsaison vorbei, dann beginnt die Zeit der Erdbeeren, die dann gepflückt werden. Die Geschäftsführerin, die leidenschaftliche Gärtnerin ist, erzählt von den drei Standbeinen des Betriebes. "Spargel, Erdbeeren und Getreide, Raps und Zuckerrüben." Das Geschäft laufe gut, sagt sie. Täglich werden, je nach Wetterlage, ein bis sechs Tonnen Spargel gesäubert, sortiert und verpackt. Die Kisten werden anschließend an Großkunden verkauft. Ein Teil bleibt bei den Laers im Laden und wird vor Ort dem Kunden angeboten. Neben den 60 polnischen Saisonkräften sind 30 deutsche im "grünen Betrieb" beschäftigt.

Spargelstechen ist definitiv nichts für Zartbesaitete. Aber die Arbeit hat ihren Preis.

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