Ganz Boldenstorf ohne Festnetzanschluss : Nach Diebstahl müssen neue Kabel her

Bei diesem Wetter keine angenehme Aufgabe: Remo Bause und Harald Fischer erneuern zusammen mit ihren Kollegen die gestohlenen Telefonleitungen entlang der Straße nach Boldenstorf. Evelyn bubber-menzel
Bei diesem Wetter keine angenehme Aufgabe: Remo Bause und Harald Fischer erneuern zusammen mit ihren Kollegen die gestohlenen Telefonleitungen entlang der Straße nach Boldenstorf. Evelyn bubber-menzel

Das schlägt dem Fass den Boden aus! Ganz Boldenstorf ist seit dem Wochenende ohne Telefonanschluss, weil Ganoven von den Masten 1500 Meter Telefonkabel geklaut haben. Sie waren offenbar scharf auf das Kupfer darin.

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20. Dezember 2010, 08:00 Uhr

Boldenstorf | Das schlägt dem Fass den Boden aus! Ganz Boldenstorf ist seit dem Wochenende ohne Telefonanschluss, weil Ganoven an der Zufahrtstraße von den Masten 1500 Meter Telefonkabel geklaut haben. Sie waren offenbar scharf auf das Kupfer darin. (Wir berichteten.)

Insgesamt sitzen seit Sonnabend 14 Haushalte in dem Dorf ohne Telefon da.

Doch die Telekom reagierte schnell: Schon gestern Morgen rückte in ihrem Auftrag eine Firma an, um die geklauten Kabel zu erneuern. Was bei den Minustemperaturen und dem Schneetreiben eine echte Herausforderung ist. "Zwei Tage brauchen wir dazu mindestens", sagt Dieter Lemke, einer der vier Monteure der Neustrelitzer Firma, die dabei ist, den Schaden zu beheben. Mit Steigeisen klettern die Männer die rund vier Meter hohen Masten hinauf, um die neuen Kabel zu befestigen. Wobei sie erstmal die herunter hängenden Kabelreste entfernen müssen, die die Ganoven an den meisten Masten hängen ließen. "Hochgeklettert sind die da bestimmt nicht", schätzt Monteur Harald Fischer. "Die haben garantiert ne lange Astschere genommen und die Kabel von unten aus durchgeschnitten."

Es ist nicht das erste Mal, dass die Männer so viel Unverfrorenheit wieder ausbügeln müssen. Aber dass gleich auf so einer langen Strecke Kabel geklaut werden, haben sie noch nie erlebt, sagen sie. War der Schaden zuerst auf 1250 Meter geschätzt worden, wurde gestern schnell klar, dass es sogar noch 250 Meter mehr sind.

Auch Jürgen Will, Pressesprecher der Telekom, hat so etwas noch nicht erlebt, wie er sagt. "Das ist eine unglaublich lange Strecke. Da die Masten immer 50 Meter auseinander stehen, heißt das, dass die Kabel zwischen 30 Masten herausgeschnitten wurden." Es müsse ein lukratives Geschäft sein mit dem Kupfer, meint er verärgert. "Wir haben solche Diebstähle hin und wieder", sagt er. "Aber nicht in solchen Größenordnungen." Das Schlimmste aber sei, dass durch das Kappen der Telefonleitungen Menschen in Gefahr gebracht wurden, stellt er fest. "Denn wer kein Handy hat, kann in einem Notfall nicht mal den Rettungswagen oder die Feuerwehr rufen."

"Ein Glück, dass das Telefon noch funktionierte, als es mir vor ein paar Tagen plötzlich so schlecht ging , dass ich den Rettungsdienst 112 rufen musste", sagt, wie zur Bestätigung, der Boldenstorfer Herbert Krauel, der sogar ins Krankenhaus musste. Er habe inzwischen zwar ein Handy. Aber damit könne er noch nicht so gut umgehen. Deshalb hoffe er, dass das Telefon bald wieder funktioniert, betont er.

"Das ist doch nicht mehr normal, was die alles klauen", findet die 83-jährige Boldenstorferin Gerda Bohn. "Mein Sohn macht mir jetzt erstmal mein Handy wieder fertig, damit ich das für den Notfall habe. Aber besser ist doch das richtige Telefon", findet die alte Dame. Bisher habe sie sich in ihrem Haus immer sicher gefühlt, sagt sie. "Aber wenn da in der Nähe so was geklaut wird, wird man schon unsicher", bekennt sie.

"Man muss die Kabel eben in die Erde legen", hat Herbert Krauel eine Idee, wie man solchen Diebstahl verhindern könnte. Doch weit gefehlt. "Bei Erdkabeln in Berlin haben wir es schon gehabt, dass Schächte aufgebrochen und die Kabel rausgezogen wurden", so Telekom-Pressesprecher Jürgen Will.

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