Neuer Dampf für Hagenow

Dreifacher Knopfdruck: H.-Jürgen Schlag (Oschatz GmbH), Minister Till Backhaus und Kartoffelchef Reinhard Lemke drücken gemeinsam.
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Dreifacher Knopfdruck: H.-Jürgen Schlag (Oschatz GmbH), Minister Till Backhaus und Kartoffelchef Reinhard Lemke drücken gemeinsam.

Der Brennofen im neuesten Hagenower Heizkraftwerk wurde angeworfen. Mit der Rieseninvestition will die Kartoffelveredlung als Hagenower Vorzeigebetrieb auch das Signal zum Wachstum geben. Das neue Werk soll vor allem die immensen Energiekosten drücken.

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03. März 2009, 08:46 Uhr

Hagenow | Mindestens 15 eher 20 Prozent Energiekosteneinsparung sind mit dem nagelneuen Heizkraftwerk angepeilt. Zusammen mit der bisher aus Hagenow gewohnten Qualität der Kartoffelprodukte und mit einem zügigen Ausbau der Kapazitäten in den kommenden Jahren soll die Kartoffelveredlung ihre Marktstellung in Europa und in der Welt gegen starke Konkurrenz behaupten können.

Um das zu erreichen, werden pro Jahr 72 000 Tonnen so genannter Ersatzbrennstoffe in dem neuen Werk kontrolliert verheizt, Brennstoffe, die aus dem Müll gewonnen werden. Gäbe es das Heizwerke nicht, so müsste sich das Hagenower Werk pro Jahr um 3, 4 Millionen Liter Heizöl bemühen. Dennoch bekannte Hauptgeschäftsführer Reinhard Lemke bei der gestrigen Inbetriebnahme, dass schon Mut dazu gehört habe, ein solches Heizwerk direkt neben einem Lebensmittelbetrieb zu setzen. Doch einen anderen Weg, die benötigte Energie zu gewinnen, habe es nicht gegeben.

Dampf heißt dabei das Zauberwort, 410 Grad heißer Dampf, der mit einem Druck mit bis zu 45 bar in das direkt benachbarte Kartoffelwerk geliefert werden kann. Immerhin reicht die Kapazität für 35 Tonnen die Stunde. Dampf wird nahezu in jedem der Arbeitsschritte benötigt, von der Schälung der Kartoffel bis zur Trocknung.

Dazu kann das Kraftwerke eine elektrische Leistung von bis 6,8 Megawatt liefern. Somit ist nicht nur ein autarker Betrieb möglich, das neue Heizkraftwerk wird zu vielen Zeiten auch Strom ins Hagenower Netz einspeisen können.

Zur Bilanz gehören auch knapp 20 neue Arbeitsplätze, eine rekordverdächtige Bauzeit und eine nach Ansicht der Experten vorbildliche Abgasreinigung und Überwachung der Grenzwerte. Wie die Werte im einzelnen aussehen, soll alsbald in Form von Durchschnittswerten im Internet veröffentlicht werden. Das ist Teil der Abmachung mit dem BUND, der im Gegenzug seinen Widerspruch gegen den Bau zurückzog. Vor allem in der Planungsphase hatte es heftigen Widerstand von Seiten der Naturschutzverbände gegen den Bau des Kraftwerkes gegeben.

Dessen Brennstoffhunger ist vertraglich für 12 Jahre gesichert, die Anwohner in der Steegener Chaussee müssen mit zusätzlich 20 Lkw-Fahrten pro Tag rechnen. Vom Müll werden die Hagenower nichts riechen, weil die Lkw ihre brennbare Fracht in einer Halle mit Unterdruck abgeladen und nach einer Kontrolle vollautomatisch zum Ofen transportiert wird. Im September ist ein Tag der offenen Tür geplant, um den Hagenower das neue Werk in allen Einzelheiten vorzustellen.

Fast 52 Millionen Euro hat die Anlage gekostet, 13,8 Millionen kamen davon als Förderung vom Land. Till Backhaus, der als zuständiger Minister gestern bei der Inbetriebnahme dabei war, hat sich im Fall Hagenow sehr für das Hagenower Traditionswerk eingesetzt und auch auf allen Ebenen Druck gemacht. Im Kreis der Ehrengäste war gestern die Runde der Danksagungen für das Gelingen des ehrgeizigen Projektes gekommen. So gab es nicht nur mehrfach Lob für die bei der Finanzierung federführende Bank, sondern auch für den Generalunternehmer, die Oschatz-GmbH aus Essen. Dennoch haben die Hagenower streng darauf geachtet, dass möglichst viele Leistungen an Handwerker und Firmen aus der Region gingen.

Mit dem neuen Kraftwerk im Rücken kann die "Mecklenburger Kartoffelveredlung GmbH" steigenden Energiepreisen zumindest vorerst relativ gelassen entgegen sehen.

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