Museum: Historie trifft Gegenwart

Vom mit der Wende geschlossenen Industriegebiet hin zu einem touristischen Anlaufpunkt: Die Gäste waren von der Ölmühle angetan.
Vom mit der Wende geschlossenen Industriegebiet hin zu einem touristischen Anlaufpunkt: Die Gäste waren von der Ölmühle angetan.

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08. Mai 2011, 06:42 Uhr

Wittenberge | Äußerlich Industriepatina, im Innern ein modernes, im Detail liebevoll gestaltetes Hotel, in dem sich auch Bezüge zu eben dieser industriellen Vergangenheit finden: Für die Teilnehmer am Jahrestreffen des Museumsverbandes ist das neue Hotel auf der Ölmühle im Kleinen ein Beispiel dafür, was die Tagung im großem und als Denkansatz für ein modernes Museumsverständnis diskutierte. "Es geht um mehr als das Bewahren von Gegenständen und Wissen aus der Vergangenheit. Unser Verständnis reicht weit darüber hinaus. Es verstehe das Museum als Einrichtung, die Prozesse begleitet." Veränderungen wie beispielsweise die auf der Ölmühle, seien Teil der Geschichte und schlagen gleichzeitig den Bogen in Gegenwart und Zukunft, sagt der 1. Sprecher des Verbandes, Markus Ohlhauser.

Freitag und Sonnabend weilten die weit über 70 Tagungsteilnehmer in Wittenberge. "Der Beratungsort ist auch immer ausschlaggebend für das Thema, das wir bei unseren jährlichen Zusammenkünften diskutieren", sagt Geschäftsführerin Dr. Susanne Köstering. "Wittenberge hat uns den Anlass geboten, uns mit den Herausforderungen zu beschäftigen, vor denen viele ehemalige Industriestädte in Brandenburg heute stehen: Stadtumbau, Schrumpfungsprozesse, wirtschaftlich-soziale Veränderungen, Suche nach neuer Identität." Die Akteure aus Kultur und Museum, Politik und Verwaltung, Tourismus und Wirtschaft, Medien und Wissenschaft, die aus ganz Brandenburg angereist waren, diskutierten in Foren, wie Museen mit zeitlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen umgehen und umgehen könnten.

Die Ideen reichen weit, schließen ein, dass die Einrichtungen zu Foren werden, in denen aktuelle Konzepte und Entwicklungslinien in der Stadt von ihren Bürgern besprochen werden, sich Ausstellungen mit diesen Themen befassen. Natürlich sei es jedem Museum und dessen Träger selbst überlassen, in wie weit er die Anregungen der Tagung aufgreift, sagt Dr. Köstering. Und häufig sei es sich ja auch eine finanzielle Frage. Neue oder umgestaltete Ausstellungen kosten eben auch immer Geld.

Birka Stövesandt als Chefin des Wittenberger Stadtmuseums fühlt sich durch die Tagung in ihrer Auffassung bestärkt, "bei uns im Haus Entwicklungslinien aufzuzeigen, so wie wir es ja auch jetzt bereits praktizieren". Die gesamte Dauerausstellung sei unter diesem Gesichtspunkt konzipiert, zeige Wittenberge auf dem Weg vom Ackerbürgerstädtchen zur Industriestadt und verdeutliche die Ursachen der Veränderung. Aber auch in der aktuellen Sonderausstellung zum Thema Patchwork und Nähen spiegele sich der Zeitenlauf wieder. Die Veritas-Nähmaschine wird vom Haushaltsgegenstand zum kreativen Arbeitsmittel.

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