Neuer Plan: Stadt räumt Gehweg, Eigentümer zahlt

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19. Januar 2010, 10:06 Uhr

Schwerin | Viele Schweriner sind in höchstem Maße verärgert, dass seit Wochen die Bürgersteige in zahlreichen Straßen der Innenstadt nicht oder nur sehr schlecht von Eis und Schnee geräumt sind. "Das ist eine Unverschämtheit und lebensgefährlich", sagt Erich Frohriep. "Ich habe schon einige Winter in meinem Leben erlebt, aber so schlimm war das noch nie in der Stadt", schimpft der 85-Jährige Schweriner. Er berichtet, dass er gerade einer ausgerutschten Rentnerin in der Schelfstadt wieder auf die Beine geholfen habe, was in dem Schneematsch sehr schwierig gewesen sei. "Ich verstehe nicht, dass die Stadt die Hauseigentümer nicht in die Pflicht nimmt", so Erich Frohrieps Vorwurf. Früher habe das doch auch geklappt.

Catharina Brandt ist zwar nicht so alt wie der Schelfstädter, aber sauer ist die 25-Jährige nicht minder: "Mit Hackenschuhen kommt man durch die Werdervorstadt überhaupt nicht mehr durch und selbst mit Winterstiefeln rutscht man dauernd weg. Ich mag mir nicht vorstellen, wie ältere Leute bei solch glatten Gehwegen ihren Einkauf transportieren", berichtet die SVZ-Leserin.

In manchen Stadtteilen sieht das Problem sogar noch schlimmer aus. Denn viele Hauseigentümer ignorieren auch die Pflicht, nicht nur die Gehwege, sondern bis zur Straßenmitte den Schnee zu räumen, wenn sich ihre Grundstücke in reinen Wohngebieten beziehungsweise an so genannten Wohnanliegerstraßen befinden. Das betrifft laut Hans-Dieter Matlachowski, Bereichsleiter für Straßenunterhaltung und Abfallwirtschaft der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS), beispielsweise Neumühle. "In diesen Gebieten nehmen wir keinen Winterdienst vor, da die Hauseigentümer die Straßenreinigung selbst erledigen müssen", sagt Matlachowski.

Die Möglichkeiten, kurzfristig auf die Haus- und Grundstückseigentümer Druck auszuüben, damit diese ihrer Räumpflicht auf den Gehwegen nachkommen, sind laut Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow zwar da, versprechen aber kurzfristig keine Lösungen. Denn nachdem der Kommunale Ordnungsdienst die nicht beräumten Bürgersteige auflisten würde, müssten anschließend die Eigentümer angeschrieben und ihnen gleichzeitig ein Ordnungsgeld angedroht werden. Anschließend müsste nochmals kontrolliert werden, ob der Gehweg nun geräumt wurde, ehe bei Nichterledigung der Arbeit ein Bußgeld verhängt werden könne. Gemeinsam mit der Stadtpolitik will die Oberbürgermeisterin deshalb Lösungen finden, die den Verwaltungsaufwand geringer halten und vor allem schnell für von Schnee und Eis geräumte Gehwege sorgen. Eine Idee ist, dass der Winterdienst der SDS die Säuberung der Gehwege mit übernimmt und die Stadt diese Dienstleistung den Hauseigentümern in Rechnung stellt. Ob dieser Weg gegangen werden kann, darüber wollen heute Vormittag die Dezernenten mit der Oberbürgermeisterin beraten.

Kritiker gibt es bereits jetzt, einerlei welche Lösung die Verwaltung für die zum Teil gefährlich glatten Bürgersteige findet: Zuerst sollte die Stadt auf ihren eigenen Grundstücken für abgestumpfte Wege sorgen - beispielsweise auf dem Weg entlang der städtischen Grünanlage in der Sebastian-Bach-Straße. Dort, so ein Leser gegenüber unserer Zeitung, sei in diesem Jahr noch nie geräumt worden.

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