Nicht nur eine Bleibe für die Nacht

Bei Doris Kampehl in der städtischen Obdachlosenunterkunft finden Wohnungslose nicht nur eine vorübergehende Bleibe, sondern auch Hilfe und Rat bei wichtigen Behördengängen oder anderen Schritten zurück in die Gesellschaft. Petra Ferch
Bei Doris Kampehl in der städtischen Obdachlosenunterkunft finden Wohnungslose nicht nur eine vorübergehende Bleibe, sondern auch Hilfe und Rat bei wichtigen Behördengängen oder anderen Schritten zurück in die Gesellschaft. Petra Ferch

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22. Dezember 2009, 08:59 Uhr

Wittenberge | Das Wochenende war eisig kalt mit bis zu minus 16 Grad in der Nacht. Eigentlich hatte Doris Kampehl deshalb mit Neuaufnahmen gerechnet. Denn sie betreut die Obdachlosenunterkunft in der Elbestadt. "Aber es meldete sich niemand, auch die Polizei nicht", erzählte sie gestern. Obwohl sie jetzt Urlaub hat, schaut sie täglich einmal in der Einrichtung vorbei. "Es kann ja immer etwas anliegen, und nach der Post sehe ich auch", erzählt sie.

Seit Juli ist sie über den Kommunalkombi für 30 Stunden wöchentlich in der Obdachlosenunterkunft beschäftigt, ist Ansprechpartner, gibt Ratschläge, hilft vor allem bei Behördengängen. Gegenwärtig sind sechs Personen in der städtischen Einrichtung untergebracht. "Darunter einige, die eine Gefängnisstrafe verbüßt haben und jetzt wieder den Weg in die Gesellschaft finden müssen", erklärt Doris Kampehl.

Dabei versucht sie zu helfen, denn die Unterkunft im Grünen Weg ist nur vorübergehend. Aber die Betreuerin weiß auch, dass es für viele nicht einfach ist, wieder Fuß zu fassen, eine Wohnung zu finden. "Da muss man mit sehr vielen Rückschlägen leben können, Enttäuschungen verkraften", erklärt sie. Doch Doris Kampehl wusste, worauf sie sich mit diesem Job einlässt. "Ich habe hier früher schon als ABM-Kraft gearbeitet, mich deshalb auch für den dreijährigen Kommunalkombi-Job beworben", erzählt sie.

Für diejenigen, die hier vorübergehend eine beheizte Bleibe finden, ein Segen, denn die Betreuerin hilft ihnen bei der Antragstellung für das Arbeitslosengeld ebenso wie bei Arztbesuchen oder anderen wichtigen Erledigungen. Im Haus selbst ist Platz für 24 Obdachlose, gibt es 12 beheizte Zimmer mit jeweils zwei Bettstellen, einer Kochmöglichkeit sowie auch einem Kühlschrank. Außerdem kann auch eine Gemeinschaftsküche genutzt werden, "denn versorgen müssen sich die Obdachlosen selbst", unterstreicht Marika Weise. Die Chefin des Bürgerbüros im Rathaus trägt auch Verantwortung für die Obdachlosenunterkunft. Wenn die Tafel, die bedürftige Elbestädter versorgt, genügend Speisen im Angebot hat, können die Obdachlosen dort eine warme Mahlzeit erhalten.

Die Wittenberger Stadtverwaltung lässt es sich eine ganze Menge kosten, damit niemand im freien campieren, unter der Brücke schlafen muss, wenn er keine eigene Bleibe hat. 1995 war das Haus saniert worden, 2008 folgten weitere Instandhaltungsarbeiten am Dach, an der Heizung und auch an der Regenentwässerung. Dazu kommen die turnusmäßigen Überprüfungen der technischen Anlagen, weiß Marika Weise.

Wer Einlass in die Obdachlosenunterkunft finden möchte, kann sich im Bürgerbüro im Rathaus melden. Zumeist aber, so Marika Weise, erfolge die Meldung über die Polizei. Außerhalb der Sprechzeiten sei die Aufnahme über ein Diensthabendensystem abgesichert, also auch zu den Weihnachtsfeiertagen.

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