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Lokales

22. August 2017 | 22:20 Uhr

Neue EHEC-Spur: Gurke im Müll

vom

Berlin | Hinweis im Müll: Bei der mühevollen Suche nach der Quelle der EHEC-Epidemie gibt es eine neue Spur. In einer Abfalltonne in Magdeburg wurde die grassierende Form des Darmkeims an einem Gurkenrest entdeckt. Ob der Müll zum Ursprung der Infektionswelle mit mittlerweile 25 Toten führt, war vorerst unklar. Die Mülltonne gehört einer Familie, die an EHEC erkrankt ist. Wie der Keim dorthin kam, war zunächst offen. "Es ist nicht klar, und wir werden nicht mehr zweifelsfrei ermitteln können, wie er da hingelangt ist", sagte der Sprecher des Landesgesundheitsministeriums, Holger Paech. Die Gurkenreste lagen mindestens seit eineinhalb Wochen in der Tonne. Sachsen-Anhalt gilt bislang nicht als Schwerpunkt der Epidemie.

Trotz massiver Kritik am Krisenmanagement will die Bundesregierung keine nationale Seuchenbekämpfung schaffen. Das machte sie gestern nach einer Krisensitzung der Gesundheits- und Verbraucherminister mit EU-Kommissar John Dalli in Berlin klar.

Unter der EHEC-Krise leidende Gemüsebauern sollen nach dem Willen der EU-Kommission deutlich besser entschädigt werden als ursprünglich geplant. Für Umsatzeinbußen sollen die europäischen Landwirte 210 Millionen Euro statt der zunächst vorgeschlagenen 150 Millionen Euro erhalten. Das sagte EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos in Brüssel. Die EU-Staaten müssen dem Vorschlag noch zustimmen.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte nach dem Treffen in Berlin, dass der Darmkeim bisher 25 Todesopfer in Deutschland gefordert habe, die Zahl der Neuinfektionen aber sinke. Dies gebe Anlass für Optimismus, "dass wir bundesweit das Schlimmste hinter uns haben". Entwarnung gab es aber noch nicht. Die Infektionswelle sei der schwerste jemals beobachtete EHEC-Ausbruch in Deutschland und Europa, teilten die Minister mit. Bisher seien 1959 Fälle registriert, davon 689 mit besonders schwerem Verlauf, sagte Bahr gestern im Bundestag. Es sei nicht auszuschließen, dass es weitere Todesfälle und Neuinfektionen gebe.

Das Robert-Koch-Institut habe aber zurückgehende Zahlen von Neuinfektionen festgestellt. Warnungen vor dem Verzehr von rohen Gurken, Tomaten, Salat und Sprossen müssten aufrechterhalten werden.

Unterdessen verdichteten sich die Hinweise auf einen gesperrten Biohof in Niedersachsen als eine mögliche Quelle der Epidemie. Eine dritte Mitarbeiterin des Betriebs sei im Mai vermutlich an dem Darmkeim erkrankt gewesen, sagte Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU). Vorher war bereits die EHEC-Infektion einer Mitarbeiterin des Herstellers von Sprossengemüse bekannt, eine zweite litt an Durchfall. Der Hof hatte meist über Zwischenhändler Sprossen an Restaurants und Kantinen geliefert, deren Gäste teils dutzendfach erkrankten. In Sprossen-Proben fanden sich aber bisher keine EHEC-Erreger.

Mediziner der Universitätskliniken Greifswald und Bonn haben Hinweise auf die Ursache schwerer Verläufe bei EHEC-Patienten mit dem HU-Syndrom gefunden. Vieles deute darauf hin, dass neben dem Giftstoff Shigatoxin auch die Bildung von Autoantikörpern für schwere Schädigungen verantwortlich sei, sagte Mediziner Andreas Greinacher. Die Autoantikörper erhöhten einen Gerinnungsfaktor, was die Durchblutung von Gehirnregionen und der Nebennieren einschränke.

Bahr wies darauf hin, dass Krankenhäuser mit zahlreichen EHEC- Patienten zusätzliche Vergütungen beantragen könnten. Es gebe keinen Anlass zu Gesetzesänderungen. Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands forderte, alle EHEC-Fälle müssten außerhalb des vereinbarten Budgets zum vollen Preis abgerechnet werden.

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erstellt am 08.Jun.2011 | 08:16 Uhr

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