Nachwuchstüftler räumt ab

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10. April 2010, 01:57 Uhr

Zarchlin | Er ließ einen Ministerpräsidenten über seinen eigenen Schatten springen und tüftelt auch für die Probleme des Alltags Lösungen aus: Der Nachwuchsentdecker Jonathan Janetzki ist gerade mal 13 Jahre alt und doch in Sachen Erfindergeist schon ein alter Hase. Bereits zum vierten Mal hat der Zarchliner nun an dem Landeswettbewerb "Jugend forscht" teilgenommen. Erneut mit Erfolg: Gleich für zwei seiner drei Projekte wurde er in der Sparte "Schüler experimentieren" mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Überzeugt hat er die Jury zum einen mit seinem Beitrag zum Fachgebiet Arbeitswelt. Dabei setzte er sich mit dem Thema Blindheit und Sehbehinderungen auseinander. Jonathan fordert, dass Lebensmittelhersteller ihre Produkte, so wie es pharmazeutische Unternehmen längst machen, mit Brailleschrift kennzeichnen. Wie soetwas aussehen kann, zeigt er an Prototypen wie zwei Packungen Reis - die eine gefüllt mit Basmati-, die andere mit Milchreis. "Sie fühlen sich gleich an. Von der Form kann man nicht auf den Inhalt schließen", sagt Jonathan. Für Blinde und Sehschwache sei so ein Einkaufen ohne fremde Hilfe oder ein spezielles Barcode-Lesegerät nicht möglich. Brailleschrift auf der Packung macht Einkaufen für Blinde wesentlich einfacher. Mit der steigende Lebenserwartung nehmen auch die Alterskrankheiten in der Bevölkerung weiter zu. "In Zukunft wird ein größere Teil als heute blind oder sehbehindert sein", sagt Jonathan. Damit sie sich dann mit der Blindenschrift schon auskennen, hat der Schüler sich an den Rechner gesetzt. "Ich habe ein Computerprogramm für zehn- bis 15-Jährige entwickelt, mit dem sie die Brailleschrift erlernen können", sagt Jonathan. Angelehnt an Computerspiele und in verschiedenste Lektionen unterteilt sollen schon Jugendliche damit die Schrift aus Punkten erlernen können - etwa im Wahlpflichtunterricht in der Schule. Seine Ideen findet Jonathan überall, nicht nur in seinem Zimmer unter dem Dach. Hier aber hat er zwei Monate lang sein Brailleprojekt programmiert, bis zu zehn Stunden am Tag. Jonathans zweite Erfindung in diesem Jahr kommt eher am heimischen Herd zum Einsatz: Er entwickelte einen isolierten Kochtopf. "Mit dem kann man beim Nudeln kochen bis zu einem Siebtel an Energie einsparen", erklärt er.

Im Tüfteln hat Jonathan Erfahrung. Schon mit zehn Jahren meldete er seine erste Erfindung zu Patent an. Damals brachte ihn die Katze der Familie auf eine Idee. Um sie aus dem Sandkasten im Vorgarten fernzuhalten, hat der Zarchliner eine Gitterabdeckung aus Maschendraht erfunden, die Licht und Luft zwar an den Sand lässt, die Katze aber auf Abstand hält. "Das ist aber kein Vergleich zu den jetzigen Projekten", sagt der 13-Jährige bescheiden. An eines seiner Projekte erinnert er sich noch heute gern: die Schattensprungmaschine, welcher er zusammen mit seinem Bruder Christoph baute. Mit spezieller Lichteinstellung übersprang damit selbst Mecklenburg-Vorpommerns früher Ministerpräsident Harald Ringstorff seinen eigenen Schatten. "Im wahrsten Sinne des Wortes", erinnert sich Jonathan und muss dabei lachen.

Nicht nur der Forscherdrang, auch die Mathematik hat es dem Zarchliner angetan. Er war Landessieger bei der Matheolympiade im vergangenen Jahr, rutschte so in das bundesweite Förderprogramm "Jugend trainiert für Mathematik". Damit ist er einer von fünf in ganz Mecklenburg-Vorpommern, die hier dabei sind. Während andere Jungs in seinem Alter auf dem Sportplatz toben, widmet sich Jonathan komplizierten Rechenwegen. "Mathe statt Fußball", sagt Jonathan schmunzelnd.

Und was plant der Tüftler für die Zukunft? "Noch hab ich keine Idee, aber bis zum nächsten Wettbewerb ist ja auch noch etwas Zeit", sagt Jonathan. Dass er aber nochmals beim Wettbewerb "Jugend forscht" starten möchte, steht für ihn außer Frage. "Ich will meine Ideen präsentieren und sie nicht einfach vergessen. Sie könnten ja nützlich sein", sagt Jonathan.

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