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Elf Jahre Ermittlungen zu den "Döner-Morden" : Neun Opfer und kein Täter in Sicht

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Neun Mordopfer und noch immer kein Täter: Seit fast elf Jahren ermittelt die Kripo in einer bundesweiten Mordserie an ausländischen Gewerbetreibenden - auch Rostock war einer der Tatorte.

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erstellt am 05.Apr.2011 | 07:53 Uhr

Nürnberg/Rostock | Neun Mordopfer und noch immer kein Täter: Seit fast elf Jahren ermittelt die Nürnberger Kripo vergeblich in einer Mordserie an ausländischen Gewerbetreibenden aus ganz Deutschland - auch Rostock war einer der Tatorte. Am 25. Februar 2004 wurde der türkischstämmige Yunus Turgut im Dönerimbiss "Mr. Kebap" im Rostocker Stadtteil Toiten winkel ermordet auf gefunden. Mehrere Kugel trafen ihn in Kopf und Hals. Passanten be richteten, dass eine Schülerin weinend vom Tatort davonlief. Diese Zeugin konnte jedoch nie ausfindig gemacht werden. Im Februar 2007 wurden noch einmal 10000 Haushalte in Rostock an geschrieben und um Hin weise zu dem Mord gebeten. Doch es ergaben sich nur wenige Anhaltspunkte. Turgut war das fünfte Opfer der sogenannten "Döner-Morde".

Seit bereits elf Jahren ermittelt die Mordkommission

Am 6. April jährt sich der Tag des neunten und bisher letzten Mordes dieser Serie nun zum fünften Mal. Ans Aufgeben denken die Ermittler aber noch lange nicht: Seit fast elf Jahren versuchen die Mitglieder der Nürnberger Mord kommission verge blich, die europaweit einmalige Mordserie aufzuklären: Sie haben 33 Millionen Datensätze aus gewertet, die Alibis von 11000 Personen überprüft, sind rund 3500 Spuren nach gegangen und haben damit 1200 Aktenordner gefüllt. "Die Kollegen, die an diesem Fall arbeiten, sind alle hoch motiviert, auch noch nach so vielen Jahren", erklärt die Nürn berger Hauptkommissarin und Leiterin der Pressestelle, Elke Schönwald. Wer so lange und so intensiv an einem Fall arbeite, der habe auch den Ehrgeiz, irgendwann den Täter zu schnappen.

Von einst mehr als 160 Ermittlern der "Soko Bosporus" sind heute noch fünf übrig geblieben. Sie kümmern sich um ungelöste Kapitalverbrechen und arbeiten in Nürnberg. Dort hatte die Mordserie im September 2000 ihren Anfang ge nommen. Es folgten Morde in Hamburg, München, Rostock und erneut Nürnberg sowie in Dortmund und Kassel. Alle Opfer waren Kleinge werbetreibende. Acht von ihnen waren Türken, einer Grieche. Alle wurden am helllichten Tag getötet, mit Schüssen aus einer Pistole der Marke Ceska 85, Kaliber 7,65 - von dieser fehlt jede Spur.

Bisher ermittelten die Beamten in zwei Richtungen: Bei dem Täter könnte es sich um das Mit glied einer organisierten Bande handeln oder um einen Einzelgänger. Für beide Theorien gibt es aber keine Anhalts punkte. Auch nicht für irgendwelche anderen Theorien. Ebenso rätselhaft bleiben das mögliche Motiv und warum der Täter schon so lange nicht mehr zuschlug: "Wir wissen es nicht", wiederholt Elke Schönwald. "Wir haben nichts".

Dabei liegt die Aufklärungs quote bei Morden normalerweise bei nahe zu 100 Prozent.Die meisten Kapital verbrechen seien Beziehungs taten, da er gäben sich irgendwann Zusammenhänge, so die Haupt kommissarin. Nicht so in diesem Fall:"Die Kollegen sind auch dem kleinsten Hinweis nachgegangen, allen Hinweisen, denen überhaupt nach gegangen werden kann." Ist dem Täter möglicherweise gar der perfekte Mord gelungen? Schönwald winkt ab: "Ich denke nicht, dass es den perfekten Mord gibt. Ein Mord kann nicht perfekt sein".


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