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Lokales

18. Oktober 2017 | 22:35 Uhr

Muss Philipp A. für immer hinter Gitter?

vom

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erstellt am 15.Apr.2011 | 08:30 Uhr

Rostock | Böse Überraschung für Philipp A. (22), den Hauptangeklagte im Mordprozess vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Rostock. Der Vorsitzende Richter machte ihm und seinem Verteidiger gegenüber klar, dass im Fall einer Verurteilung auch die Anordnung einer Sicherungsverwahrung in Betracht komme. Eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren Haft wäre damit ausgeschlossen.

Die Rostocker Staatsanwaltschaft beschuldigt Philipp A. und seinen Kumpel Vladimir B., am 2. September 2010 den 41-jährigen Altenpfleger Thomas K. in seiner Wohnung im Rostocker Stadteil Schmarl getötet zu haben. Sie sollen ihrem Opfer, das sie zuvor an einer Tankstelle getroffen hatten, nach einem Streit um Alkohol mit einem Brotmesser die Kehle durchgeschnitten haben. Beide Angeklagten beschuldigen sich allerdings gegenseitig.

Der Anwalt von Philipp A. beantragte gestern sofort, nachdem die mögliche Sicherungsverwahrung zur Sprache kam, die Aussetzung des Verfahrens. Das Gericht wies den Antrag aber schon nach einer Unterbrechung von zehn Minuten als unbegründet zurück. Danach teilte der Vorsitzende Richter mit, dass er ab sofort eine tägliche Kontrolle der Zelle von Philipp A. angeordnet habe. Ein Handy sei bereits entdeckt worden.

Ermittlung auch wegen sexuellem Missbrauch

Gegen Philipp A., der bereits wegen Raubes eine mehrjährige Haftstrafe verbüßte, wird zurzeit auch wegen des sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen ermittelt. Die inzwischen 14-jährige Regina P. gab gestern in ihrer Vernehmung an, sich Anfang September 2010 mit Philipp A. und seinem ebenfalls angeklagten Freund Vladimir B. (25) in ihrem Heimatort Ribnitz getroffen zu haben.

Der 25-Jährige sei zwar betrunken gewesen, habe ihr aber gesagt, dass er einen Menschen mit einem Messer getötet habe - was sie nicht ernst genommen habe.

Später habe Philipp A. sie nachts aus dem Gefängnis heraus angerufen. Er soll ihr gesagt haben, dass er Vladimir B. der Polizei ausgeliefert habe. Regina P. war in Philipp A. verliebt, sagt sie. Sie hätten aber nur miteinander gesprochen. Jeden weiteren Kontakt bestritt sie.

Ihre Mutter, die im Landgericht neben ihrer minderjährigen Tochter auf der Zeugenbank saß, weinte während der Vernehmung. Sie sei nach Aussagen ihrer Tochter kategorisch gegen ein Treffen mit Philipp A. gewesen. Das Mordgeständnis des Vladimir B., habe sie ihren Eltern erst mitgeteilt, als die Einladung zur Zeugenvernehmung kam. Sie habe geglaubt, dass in Deutschland eine 14-Jährige, die erst kurze Zeit hier lebt und die Sprache nicht beherrscht, als Zeugin nicht aussagen darf.

Regina P. blieb wegen ihres Alters unvereidigt. Der Richter gab ihr mit auf den Weg, die deutsche Sprache zu erlernen und ihren Eltern gegenüber offen zu sein. Die Mitteilung ihres Alters hatte am vorherigen Prozesstag Befremden ausgelöst. In diesem Fall ließ die Strafprozessordnung nur die Befragung durch den Vorsitzenden Richter zu. Alle anderen Beteiligten mussten ihre Fragen bei ihm einreichen.

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