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Lokales

19. November 2017 | 19:09 Uhr

Neue Windrad-Flächen in zwei Jahren

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2013 | 09:26 Uhr

parchim | Es klingt, als wäre Rolf Christiansen (SPD) unter die Verbraucherschützer gegangen, wenn er als Landrat von Ludwigslust-Parchim den Gemeinden in Sachen Windenergie-Parks empfiehlt, "von vertraglichen Bindungen zunächst abzusehen". Frühestens in zwei Jahren sei nämlich klar, welche zusätzlichen Eignungsräume der Regionale Planungsverband Westmecklenburg für Windräder ausweise. Wenn jetzt handlungsreisende Projektentwickler einzelne Gemeinden überreden wollen und dabei auf gelockerte Kriterien des Landes verweisen, sei das verfrüht. Die Zeit bis zur Planungssicherheit sollten Gemeinden und Stadtwerke lieber nutzen, um sich zusammenzutun und Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb von Windanlagen in die Hände örtlicher Akteure zu legen, rät Landrat Christian sen. Ziel: Geld für die Einwohner behalten, kein Geld für Energieimporte rauswerfen. Klar ist aber auch: Es wird weitere Gebiete für Windanlagen im Landkreis geben, wenn auch mit "größtmöglichem Nutzen für die Region".

Vor Unternehmern des Verbandes West-Mecklenburg wurde Christiansen dieser Tage noch deutlicher. Die jetzt kursierenden Verträge seien Knebelveträge. Und ohne Konsens in der Region werde es keine neuen Windeignungsgebiete geben. Man müsse eben nicht mehr auf Teufel komm raus ausweisen. Zwar werde man wohl alle Gebiete, die schon mal im Gespräch waren, wieder "anfassen" müssen. Doch es bestehe überhaupt kein Grund zur Eile hier Entscheidungen für die nächsten Jahrezehnte zu treffen. Der regionale Konsenz in der Region sei ihm wichtiger, so Christiansen.

Windanlagenbauer spüren dank neuer Richtlinie Rückenwind

Rückenwind spüren Windanlagenbauer, seit Energieminister Volker Schlotmann (SPD) im Mai 2012 neue, weniger rigide Kriterien zur Ausweisung von Windenergiegebieten auf den Weg gebracht hat. Eine "Richtlinie zur Änderung Regionaler Raumentwicklungsprogramme" liefert gleich einen ganzen Kriterienkatalog mit. Das war offenbar der Startschuss für eine Armada von Schnäppchenjägern, sich jetzt die möglichen besten Flächen und damit saftige Renditen zu sichern.

Das Land will die so genannte Energiewende fördern und bis zu 13 000 Hektar mehr Eignungsflächen für Windkraftanlagen ausweisen. Nur wenige Gründe haben genügend Gewicht, um Windmühlen ganz zu verhindern, Adlerhorste beispielsweise oder Flugplätze. Auch will das Land einen Schutzabstand von 1000 Metern zu Wohngebieten wahren.

Bevor der neue Windspargel-Boom aber den Landkreis überrollt, sind zunächst Kreistag und Regionaler Planungsverband (RPV) an der Reihe. Rolf Christiansen, Landrat und Vorsitzender des RPV: "Die Errichtung von Windenergieanlagen ist grundsätzlich nur innerhalb der im Regionalen Raumentwicklungsprogramm ausgewiesenen Eignungsgebiete zulässig." Die Planungsverbände seien vom Land aufgefordert worden, weitere Eignungsgebiete für Windenergieanlagen auszuweisen. Die Kriterien der Landes-Richtlinie seien aber nur Empfehlungen. Der RPV Westmecklenburg werde eigene Kriterien erarbeiten, über die auch der Kreistag informiert wird. Christiansen: "Erst nach dem Beschluss der Verbandsversammlung beginnt die planerische Umsetzung." Für diesen Prozess verspricht der Landrat Transparenz. Bürger, Städte und Gemeinden sollen sich zu den Entwürfen äußern können. Dann sind noch einmal Regionaler Planungsverband und Landesregierung an der Reihe. Erst wenn die neuen Eignungsräume (als Teilfortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms) rechtskräftig werden, sind sie Grundlage der Zulassung. Im Klartext, so Christansen: "Da die regional ausgestalteten Kriterien noch nicht vorliegen, gibt es derzeit keinerlei belastbare Planunterlagen, die erkennen lassen, an welchen Standorten zukünftig weitere Windeignungsgebiete ausgewiesen werden." Karten, die jetzt kursieren, würden nur auf Annahmen beruhen.

Zeit genug also für Städte und Gemeinden, um darüber nachzudenken, die Energieversorgung in die eigenen Hände zu nehmen.

Im Gegensatz zum alten Kreis Parchim oder gar zum Land Brandenburg ist das Thema Windenergie im alten Landkreis Ludwigslust schon seit vielen Jahren sehr viel vorsichtiger gehandhabt worden. Ergebnis: Einen Windpark gibt es nur bei Lübesse und Ortkrug, ansonsten wurde die Verspargelung der Landschaft weitgehend vermieden. Landrat Christiansen weiß in dieser Frage die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.

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