Nachtwanderer auf Forscherspuren

Hüftgelenk im Test: Professor Christoph Woernle und Michael Kähler geben Einblicke in ihre Arbeit. Matthias Bannert
Hüftgelenk im Test: Professor Christoph Woernle und Michael Kähler geben Einblicke in ihre Arbeit. Matthias Bannert

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08. April 2010, 08:49 Uhr

Rostock | Die Stadt der Sieben - das Synonym für die Hansestadt, bekommt am 29. April eine neue Bedeutung. Bei der siebenten Langen Nacht der Wissenschaften zeigen Forscher in sieben Wissenschaftsregionen in der Hansestadt, was meist hinter den Labortüren verborgen bleibt.

"Der Löwenanteil kommt wie in jedem Jahr wieder von der Universität", sagt Organisator Robert Uhde. Dessen Rektor Professor Wolfgang Schareck ergänzt: "Unter dem Motto ,Mitwisser gesucht wollen wir spannende Themen aus Forschung und Wissenschaft transparenter machen." Die Rostocker Hochschule kann am 29. April ab 18 Uhr mit einigen sehenswerten Schätzen aufwarten. Beispielsweise lagern in den Archiven originale Schriften von Immanuel Kant und an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in der Ulmenstraße verraten die BWL-Profis, welche Tricks es für die private Haushaltskasse gibt. "Unser künstlicher Patient Igor war in den vergangenen Jahren immer der Renner", berichtet Mediziner Schareck. "Er hat sogar Tränen in den Augen, wenn die angehenden Ärzte ihn schlecht behandeln."

Professor Christoph Woernle von der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik zeigt den wissenshungrigen Besuchern, wie sich Hüftprothesen verhalten. "Das wird bei uns an Maschinen simuliert", erzählt Woernle. "Der Erfolg hängt nämlich stark davon ab, welche Lage die Prothesen haben."

In der Langen Nacht der Wissenschaften, bei der die Norddeutschen Neuesten Nachrichten Medienpartner sind, durchstreift eine Jury die verschiedenen Stationen, um anschließend an den besten Beitrag den Kommunikationspreis zu vergeben. "Es soll ja schließlich Wissenschaft zum Anfassen sein", erklärt Schareck das Konzept. Hier punktet nicht ein bloßer Vortrag der Ergebnisse, sondern die Besucher wollen sehen, wie etwas erforscht wird. "Für uns ist wichtig, wie die Informationen vermittelt werden", ergänzt Organisator Uhde. "Die Besucher sollen verstehen, was dort eigentlich passiert", so das Kriterium. Uhde freut sich, dass zwischen den Wissenschaftlern mittlerweile ein gewisser Ehrgeiz ausgebrochen ist - jeder hätte gern den Kommunikationspreis.

Der Rektor selbst hat bei der Langen Nacht der Wissenschaften die Führung in der Anatomie noch nie geschafft. Die erweist sich Jahr für Jahr als lohnenswerter Publikumsmagnet. "Ich kann darüber hinaus die Zoologische Sammlung nur empfehlen", so der Uni-Rektor.

Neu in diesem Jahr sind das Micha eliskloster mit seiner alten Bibliothek, das Inlingua-Sprachzentrum und das Psychologische Institut. Letzteres will mit einem Vortrag über die Philosophie in der Zeichentrickserie "Die Simpsons" punkten. "Eine coole Idee", meint Organisator Uhde. 4000 bis 6000 Besucher erwarten das Organisationsteam und die 800 Beteiligten. Wer von den Wissenschaftshungrigen viel herumkommt, wird belohnt: Bei drei Stationsstempeln gibt es freien Eintritt zur After-Science-Party im Cinestar Capitol. Dort können die Nachtwanderer ihre Eindrücke bei einem Drink und einem Film ausklingen lassen. Uhde weiß: "Viele unserer Besucher sind längt Wiederholungstäter."

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