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Lokales

20. Oktober 2017 | 01:54 Uhr

Neue EHEC-Therapie in Greifswald gestartet

vom

svz.de von
erstellt am 08.Jun.2011 | 07:49 Uhr

Greifswald | Während die Fahnder nach der Quelle des gefährlichen Darmerregers immer noch im Dunkeln tappen, gibt es bei der Behandlung von besonders schwer erkrankten EHEC-Patienten möglicherweise einen Durchbruch: Mediziner und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald und der Universität Bonn haben Hinweise auf eine mögliche Ursache für die schweren Verläufe bei Patienten mit hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS) gefunden. Das gaben der Greifswalder Transfusionsmediziner und Gerinnungsexperte Prof. Andreas Greinacher und sein Bonner Kollege, Prof. Bernd Pötzsch, gestern bekannt.

"Die neuen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die bezüglich ihrer Hirnfunktion schwer betroffenen Patienten Eiweißstrukturen, so genannte Autoantikörper, bilden", sagte Greinacher. Autoantikörper richten sich gegen körpereigene Stoffe. Sie entstehen durch eine Fehlleitung des Immunsystems. Über die Ansammlung eines Gerinnungsfaktors schränkten sie vermutlich die Durchblutung wichtiger Gehirnregionen und der Nebenniere ein, erläuterte der Mediziner. Dies führe dann zu der schwerwiegenden Symptomatik. Warum dies nur bei einigen EHEC-Patienten passiere, sei noch unklar.

Inzwischen wurden vier Patienten in Greifswald mit einer Blutwäschetherapie behandelt, bei der die Autoantikörper aus dem Blut gefiltert werden. Ob die Behandlung anschlägt, werde sich erst in einigen Tagen zeigen, sagte Greinacher: "Die ersten Entwicklungen bei den Blutwerten stimmen uns optimistisch." Die spezielle Blutwäsche, die an sich kein neues Verfahren sei, könne auch in anderen Kliniken mit EHEC-Patienten angewendet werden.

Zusätzlich zum HUS-Syndrom, das durch den Giftstoff Shigatoxin der EHEC-Bakterien verursacht wird und die Niere schädigt, sind die neurologischen Auswirkungen auf das Gehirn wie Bewusstseinsstörungen und Epilepsien für die behandelnden Ärzte die schwierigste Komplikation von EHEC. Autoantikörper entstehen nach Angaben der Mediziner frühestens fünf Tage nach der Infektion. Damit erkläre sich, warum die Patienten die Durchfallerkrankung in der Regel bereits überstanden haben und erst danach die schweren neurologischen Symptome auftreten. Im Greifswalder "Zentrum für Innovationskompetenz für humorale Immunreaktionen bei kardiovaskulären Erkrankungen" forschen die Wissenschaftler seit Jahren an durch Antikörper verursachten Herz-Kreislauferkrankungen.

Die Zahl der EHEC-Fälle in MV ist unterdessen geringfügig gestiegen, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales gestern mitteilte. Demnach wurden bislang 140 Erkrankungen gemeldet. 112 Betroffene mussten in Krankenhäusern behandelt werden, darunter 37 Menschen, die an dem lebensgefährlichen HUS-Syndrom erkrankt sind. Bei der Suche nach dem EHEC-Erreger in Lebensmitteln aus Mecklenburg-Vorpommern sind Prüfer bislang nicht fündig geworden.

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