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Lokales

23. Oktober 2017 | 08:21 Uhr

Natürlich - ohne Gentechnik

vom

svz.de von
erstellt am 08.Sep.2010 | 07:05 Uhr

Wendisch Waren | "Wenn ich gentechnisch veränderte Kartoffeln auf meinem Acker finden sollte, ist nicht nur meine Ernte verseucht, ich muss womöglich noch dafür zahlen", empört sich der Bio-Landwirt Wolfgang Trampota. "Es muss nur eine Kartoffel von 100 auf meinem Acker gengezüchtet sein, dann bin ich Lizenzpflichtig an die BASF. Für die Biologischen Produktion muss ich den Nachweis bringen, woher mein Saatgut kommt", erklärt der Demeter-Bauer aus Wendisch Waren. "Sollte nun der Gentechnologie zugestimmt werden, muss ich auch noch den Nachweis erbringen, dass ich ohne Gentechnik anbaue." Und eben das sei der Knackpunkt: "Obwohl ich den Mist nicht will, bin ich in der Pflicht - und der, der ihn herstellt, kassiert womöglich auch noch dafür", so Trampota. Die genveränderten Pflanzen seien nicht beherrschbar und würden sich rasend schnell verbreiten, gibt der Wendisch Warener zu bedenken, unbelastete Äcker würden verseucht. "Bei der Gentechnik ist alles Zufall", ist sich Wolfgang Trampota sicher. Und mit seinen Zweifeln an der Gentechnik ist der Ökobauer nicht allein. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus hat nun, eine Woche nach dem Erntestart der Genkartoffel Amflora, sämtliche Bestände sicherstellen lassen und die Ernte gestoppt, nachdem es in Schweden zu einer Vermischung von Amflora mit anderen, nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Kartoffeln gekommen ist (SVZ berichtete). "Die Regierung des Landes ist auf einem guten Kurs", findet Trampota, denn die Amflora sei nicht die Alternative, es gäbe genügend neue Sorten, die ebenso ertragreich seien wie diese.

Die Gefahr bei der Gentechnik läge darin, dass Erbmaterial von Pflanzen, Tieren, Bakterien und Viren isoliert und auf andere Arten übertragen wird. Auf diesem Wege würden natürliche Artgrenzen überschritten, erklärt der Landwirt. "Die Pollen verbreiten sich ungehindert, sie übertragen die veränderten Gene auf andere Pflanzen und vermischen sich." So müssen bäuerliche Betriebe, die gentechnikfrei arbeiten, damit rechnen, dass auf ihren Feldern plötzlich veränderte Pflanzen wachsen. "Diese Pflanzen sind einfach nicht mehr beherrschbar, sie tauchen überall dort auf, wo sie nicht angebaut werden, entwickeln unkontrolliert Resistenzen. Und die Kontrollmaßnahmen sind dilettantisch." Auch Langzeitstudien zur Wirkung von gentechnisch veränderten Pflanzen auf die menschliche Gesundheit gäbe es noch nicht, gibt der Demeter-Bauer zu bedenken. Das Verantwortungsbewusstsein sei doch hierbei der wichtigste Wert - vor allem im Umgang mit der Zukunft der Kinder, findet der Mitinitiator der "Gentechnikfreien Region um Dobbertin". "Die Latte des Versagens der Wissenschaft ist einfach unendlich lang: Contergan, Tschernobyl, die Ölpest im Golf von Mexiko", so der überzeugte Gentechnik-Gegner. "Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie überhaupt darüber nachgedacht werden kann, so etwas wie gentechnisch veränderte Pflanzen zuzulassen." Deshalb ist Trampota aktiv: Der Ökobauer versucht mit den Landwirten der Umgebung ins Gespräch zu kommen. "Ich möchte sie überzeugen, dass auch sie sich kümmern müssen und nicht alles dem Selbstlauf überlassen können." In einem Vortrag beim Pagus e.V. in Neu Poserin klärte der Ökobauer über die Gefahren von Gentechnik auf. So finden sich immer neue Mitglieder für die "Gentechnikfreie Region Dobbertin". Diese unterschreiben eine Selbstverpflichtungserklärung, ihr Land gentechnikfrei zu bewirtschaften. "In Deutschland sind es mittlerweile 30000 bäuerliche Betriebe die gentechnikfrei arbeiten und man trifft immer wieder auf offene Ohren", sagt Trampota, Wichtig sei vor allem die Vernetzung von Organisationen, Privatpersonen und den Dachverbänden, so der Ökobauer. "Denn vieles ist zum rechten Zeitpunkt noch machbar - wir haben nicht verloren, es gibt sie noch , die Chance zu handeln."

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