Musik, so bunt wie die Welt

'Die Herren' boten in der voll besetzten St. Jacobi-Kirche Swing aus der Zeit der Comedian Harmonists, hatten mit ihren witzigen Texten und Einlagen die Lacher auf ihrer Seite.
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"Die Herren" boten in der voll besetzten St. Jacobi-Kirche Swing aus der Zeit der Comedian Harmonists, hatten mit ihren witzigen Texten und Einlagen die Lacher auf ihrer Seite.

Ob sie nun 30 Instrumente dabei hatten, wie "Rumpelstolz" aus Bernau oder nur eine Gitarre, wie Meike Koester aus Braunschweig: Der Applaus war allen 20 Bands beziehungsweise Künstlern auf den fünf Bühnen des Perleberg-Festivals sicher. Die zwölfte Auflage der Veranstaltung dürfte zudem als eine der am besten besuchten in die Chronik eingehen.

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14. September 2009, 09:12 Uhr

Perleberg | "Wir sind hier schon Stammgäste, bestimmt das zehnte Mal dabei", erzählen Marlies und Wolfgang Teschendorf aus Pritz walk. Sie selbst wünschen sich noch deutlich mehr Besucherandrang für eine solch außergewöhnliche Veranstaltung, wie das Perleberg-Festival. "Wenn zu wenig Leute kommen, wird es das in der Zukunft vielleicht nicht mehr geben", sagt Wolfgang Teschendorf. Dr. Uwe Steuer vom Freundeskreis des Perleberg-Festivals gibt den Pritzwalkern im Prinzip Recht - zeigte sich allerdings gestern mit dem Verlauf der zwölften Auflage außerordentlich zufrieden. Positiv hatten sich die veränderten Vorverkaufsmodalitäten ausgewirkt. "Offensichtlich kann man über den Preis doch einiges regeln", meint Steuer und spielt dabei auf die günstigen Wochenendkarten an, die von Freitagabend bis zur Jam-Session Sonntagvormittag galten und bereits zu einem Preis von zehn Euro zu haben waren. Die Karten für den Samstagabend kosteten, wenn man sie an der Abendkasse kaufte, hingegen allein zwölf Euro. Das werde man wohl im kommenden Jahr noch ausbauen, sagt Steuer, bereits im Vorgriff auf Festival Nr. 13. "Wenn wir das Dutzend vollgemacht haben, müssen wir jetzt auch das 13. in Angriff nehmen", sagte er gestern im Gespräch mit dem "Prignitzer".

Steuer zog auch vom Freitagabend, gestaltet von Prignitzer Nachwuchsbands und von der Künstlerin Dominique Lacasa auf dem Innenhof des Wallgebäudes, ein positives Resümee. "Der Freitag war wirklich hammermäßig. So viele Besucher hatten wir hier noch nie. Hinzu kam natürlich das geniale Wetter." Auch der Sonnabend hatte seine Publikumslieblinge. Dazu zählten beispielsweise im Speicher die "Hot Strings" aus Berlin, eine der führenden Western Swing- und Bluegrass-Bands in Europa. Das Quintett heizte den Hof quasi vor für die folgende Band "Larkin" - in der Prignitz bereits ein Begriff, wenn es um kraftvollen Irish-Folk-Rock geht - und bereitete den Boden für Dirk Zöllner, der hier ab 21 Uhr den Glanz- und Schlusspunkt setzte.

Gefühlvolle Töne schlug Meike Koester im Hof des Museums an. Nur mit Stimme, tollen Liedtexten und Gitarre verzauberte sie ihr Publikum - das gern die Gedanken schweifen ließen und ganz versonnen zuhörte. Koester selbst genoss ihrerseits die einmalige Atmosphäre des Festivals und speziell der kleinen Bühne an einem ungewöhnlichen Spielort. Musik für die Seele boten am Nachmittag in der Jacobi-Kirche auch "Strömkarlen" mit alten schwedischen, keltischen und skandinavischen Liedern sowie am Abend die "Klezmeyers" aus Berlin im Parchimer Hof, wo die Sitzplätze bereits knapp geworden waren. Den besten Blick aufs Geschehen hatten hier ohnehin die Hühner. Sie lugten von hinten durch ein kleines angelehntes Fensterchen auf die Bühne und auf einen Teil der Zuschauer. Songs, die dem Federvieh offenbar besonders gut gefielen, wurden hier und da auch mal mitgegackert.

Abgesehen von dieser Einlage entwickelt das Festival eine Dynamik, die viel versprechend sei, sagt Uwe Steuer. Die Bands bewerben sich regelrecht, um in Perleberg auftreten zu dürfen. 800 CDs habe er inzwischen von Künstlern, die ihren Wunsch nach einem Auftritt anmeldeten, so Steuer. Das Spezielle an der Veranstaltung dürfte zudem sein, dass Stadt und Freundeskreis in einer Art und Weise zusammenarbeiten, "wie man sie in Deutschland woanders kaum findet." Undenkbar wäre das Perleberg-Festival in dieser Form zudem ohne die vielen kleinen Geldspenden sowie die größeren Summen, die vom Land sowie von der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz kommen.

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