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Lokales

24. Oktober 2017 | 09:28 Uhr

Musik der Hoffnung

vom

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erstellt am 19.Sep.2010 | 10:14 Uhr

Perleberg | Wenn am 25. September drei Sinfonische Orchester der Musikschulen aus Potsdam, Oppeln und der Prignitz ein Benefizkonzert anstimmen, denn werden in der ersten Reihe der Wittenberger Kirche Kinder und Jugendliche in Rollstühlen sitzen. Für sie werden rund 100 Musiker Werke von Dvorák, Moninszko und Händel spielen. Der Erlös geht an den Verein "Aktion Benni & Co.".

Duchenne Muskeldystrophie (DMD), auch Muskelschwund genannt, lautet die Diagnose. DMD bedeutet für die betroffenen Kinder immer noch eine unheilbare, tödlich endende Krankheit. Inzwischen wird ein über Spendenmittel finanziertes Medikament erprobt, das die fortschreitende Krankheit zwar nicht heilen, aber vielleicht sehr verzögern kann. Wegen der relativen Seltenheit von DMD gibt es aber für die Forschung kaum Mittel.

"Wer vor fünf Jahren die Idee hatte, bei der bundesweiten Aktion mitzumachen, das weiß ich gar nicht mehr", gesteht Kristin Kapahnke. Sie absolviert ein Studium zur Musiktherapeutin und spielt seit zirka elf Jahren im Orchester der Kreismusikschule Prignitz die Schlaginstrumente und "ansonsten auch mit die erste Geige", wirft Marianne Hoffmann scherzhaft ein. Damit meint sie weniger das Instrument, sondern vielmehr das Engagement der 26-Jährigen. Kristin suchte Kontakt zu Jugendlichen, die unter dieser Krankheit leiden. In einem Dorf bei Magdeburg traf sie Familie Bauer. Ihre beide Söhne haben DMD. "Ich besuchte sie, erlebte ihren Alltag und war einfach nur bewegt, wie sie diesen meistern." Aus eigenen Mitteln baute die Familie ihr Haus um, lernte mit der Krankheit zu leben. "Was mich faszinierte, das Haus war stets voller Kinder. Den Jungs fiel es schwer, die Freunde zu besuchen, also kamen sie zu ihnen."

Angetan von diesem Lebensmut und -gefühl berichtete Kristin dem Orchester davon. Um ganz sicher zu gehen, dass man hier auch einen seriösen Verein unterstützt, nahm Wolfgang Herms inkognito an einer Mitgliederversammlung teil. "Ich war beeindruckt von der Stärke der Eltern. Sie waren nicht verbittert, haderten nicht mit dem Schicksal, sondern waren beseelt vom Willen, das Leben mit ihren Kindern zu leben." Per Telefon übermittelte Wolfgang Herms stehenden Fußes seine Eindrücke dem Orchester, das daraufhin mit dem Proben begann. "Wir saßen förmlich in den Startlöchern", erinnert sich Andreas Jerye, Leiter des Sinfonischen Orchesters der Kreismusikschule Prignitz.

Am kommenden Sonnabend spielen sie ein drittes Mal für Kinder und Jugendliche die an DMD erkrankt sind, für den Verein "Aktion Benni & Co.". "Der Wunsch kam aus dem Orchester, und es sind viele, die bei der Organisation helfen. Ich und auch die Kreismusikschule hätten das nicht allein geschafft", gesteht der Orchesterleiter unverhohlen ein. Denn es galt Übernachtungsmöglichkeiten zu beschaffen, die Versorgung abzusichern, Auftritts- und Probentermine abzustimmen und vieles mehr. Denn mit den Prignitzern werden auch das Jugendsinfonieorchester der Musikschule "J. S. Bach" Potsdam unter Leitung von Jürgen Runge und das polnische Sinfonieorchester der Musikschule "Frèdèric Chopin" Oppeln unter Leitung von Hubert Prochota die Wittenberger Kirche mit Musik erfüllen.

Es sind persönliche Kontakte, die auch die Musiker zusammenbrachten und im gemeinsamen Orchesterlager entstand daraus eine klingende Freundschaft. Für das Konzert probt derweil jeder für sich, zu groß sind die Entfernungen. "Am Freitag wird sich alles wie ein Puzzle fügen", so Andreas Jerye und prompt klingelt sein Handy. Am anderen Ende der polnische Orchesterleiter. Kurz wird der Zeitplan fürs kommende Wochenende abgestimmt, per Mail folgt alles noch mal schriftlich. Dann gibt der Taktstock den Orchestereinsatz für ein "Guten Morgen Hubert". Und Wolfgang Herms sendet noch auf polnisch die besten Grüße Richtung Oppeln.

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