zur Navigation springen
Lokales

20. September 2017 | 18:23 Uhr

Nähmaschinenwerker erobern Ölmüle

vom

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2010 | 07:48 Uhr

Wittenberge | Samstagabend in der Ölmühle: Gaststätte und Saal der Schaubrauerei sind fest in der Hand von Nähmaschinenwerkern. An die 300 Damen und Herren erzählen, lachen, entdecken bekannte Gesichter, freuen sich riesig. "Bist du nicht die Jutta?". "Ja, ich bin die Jutta aus Wittenburg." "Dann lass dich drücken." Es ist ein Treffen ehemaliger Lehrlinge aus dem Veritas-Werk. Sie haben in dem mit der Wende untergegangenen Traditionsbetrieb ihre Berufsausbildung mit Abitur absolviert.

Einer aus ihren Reihen hatte die Idee für diese große Wiedersehensfeier: Bernd Maslo. Auch er hat die Betriebsschule in der Nähmaschine nach drei Jahren mit dem Abizeugnis und dem Beruf des Maschinenbauers verlassen. Die Reifeprüfung öffnete den Weg zum Studium. Nicht immer studierten die jungen Leute Maschinenbau.

"Aber die meisten von uns haben wohl studiert", heißt es nicht ohne Stolz an diesem Abend. Hans-Ulrich Torney beispielsweise hat einen Landwirtschaftsstudienabschluss in der Tasche. Heute ist er Chef im Bauamt Bad Wilsnack/ Weisen.

Das Amt ist gleich noch einmal vertreten. Am Nebentisch sitzt Amtsdirektor Hans-Jürgen Arndt. 1969 hat er mit einem Berufsabschluss und dem Abi in der Hand das Nähmaschinenwerk verlassen. "Wir waren ein super Jahrgang", sagt Arndt. Hubert Finke, der neben ihm sitzt und heute als Bundesbeamter den Außenbezirk des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg leitet, stimmend lachend zu. Acht Mann sind aus ihrem Jahrgang zum Treffen gekommen - alle sind sich darin einig: "Wir waren klasse."

Zurück zu Bernd Maslo. Ein bisschen Offizielles muss sein. Er begrüßt die Ehemaligen kurz, dankt jenen, die die Namen aus den Jahrgängen zusammengetragen und die Information übernommen haben. Da ist beispielsweise Erika Morgner. 1967 hat sie ihre Berufsausbildung mit Abitur gemacht. "Ich erinnere mich noch an die ersten Tage. Jeder hatte ein ganzes Schubfach mit Feilen. Wir Mädchen haben ganz schön geguckt." Erika Morgner gehörte in ihrem Jahrgang, so erinnert sie sich, zu den drei Mädchen, die überhaupt durchgehalten haben. Einige Jahre später hatte sich das Bild augenscheinlich gewandelt. Denn an einem der Tische sitzt eine große Mädchengruppe und feiert Wiedersehen. Die weiteste Anreise hatte Diane Barufke. Sie ist aus Frankfurt/Main für kurze Zeit zurück an die Elbe gekommen. Susann Meyer lebt heute in Wolfsburg. Aus Lenzen ist Simone Schönfeld dabei. Sie heben die Sektgläser, stoßen an.

Bernd Maslo sieht das Treiben in Saal und Gaststätte, lächelt. Er ist erleichtert, "dass das mit dem Absolvententreffen so gut geklappt hat", und er ist überrascht, "dass wirklich so viele Leute gekommen sind". Schon am Nachmittag bei der Besichtigung dessen, was vom Werk geblieben ist, war das Interesse viel größer als erwartet. Ulrich Wernicke, selbst ein ehemaliger Berufsschüler mit Abitur, hatte eine Führung unternommen. Wernicke ist mit einer kleinen Spezialfirma erfolgreich am Markt, hat dort seine Räume, wo früher Nähmaschinen gebaut wurden. Nachdrücklich sagt Bernd Maslo: "Das hier keine Ostalgieveranstaltung. Wir wollen uns einfach an unsere Zeit bei Veritas erinnern." Warum hat er sich diese Aufgabe überhaupt aufgehalst? Auf diese Frage antwortet Maslo ganz nüchtern: "Ich wollte zeigen, dass es klappen kann."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen