Nassstellen und Bodenfröste

Gut 20 Tonnen bringen die drei mit Wasser gefüllten Eisenwalzen auf die Waage, mit denen Ralf Reschke Wiesen der Agrargenossenschaft Karstädt walzt. Auf diese Weise ebnet der Mitarbeiter nicht nur den Boden, sondern fördert auch das Wachstum der Gräser und verdrängt beziehungsweise schädigt Unkräuter.Manfred Drössler
Gut 20 Tonnen bringen die drei mit Wasser gefüllten Eisenwalzen auf die Waage, mit denen Ralf Reschke Wiesen der Agrargenossenschaft Karstädt walzt. Auf diese Weise ebnet der Mitarbeiter nicht nur den Boden, sondern fördert auch das Wachstum der Gräser und verdrängt beziehungsweise schädigt Unkräuter.Manfred Drössler

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07. April 2010, 08:27 Uhr

Prignitz | "Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt..." - das alte Frühlingslied traf in diesem Jahr für Landwirte der Prignitz nur bedingt zu. Der Winter bestimmte bis weit in den März hinein das Wetter.

"Wir haben in der Vegetation im Vergleich zum Vorjahr einen Rückstand von 10 bis 14 Tagen", schätzt Olaf Streese, Feldbauleiter der Agrargenossenschaft Kletzke, ein. Auch bedingt durch die Nachtfröste, die bis Ende März auftraten, teilweise auch noch jetzt im April. Viele Flächen seien durch stauende Nässe schwer befahrbar. Die erste Düngergabe haben die Kletzker abgeschlossen, mit der zweiten wurde begonnen. "Wir hoffen, dass die jüngsten warmen und trockenen Tage soviel ablüften, dass wir vielleicht zum Wochenende Rüben legen können", meint Streese.

Ein Stück weiter ist der bäuerliche Familienbetrieb Jaeger in Blüthen. "Wir sind gegenwärtig beim Pflügen des Maislandes und hoffen, nächste Woche mit dem Maislegen beginnen zu können. Entscheidend ist die Temperatur, die mindestens acht Grad Celsius haben muss", erläutert Torsten Jaeger. Bestellt werden sollen 100 Hektar.

Abgeschlossen ist die Rapsdüngung, so dass jetzt mit dem Spritzen gegen Käferbefall begonnen werden kann. Zugleich dient die Spritzung der Wachstumsförderung. "Die Natur gleicht alles wieder aus", meint Jaeger zum verzögerten Start der Frühjahrsbestellung.

Im normalen Ablauf sieht sich auch die Landgenossenschaft Pröttlin. Das Rübenlegen wurde gestern beendet, das Kartoffelpflanzen auf 100 Hektar für die Stärkefabrik Dallmin soll, so das Wetter offen bleibt, heute bzw. morgen beginnen. Siegfried Schlestein, verantwortlich für den Feldbau, rechnet mit der Maisbestellung auf 600 Hektar ab dem 15./16. April. Noch ist der Boden zu kalt, fehlen zwei Grad.

Seit Jahrhunderten leben Prignitzer Landwirte zwischen Quitzöbel und der Lenzer Wische mit der Elbe und deren Hochwasser. "Die erste Welle ist durch, die zweite klingt gerade ab. Wir haben auf den elbnahen Flächen nicht mehr Wasser als sonst, wissen, dass wir hier immer später raufkommen, und bestellen sie daher mit Mais, was noch etwas warten kann.

Ansonsten haben wir von der Frühjahrsbestellung her nicht das Problem, liegen gut im Rennen", erzählt Dirk Glaeser, Vorsitzender der Agrarproduktivgenossenschaft Abbendorf.

"Der Stand der Frühjahrsbestellung in der Prignitz ist aufgrund der vielen Nassstellen sehr differenziert zu werten", fasst Christina Stettin, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, zusammen. Viele Landwirte nutzen die kalten Morgenstunden zur zweiten Düngergabe, um größere Fahrschäden auf den Böden zu vermeiden.

Der lange Winter habe zwar für Frostschäden gesorgt, wie beim Raps zu sehen, doch sei das fast noch vertretbar, so Stettin. "Größere Schäden durch Kahlfröste sind jedoch nicht bekannt."

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