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Lokales

19. Oktober 2017 | 13:09 Uhr

MV-Schiffbau reißt die Branche rein

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svz.de von
erstellt am 08.Sep.2010 | 07:05 Uhr

Schwerin | Die Situation der Nordic- Yards-Werftstandorte in Wismar und Warnemünde ist laut IG Metall Küste "die mit Abstand wichtigste Ursache" für die negative Entwicklung bei den Arbeitsplätzen im Schiffbau Deutschlands. Das geht aus der Schiffbauumfrage 2010 hervor, die die Gewerkschaft beim Institut für Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen in Auftrag gegeben hat. Laut der Analyse sind seit September 2008 rund 3800 Arbeitsplätze abgebaut worden. Das entspricht einem Rückgang um 18,4 Prozent. Insgesamt sind demnach nur noch 16 760 Arbeitnehmer im Schiffbau beschäftigt.

Bei Nordic waren nach der Insolvenz des Vorgängerunternehmens zum 1. September 2009 rund 2300 Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft gewechselt. "Durch den Einstieg des neuen Investors und den von der IG Metall durchgesetzten Beschäftigungspakt sind zurzeit wieder insgesamt rund 800 Arbeitnehmer zurückgekehrt und mit dem Bau der ersten neuen Aufträge beschäftigt", so die Studie. Die P+S Werften in Stralsund und Wolgast hätten ebenfalls einen deutlichen Beschäftigungsrückgang im vergangenen Jahr verkraften müssen. Auf der Volkswerft Stralsund habe sich die Zahl der Beschäftigten um 9,7 Prozent (133 Mitarbeiter) reduziert, auf der Peene-Werft in Wolgast um 12,7 Prozent (110 Mitarbeiter).

"Inwieweit es mit den Nordic Yards in Warnemünde und Wismar weitergeht, bleibt abzuwarten", heißt es in der Studie. Die Auftragslage der Werften mit nur einem Schiff und einer Offshore-Plattform reiche bei weitem nicht aus, um dort einer sicheren Zukunft entgegenzusehen. Ohne neue Auftragseingänge werde es für die Werften noch schwieriger und der Erhalt beider Standorte beinahe unmöglich werden.

Mit dem Verkauf der Rolandwerft durch die Hegemann-Gruppe sei hingegen ein wichtiger Schritt zur Restrukturierung der Volkswerft Stralsund und der Peene-Werft in Wolgast unternommen worden, schätzen die Autoren ein. Die seit Juni 2010 unter dem Namen P+S Werften zusammengefasste Gruppe gehöre nun mehrheitlich der HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft (93 Prozent), nachdem Werfteigner Detlef Hegemann auf Druck der Banken seine Anteile an die HSW habe abtreten müssen. Ihm gehören zwar noch die restlichen sieben Prozent der Anteile, ins operative Geschäft der P+S Werften sei er jedoch nicht mehr eingebunden. Seit dem Aufkauf der Volkswerft Stralsund seien allerdings bei den P+S Werften mehr als 400 Arbeitsplätze abgebaut worden. Die Gruppe habe im Sommer 2010 nach Unternehmensabgaben über einen gesicherten Auftragsbestand von 20 Schiffen über rund 590 Millionen Euro verfügt.

Kritisch sehen die Autoren den Bereich Marineschiffbau: "Insbesondere bei der Peene-Werft in Wolgast (...) darf dagegen bezweifelt werden, dass die doch weit in der Zukunft liegenden Zeitpunkte der letzten Marineschiffsauslieferungen ausreichen, um die Werftkapazitäten angemessen auszulasten", schreiben sie.

Untersucht wurde auch das Thema Kurzarbeit, das zum Erhalt von Arbeitsplätzen, aber auch zu Einkommenseinbußen, beitrage: Während im laufenden Monat bei der Volkswerft Stralsund in der Fertigung die betroffenen Beschäftigten einen Arbeitsausfall von rund 60 Prozent verkraften mussten (im Durchschnitt der gesamten Belegschaft rund 35 Prozent), beträgt der Arbeitsausfall bei der Peene-Werft 50 Prozent. In absoluten Zahlen: Von den 753 Mitarbeitern in Wolgast sind 100 seit August 2009 von Kurzarbeit betroffen. In Stralsund sind es 500 von 1240 Mitarbeitern seit Juli 2009.

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