zur Navigation springen
Lokales

24. November 2017 | 02:45 Uhr

Natur trifft auf Moderne

vom

svz.de von
erstellt am 04.Okt.2010 | 07:19 Uhr

Wangelin | Energieverschwendung bei der Herstellung von Baustoffen, giftig gasende Baumaterialien, Ausbeutung der begrenzten Rohstoffe, Häuser die am Tropf der Energieversorgungsunternehmen hängen - alles das hält man beim FAL e.V. (Verein zur Förderung Angemessener Lebensverhältnisse) in Ganzlin für nicht zukunftsträchtig. Der FAL hat in den vergangenen Jahren eine Fülle von alternativen Projekten gestartet, deren Erfolge zu einer zunehmenden Zahl von Besuchern aus Ländern rund um den Erdball geführt haben. Insbesondere die "Europäische Bildungsstätte für Lehmbau", ebenfalls eine Initiative des FAL, bietet Ausbildungskurse, die mit Prüfungen durch die Handwerkskammer zertifiziert werden können. "Es ist ist zunehmend wichtig, auch die breite Bevölkerung besser zu informieren, denn die modernen Lehmbau standards haben nichts mehr mit alten Lehmhütten zu tun", erklärt Uta Herz, die die Bildungsstätte mit Seminaren vertritt. Mit dem neuen Projekt "Morgenland" möchte man Freizeitangebote und Ferienlager für Kinder, Jugendliche und Erwachsene machen, in denen spielerisch das Bewusstsein für den gesunden, nachhaltigen und damit auf Dauer praktizierbaren Umgang mit den Resourcen der Erde geweckt werden soll. Dafür werden eine Reihe von Neubauten am Wangeliner Garten errichtet. Lehm, Stroh und Holz sind die Baustoffe. Lehm ist als Baumaterial Jahrtausende alt. Seine vielfältigen Vorteile sind leicht einsehbar: Frei von Giften sorgt er für ein angenehmes Raumklima, der Energieaufwand für Transport ist gering, für die Verarbeitung ist sehr wenig Energie notwendig und die Entsorgung ist unproblematisch. Allerdings muss der Umgang mit dem Baustoff Lehm für die moderne Welt angepasst, manche Bauverordnungen überarbeitet oder neu geschaffen werden. Seit etwa einhundert Jahren versucht man, Lehm mit dem nachwachsenden Rohstoff Stroh für den Bau zu verbinden. Er ist in Mengen vorhanden, wird oft als Abfall verbrannt, obwohl er als Mittel zur Wärme- und Schalldämmung seinesgleichen sucht. Im Rahmen von "Tag der Region" wurde nun auf dem Gelände des Wangeliner Gartens das erste Gebäude des Morgenlandausbaus präsentiert, das beide Stoffe verbindet. Ein Fachwerk aus Holz wird mit gepressten Strohballen ausgefüllt und dann innen und außen mit Lehm verputzt. "Selbsttragende Strohballenwände sind leider noch nicht zulassungsfähig", so die ausführende Architektin Sabine Sühlo aus Berlin, die die Planung der Morgenland-Gebäude übernommen hat und auch die Bauausführung überwacht. Lehmbau ist seit Jahren ihre Leidenschaft. Die Besucher der Veranstaltung waren überwiegend vom Fach und bewiesen ihre Kompetenz durch gezielte Fragen. Auch kritische Anmerkungen zur Ausführung zeigten den Willen zur konstruktiven Auseinandersetzung, denn das Ringen um ökologisch wertvolle, aber haltbare und nicht zuletzt auch bezahlbare Bauten der Zukunft ist ein Thema, dem man von verschiedensten Ausgangspunkten näherkommen muss.

Dieser erste Bau, gedacht für die Mitarbeiter des Wangeliner Gartens, sollte praktische und experimentelle Erfahrungen vermitteln. "Die Wände der weiteren Häuser werden wir vorab mit Strohballen füllen und als Fertigelemente einsetzen", meint Marita Kiehnscherf, die bei der Beschäftigungsgesellschaft des FAL angestellt ist und wie die anderen Baumeister zunächst einen Kursus bei dem Dozenten für Lehm- und Strohballenbau, Burghard Rüger, absolviert hat. Lutz Hanold, Leiter der Lehmbauwerkstatt, hat die Bautruppe bei den Holzarbeiten beaufsichtigt.

Dirk Zaske von der "Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung" ist der Projektleiter für Inhalt und Durchführung der Schülerprojekte und Ferienfreizeiten im "Morgenland" und freut sich, dass die Bauten jetzt Gestalt annehmen. Denn Kinder und Jugendliche hätten weit weniger Vorurteile und seien mit praktischen Beispielen leicht davon zu überzeugen, dass kostengünstige, nachwachsende Stoffe wie Stroh oder Lehm für die Lebensqualität ihrer eigenen Zukunft eine wichtige Rolle spielen können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen