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Lokales

21. August 2017 | 17:39 Uhr

Nach drei Tagen bühnenreif

vom

Hagenow | Später Freitagnachmittag. Normalerweise sitzen Larry Evers und die anderen Musiker von Godewind um diese Zeit im bandeigenen Studio oder sie stehen im Stau auf dem Weg zu einem ihrer Konzerte. Dieser Freitag aber gehört ganz den Menschen vom Lebenshilfewerk in Hagenow.

Im obersten Stockwerk des Freizeithauses in der Möllner Straße sitzen sie an ihren Instrumenten: Erika am Keyboard, Helmuth hinter dem Schlagzeug, Felix an der Gitarre und Claudio an den Bongos - vier von insgesamt 13 Menschen mit Behinderungen, die am Workshop mit der Gruppe "Godewind" teilnehmen. Lange haben sie sich auf die Arbeit mit den Profimusikern gefreut. "Ich war schon beim letzten Workshop dabei", erzählt Marina Dankowski. Die Hagenowerin, die in der Betriebsstätte am Hasselsort arbeitet, kann singen und probt mit Godewinds Frontfrau und Sängerin Anja Bublitz. Ihr Lieblingssong im Programm ist "Leuchtturm" von Nena. "Wir durften uns die Songs, die wir einstudieren, selber aussuchen", erzählt Marina. "Ich habe Nena schon einmal auf einem Konzert erlebt. Deshalb habe ich mir diesen Song gewünscht."

Seit Mittwoch proben die fünf Bandmitglieder von "Godewind" täglich mindestens sechs Stunden mit den Menschen mit Behinderung. "Ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wieviel Kraft die Musik entwickeln kann", sagt Larry Evers, der Gitarrist der Band. "Wie sie die Menschen öffnet und welche unbändige Freude sie wecken kann." Der Spaß, nicht die Perfektion stehe im Vordergrund. "Jeder darf mitmachen", sagt Larry Evers. "Alle sind mittendrin und keiner steht am Rand." Und wenn jemand zum Beispiel nur einen Akkord auf der Gitarre spielen kann, dann integriert die Band ihn genau mit diesem Akkord in das Stück.

Das Tollste an der Sache sei, dass die Menschen nicht nur während des Workshops begeistert Musik machen, sondern dass sie die Arbeit auch danach fortsetzten, sagt Evers. Auf dem letzten Workshop vor zwei Jahren in Hagenow zum Beispiel habe Helmut das erste Mal am Schlagzeug gesessen. "Wir haben sofort gespürt, dass er es drauf hat", sagt Larry. "Helmut bekam sein eigenes Schlagzeug und übt seitdem fast täglich daran." Dass er auch in diesem Jahr wieder dabei ist, versteht sich von allein. Auch Erika hat vor zwei Jahren auf dem Keyboard nur mit einem Finger gespielt. Heute spielt sie mit der rechten Hand die Harmonien und mit der linken die Basstöne. "Das ist grandios", sagt Larry Evers von Godewind. Seine Band feiert in diesem Jahr 30-jähriges Jubiläum. "Wir sind oft auf Tour, in diesem Jahr gibt es auch viele Jubiläumskonzerte. Aber die Zeit für den Workshop nehmen wir uns. Nichts ist schöner, als Freude an der Musik und dem gemeinsamen Musizieren zu wecken."

Nach nur drei Tagen steht das 45-minütige Programm, das ganz allein von den Menschen vom Lebenshilfewerk heute Abend auf der Bühne in der Synagoge präsentiert wird. "Godewind" wird danach unplugged spielen. Karten (für fünf Euro) gibt es nur an der Abendkasse. Der Erlös kommt ausnahmslos der weiteren Sanierung der Synagoge zugute.

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erstellt am 27.Aug.2010 | 06:49 Uhr

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