Neue Kreisstadt auch Sitz der Polizei?

Ludwigslust könnte als neuer Kreissitz des geplanten Großkreises auch den Hauptsitz der Polizei erhalten. Der Innenminister will die Struktur bis 2011 neu ordnen, mehr Beamte in die Fläche schicken. Beim prestigeträchtigen Kreis-Hauptquartier der Polizei könnte Parchim allerdings wieder leer ausgehen.

svz.de von
05. November 2009, 06:08 Uhr

Parchim/Sternberg | Erst im kommenden Jahr ist mit einer Entscheidung zu rechnen, wo der künftige Sitz der verringerten Polizeiinspektionen sein wird, doch bereits jetzt scheint die Richtung festgelegt zu sein. Fünf Kriterien nennt das Innenministerium, die für die Entscheidung wichtig seien. Das wohl wichtigste: Kriminalitäts- und Einsatzgeschehen in der Region. Das war in Vorjahren - schwankend - in Ludwigslust je Einwohner laut Polizeistatistik deutlich höher als in Parchim. Weitere Faktoren: zentrale Lage des Ortes wegen möglichst kurzer Wege, Zustand von Landes-Immobilien, Qualität der Infrastruktur und allgemeine Attraktivität des Standortes, nicht zuletzt die landesweite Organisationsstruktur. Dies spräche unterm Strich wohl in einem künftigen Großkreis aus Parchim und Ludwigslust für die heute westlichere Kreisstadt. Noch sei keine Entscheidung gefallen, heißt es aus dem Innenministerium. "Kaffeesatz-Leserei" sei weiteres Nachfragen, so Sprecherin Marion Schlender.

"Inspektion am Kreissitz"Anders klingt dies bei Insidern. "Der Kommunikationsprozess funktioniert besser, wenn die Inspektion auch am Kreissitz ist", sagt ein Landespolitiker. So sei zu erwarten: Hauptsitz der Inspektion in Ludwigslust, dafür ein Großrevier in Parchim.

Bevor eine Entscheidung falle, werde sie mit den Spitzen der betroffenen Landkreises erörtert, so Schlender. Die Landesregierung hatte bereits früher die Präferenz für Ludwigslust als Kreissitz signalisiert. Hauptargument: die zentralere Lage der Stadt - damit kürzere Wege. In Parchim wurden Zweifel laut.

Mehr Streifenbeamte in die Fläche - dieses Versprechen will Innenminister Lorenz Caffier (CDU) weiterhin umsetzen. Der Haken: Parallel zur Schaffung neuer Polizei-Strukturen muss er die Zahl der Beamten um etwa zehn Prozent reduzieren: bis 2010 auf 6708 (SVZ berichtete). Das Ministerium bleibe dabei, Beamte aus der Verwaltung für die Straße freizusetzen, Revierstandorte wie in Plau am See, Parchim oder Sternberg zu stärken. Schlender: "Alle Polizeireviere behalten ihren heutigen Status mit einem Streifendienst rund um die Uhr." Auf die Frage nach der Zukunft kleiner Polizeistationen wie in Warin oder Brüel antwortet die Sprecherin nicht direkt: "Durch die personelle Verstärkung des Revierdienstes ist zu erwarten, dass sich die Reaktionszeiten im Einzelfall eher verkürzen als verlängern dürften", so Schlender. "Das gilt auch für den ländlichen Bereich."

Die Polizei-Reform sei nötig, da sich die Sicherheitslage verändert habe, erklärt Caffier. Polizisten müssten zunehmend zu Einsätzen bei Versammlungen, Sportveranstaltungen, Dorf- und Stadtfesten. "Auch im täglichen Dienst stellen wir ein deutlich gestiegenes Aggressionspotenzial fest", so der Minister.

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