Netzwerke unterstützen Familien

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28. Juli 2010, 08:26 Uhr

Perleberg/Potsdam | Das Prinzip hat sich etabliert: In Brandenburg unterstützen ehrenamtliche Paten inzwischen rund 3000 junge Familien und Schwangere. Nach Angaben des Sozialministeriums in Potsdam sind dafür aktuell mehr als 930 ehrenamtlich Aktive in 25 Orten in dem 2006 gestarteten Projekt Netzwerk Gesunde Kinder im Einsatz. Im Februar diesen Jahres seien es noch 800 Paten gewesen. Bis auf die Prignitz, die Städte Potsdam und Frankfurt (Oder) nehmen nun alle Landkreise an dem Projekt teil, so das Ministerium.

Im Landkreis Prignitz gibt es aber ein ähnliches Format. Netzwerk Kindeswohl heißt das Anfang 2009 gestartete Modell. Im Gegensatz zum Netzwerk Gesunde Kinder stehen hier aber nicht ehrenamtlich Aktive schwangeren Frauen sowie jungen Familien mit Rat und Tat zur Seite, sagt Danuta Schönhardt, Leiterin des Bereiches Jugend und Familie im Landkreis Prignitz. Drei Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiterinnen, die geschult sind, bestimmte Lebenssituationen in den Familien im Kreis zu bewerten, würden für das Projekt eingesetzt. Die Personalkosten belaufen sich dabei für den Kreis auf 100 000 Euro im Jahr.

Finanzielle Unterstützung vom Land oder anderen Partnern gibt es Schönhardts Angaben nach nicht. Der Kreis habe indes auch keine Fördermittel beantragt, zumal er durch das Projekt 5,5 Millionen Euro im Jahr spare. Denn anders als zuvor müsse nun nicht mehr die Hilfe freier Träger für die verschiedenen Formen zur Erziehungshilfe von Kindern in Anspruch genommen werden, so die Abteilungsleiterin. Diese Aufgabe würden die drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen bewerkstelligen, "ohne jedoch mit ihren Aufgaben überfordert zu sein", so Schönhardt. Ähnlich wie beim Netzwerk Gesunde Kinder kooperiert das federführende Prignitzer Jugendamt unter anderem mit einer Kinderklinik, Kinder- und Frauenärzten, Hebammen, Jugendämtern und freien Trägern.

Das Netzwerk Kindeswohl basiert auf der Idee, Fällen von Kindesmisshandlungen oder Kindstötungen durch Betreuung vorzubeugen. Im Landkreis wurden nach Angaben der Verwaltung beispielsweise 2007 in 56 Familien mit insgesamt 99 Kindern Vermutungen von Kindeswohlgefährdung angezeigt, von denen sich 23 Fälle bestätigten. In den Jahren 2006 und 2007 hatte der Kreis denn auch mit der Vorbereitung zum Aufbau des Netzwerkes begonnen und 2008 beschlossen.

Zwar besitze die Prignitz keine außergewöhnlich schlimme soziale Lage, "zumindest nicht dramatischer als in anderen Kreisen Brandenburgs", so Schönhardt, doch gebe es Fälle, wo junge Mütter Unterstützung bräuchten bei der Versorgung ihrer Kinder. Das Jugendamt wolle hilfsbedürftigen jungen Familien Angebote aufzeigen: Angefangen vom "Baby-Begrüßungsdienst" könne, wenn gewollt, die Betreuung bis zur Volljährigkeit des dann erwachsenen Kindes reichen. "Viele wissen aber nichts von unseren Angeboten, wir wollen dafür sensibiliseren und uns als Partner und nicht als Kontrolleur verstehen. Das wird ein längerer Prozess werden", meint Danuta Schönhardt. Darin unterscheide sich das Prignitzer Modell besonders von dem des Netzwerkes Gesunde Kinder, das Familien mit Kleinkindern in den ersten drei Lebensjahren unterstützt. Das hiesige Konzept sei durchaus umfassender, betonte Schönhardt.

Im Landkreis Prignitz nahmen im ersten Jahr nach Gründung des Netzwerkes laut Schönhardt 88 Prozent der Neu-Eltern - es gibt im Kreis rund 540 Geburten jährlich - die Erstberatung der ausgebildeten Mitarbeiterinnen an. Bundesweit sei bei ähnlichen Angeboten im Schnitt eher mit einer Rate von 50 bis 60 Prozent auszugehen. 40 Familien aus der Prignitz würden dauerhaft betreut. Nun versuche die Behörde zur Entlastung der Mütter Ehrenamtler miteinzubinden: etwa bei der Aufsicht des Kindes.

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