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Lübstorf / Zickhusen : Neuer Standort für Biogasanlage

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Im zweiten Versuch und am bereits dritten Standort soll es nun klappen: Die Agrargemeinschaft Lübstorf will gemeinsam mit der TW Biogas Betreuungs GmbH aus Lehnin in Brandenburg eine große Biogasanlage errichten.

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erstellt am 04.Apr.2011 | 07:05 Uhr

Zickhusen | Im zweiten Versuch und am bereits dritten Standort soll es nun klappen: Die Agrargemeinschaft Lübstorf will gemeinsam mit der TW Biogas Betreuungs GmbH aus Lehnin in Brandenburg eine große Biogasanlage errichten. Seit voriger Woche liegen die überarbeiteten Pläne für den neuen Standort aus. Das Zwölf-Millionen-Euro-Vorhaben soll nun auf dem Gebiet der Gemeinde Zickhusen umgesetzt werden. Vorgesehen ist, vier Biogasanlagen mit einem jeweiligen Leistungsvermögen von 0,5 Megawatt direkt an der B 106 schräg gegenüber der Zufahrtsstraße nach Neu Lübstorf zu errichten. "Wir hoffen, dass noch in der zweiten Hälfte dieses Jahres Baurecht herrscht und wir loslegen können", berichtet Hansjörg Rotermann von der Agrargemeinschaft.

Seit Ende voriger Woche liegen die Unterlagen erst einmal aus. Jeder Interessierte kann diese bis zum 2. Mai im Bauamt der Lützower Amtsverwaltung einsehen und seine Meinung äußern.

Dass so ein Vorhaben nicht nur Zustimmung erfährt, weiß Hansjörg Rotermann. Die Investoren sind mit dem Projekt bereits umgezogen: von Alt Meteln nach Zickhusen. Denn als Standort favorisierte die Agrargemeinschaft zuerst Flächen in direkter Nachbarschaft zu den Rinderställen des Betriebes am Ortsrand von Alt Meteln. Schließlich sollen die Biogasanlagen auch mit Gülle und Mist gespeist werden. Hauptsächlich werden diese aber mit Mais, Zuckerrüben und auch Getreide von den Feldern des Landwirtschaftsbetriebes "gefüttert". "Für den Transport der Feldfrüchte ist der neue Standort sogar besser geeignet", betont Rotermann. "Allerdings müssen wir jetzt Gülle und Mist hierher fahren." Standort Nummer 1 in Alt Meteln (direkt auf dem Stallareal) ließ sich wegen unklarer Eigentumsverhältnisse und naturrechtlicher Bestimmungen nicht umsetzten. Bei Standort 2 an der Straße nach Grevenhagen hatten einige Anwohner Bedenken, weil diese Straße schmal und zudem der Schulweg für die Grevenhagener Kinder ist. Das war auch auf der Bürgerversammlung in Alt Meteln vor einem Jahr deutlich geworden (SVZ berichtete). Allerdings hatten sich die Gemeindevertreter im Herbst einstimmig für die Biogasanlage ausgesprochen. Über den genauen Standort wollten sie nochmals mit dem Investoren-Duo reden. "Zu solch einem Gespräch ist es nicht gekommen", berichtet Alt Metelns Bürgermeister Hans-Jürgen Zobjack. Er ist darüber schon etwas enttäuscht. Denn die neue Betreiberfirma Nawaro GmbH sollte ihrer Sitz in Alt Meteln haben und damit hier Steuern zahlen. Zudem wurde den Bürgern die Nutzung von Gas und Wärme für ihre Wohnhäuser in Aussicht gestellt. Daraus wird nun nichts.

Denn die Anlage soll auf Zickhusener Gebiet gebaut werden, auch der Firmensitz zieht damit um. Dass Hansjörg Rotermann in Zickhusen zugleich Bürgermeister ist, habe damit nichts zu tun, betont er: "Der Standort an der B 106 war von Beginn an eine Option." Ein neues, geeignetes Areal in oder bei Alt Meteln zu suchen, wäre zu aufwändig gewesen. Schon die jetzige Änderung bedeute eine Verzögerung von einem guten halben Jahr.

Und der Landwirtschaftsbetrieb mit seinem Partner will so schnell wie möglich loslegen. "Uns geht es um die bessere Wertschöpfung", betont Hansjörg Rotermann. Da der Betrieb weniger Tiere hält, benötigt er nicht mehr so viel Futter. Weizen ist inzwischen die Hauptkultur auf den etwa 4000 Hektar umfassenden Ackerflächen - mit etwa 45 Prozent. Um das Getreide zu verkaufen, muss die Ernte per Lkw weite Strecken zurücklegen, was den Erlös schmälert. Die Erzeugung von Energie vor Ort sei eine gute Alternative, der größte Arbeitgeber der Region werde so gestärkt, argumentiert Rotermann. Und er betont gleich, dass von einer drohenden Monokultur Mais nicht die Rede sein kann. Rotermann: "Auf 2,5 Prozent unserer Flächen bauen wir derzeit Mais an, dieser Anteil wird auf 12,5 Prozent steigen und der von Weizen von 45 auf 35 Prozent sinken."

Der Komplex besteht aus vier Biogasanlagen mit je 0,5 Megawatt Leistung. Eine davon betreibt die Agrargemeinschaft selbst. Hier wird - wie zumeist üblich - Biogas erzeugt, um daraus in einem Blockheizkraftwerk Strom herzustellen. Die anfallende Wärme wird genutzt, um die drei anderen Anlagen auf Betriebstemperatur zu bringen. Denn deren Endprodukt ist Biogas, das die Qualität von Erdgas erreichen soll und in das Versorgungsnetz eingespeist wird. Die überregionale Gasleitung verläuft direkt an der B 106, so dass das technisch an dieser Stelle sehr gut möglich sei, erläutert Rotermann. Der Komplex mit den Siloanlagen selbst sei zudem von der B 106 und von Neu Lübstorf aus kaum zu sehen, weil in diese Richtungen Erdwälle aufgeschichtet werden. "Uns war zudem wichtig, dass auch der Wald, den wir als Ausgleich für die Versiegelung von Flächen anpflanzen müssen, direkt hier aufwächst", betont Rotermann.

2,5 Hektar Ackerland zwischen künftiger Anlage und Neu Lübstorfer Abzweig sind dafür vorgesehen.

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