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Neues Tarifsystem sorgt für Ärger bei Fahrgästen

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erstellt am 22.Jan.2010 | 05:52 Uhr

Schwerin | Klaus Rypczinski ist sauer. Jah rela ng konnte er mit seiner Mo nats karte vom Schweriner Nahverkehr - aktueller Preis: 38 Euro - auch die Bahn der Ostseeland Verkehr GmbH (Ola) be nutzen. Doch damit ist es nun vorbei: 46,20 Euro müsse er künftig für die Ola-Monats karte auf den Tisch legen, um mit dem Zug vom Haupt bahnhof zu seinem Ar beitsplatz am Margaretenhof zu fahren, sagt der Schweriner. Schuld sei der zu Beginn dieses Jahres eingeführte Westmecklenburg-Tarif.

Rypczinski ärgert sich aber nicht nur über die gestiegenen Kosten. "Natürlich könnte ich auch mit Bus und Straßenbahn nach Warnitz fahren, aber dann würde ich deutlich mehr Zeit be nötigen." Der Schweriner sieht in der neuen Tarifstruktur ein Politikum: "Die Verantwortlichen haben nicht an die Intere ssen der Bürger in der Landeshauptstadt gedacht."

Er verstehe den Ärger der betroffenen Fahrgäste, aber auch die wirtschaft lichen Interessen der Ola, sagt der Geschäfts führer des Schweriner Nahverkehrs, Norbert Klatt. In der Vergan genheit hätten Nah ver kehr und Ola, an der der Nahverkehr mit 30 Prozen t betei ligt sei, ihre Fahrscheine gegen seitig anerkannt. "Das ist innerhalb des neuen Westmecklenburg-Tarifes nicht mehr vor gesehen", so Klatt, der allerdings im konkreten Fall auch eine andere Rechnung aufmacht: Statt 38 Euro für die Monats karte des Nahverkehrs und 46,20 Euro für die Ola zahle der Kunde 72,50 Euro für ein Ticket, mit dem er sich mit Bus, Straßenbahn und Ei senbahn in Schwerin bewegen könne.

Seit Anfang des Jahres können Kunden des Öffentlichen Personennah verkehrs (ÖPNV) in Westmecklenburg, die zwisch en Verkehrsunternehmen umsteigen, einen gemeinsamen Tarif nutzen, gestaffelt nach Zonen. Drei Bahngesellschaften und acht Bus- und Straßenbahnbetriebe bieten den Westmecklenburg-Tarif an. Er gilt in der Landes hauptstadt, der Hansestadt Wismar und den Kreisen Ludwigslust, Nordwestmecklenburg und Parchim. Wer beispielsweise mit dem Bus nach Crivitz, von dort weiter mit dem Zug nach Schwerin fahre und in der Lan deshauptstadt in die Straßenbahn um steige, brauche künftig nur noch ein Ticke t zu kaufen, so die Werbung.

Mit dem Westmecklenburg-Tarif sei es gelungen, elf Verkehrsunternehmen unter einen Hut zu bringen, erklärt Dirk Fischer, Geschäftsführer der Ola, deren Züge auf der Strecke Parchim - Schwerin - Rehna verkehren. Den Fahrgästen biete das neue Tarifsystem ein größeres Maß an Flexibilität als bisher, betont Fisch er. Flexibel habe sich auch die Ola selbst gezeigt und für Inhaber von Monatskarte n des Schweriner Nah ver kehrs eine Übergangsregelung für Janu ar geschaffen. Eine weitergehende Son der vereinba rung zwischen Nah ver kehr und Ola würde das neue Tarif system unter laufen, sagt Willi Kipcke , Ge schäft s stellenleiter des Westmecklenburg-Tarifs.

Kritik am neuen Tarifsystem gibt es unterdessen auch von den Unab hängigen Bürgern. Sie wollen in der Stadtvertreter-Sitzung am kommenden Montag Oberbürgermeis terin Angelika Gramkow (Linke) be auftragen, Vorschläge für eine Überar beitung der Tarif struktur des ÖPNV in der Landeshauptstadt vorzulegen. Dabei soll es auch um das Thema Nahverkehr und Ola gehe n. "Die neue Regelung ist nicht bürgerfreundlich", sagt Fraktionsvorsitzender Silvio Horn. Wenn es schon nicht möglich sei, zur bisherigen Praxis zurückzukehren, so müsse es zumindest ein Kombi-Ticket für Nahverkehr und Ola geben.

Klaus Rypczinski hat seine Konsequenz bereits gezogen: "Von Februar an werde ich mit dem Auto zur Arbeit fahren", sagt er. "Und ich bin nicht der ein zige Umsteiger."

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