Naturschutz mit Nebenwirkungen

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Naturschutzexperten und Bürger diskutieren im Dechower Geeinschaftshaus die Pflegemaßnahmen. Volker Bohlmann

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05. Juli 2010, 08:07 Uhr

Dechow | Über die Zukunft der Wald- und Moorlandschaft um den Röggeliner See diskutieren derzeit Naturschutzexperten, Planer vom Institut biota und Bürger aus Dechow. Dabei handelt es sich um einen Annäherungsprozess, der die Vorgaben des europäischen Naturschutzes beinhaltet und gleichzeitig den Wünschen der Bürger vor Ort gerecht werden soll.

Die vom Institut biota und der Biosphärenreservatsverwaltung angestrebte "konsensorientierte Entwicklungsarbeit" stößt nach wie vor auf Diskussionsbedarf innerhalb der Bevölkerung. Petrijünger und Touristen fragen sich: "Warum dürfen wir keinen Karpfenbesatz im See durchführen? Wie bekommen wir die Badestelle frei von Gänsen, die ihren Kot hinterlassen?" Bürgerfragen, die auf Konfliktsituationen hinweisen, welche Zielvorgaben wie die Eingrenzung des Artensterbens, Schutz und Pflege von Naturräumen gegenüberstehen.

"Grundsätzlich geht es um eine Verbesserung der jetzigen Situation", sagt Volker Thiele von biota. Er halte beispielsweise gründelnde Karpfen nicht als optimale Voraussetzung, um den mit Nährstoffen angereicherten See wieder ins Gleichgewicht zu bringen. "Der Röggeliner See hatte einst das Prädikat eines Klarwassersees mit einem guten Hecht- und Barschbestand", so Thiele. Dieses Ziel lasse sich nicht kurzfristig, aber im Rahmen von Pflegemaßnahmen für die Wald- und Moorlandschaft um den Röggeliner See erreichen. Während die Petrijünger eine Verschlechterung der Wasserqualität in Zusammenhang mit dem hohen Kormoranbestand sehen, regte Gerhard Behnsen anschließend die Beseitigung des Gänsekot-Problems nicht allein aus Sicht der Ferienhausbesitzer an: "Eine Grünlandpflege am Westufer könnte die Schar von Gänsen davon abhalten, die Badestelle zu belagern. Das hat sich vor Jahren bewährt." Eine wesentliche Voraussetzung sei das Freischneiden der Uferzugänge.

Die neue Form der Landnutzung bringe Veränderungen, meint auch Irmgard von Puttkammer. Sie vermutet, dass mit zunehmender Extensivierung der Landwirtschaft letztlich der Storch als Kulturfolger des Menschen sich bereits auf dem Rückzug befindet.

Thomas Neumann vom WWF sieht die Storchproblematik "als wesentlich vielschichtiger" an und vermutet keinen Zusammenhang mit den veränderten Bewirtschaftungsbedingungen am See. Letztlich sehen die Verantwort lichen mit dem Abschluss einer Pflegevereinbarung neue Chancen. So übernimmt ein örtliches landwirtschaftliches Unternehmen die Wiesenmahd westlich des Röggeliner Sees.

Als einen wegweisenden Schritt sehen die Naturschützer die noch im Dezember 2009 heftig umstrittene Anstauung des Kuhlrader Moores an (wir berichteten). Nach Aussagen von Thiele fanden die Experten mittlerweile eine Vielzahl von Pflanzenarten. Der gute Wasserstand ermögliche seltenen Vogelarten das Moor als geeignetes Habitat zu entdecken.

Im Dezember will biota den ausgearbeiteten Managementplan für den Röggeliner See vorlegen. Bis dahin sind noch zahlreiche Problemfelder zwischen Naturschützern und Landnutzern zu diskutieren. Darunter die Etablierung eines Wanderwegnetzes rund um den See. Konflikte scheinen dabei vorprogrammiert. Laut Studie von biota sind die gewünschten Pfade am Südufer des Sees sowie westlich des Kuhlrader Moores problematisch. Sie queren Brutvogelhabitate und führen unter anderem zu Beeinträchtigungen von seltenen Vogelarten wie Rohrweihe, Rohrdommel, Kranichen und Wildgänsen, heißt es im Bericht.


Während es Fischotter und Co im Gebiet des Röggeliner Sees hervorragend geht, brauchen Amphibien wie Kammmolche und Rotbauchunke die Pflege durch den Menschen. Das Rezept der Naturschützer zielt dabei auf die Erhaltung von zahlreichen Kleingewässern ab. Diese sind Bestandteil von Wiesen und Weiden sowie im Röggeliner Holz. Allein in 20 Fällen sind Staustufen bzw. ein Verschluss von Abläufen vorgesehen.

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