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Lokales

18. November 2017 | 02:10 Uhr

Mordprozess: Waffenkenner sagen aus

vom

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2010 | 08:47 Uhr

Rostock | Am 8. Verhandlungstag gegen den Landwirt und Bauunternehmer Holger H. (45) aus Ikendorf, der beschuldigt wird, am 21. Februar 2010 seine Ehefrau Jana (45) erschossen zu haben, sind gestern die Waffenexperten zu Wort gekommen.

Heinz J. (52), Vorsitzender des Schützenvereins Groß Lüsewitz, kennt den Angeklagten seit vielen Jahren. Um Mitglied eines Schützenvereins zu werden, seien nicht nur Waffenkenntnisse und das nötige Wissen um rechtliche Fragen erforderlich, sondern auch eine hohe charakterliche Eignung. So dürfe derjenige zum Beispiel nicht vorbestraft sein. Jedes Mitglied müsse sogar einen Eignungstest bestehen, so der Vorsitzende. Holger H. hätte alle Aufnahmebedingungen erfüllt und sei am 1. Januar 2000 Mitglied des Schützenvereins geworden. Bis 2007 sei er auch ein aktives Mitglied gewesen, habe regelmäßig an den vorgeschriebenen Schießübungen teilgenommen und sich auch an Arbeitseinsätzen und Vereinsfeiern beteiligt. Dann hätte sein Eifer nachgelassen. Das könne mit wirtschaftlichen Sorgen zusammengehangen haben, so Heinz J.

Holger H. hätte nur mit Kurzwaffen geschossen. Er bezeichnete den Angeklagten als guten Schützen. Das könne er aus eigenem Erleben bestätigen, denn er habe mehrmals auch mit der Kurzwaffe auf einer 25-Meter-Distanz mit dem Angeklagten gewetteifert. "Wer 40 Ringe erreicht, muss ein guter Schütze sein", so Heinz J. "Er ging gut mit der Waffe um", sagte der Vorsitzende. Und weiter: "Wir können alle nicht verstehen, was dort passiert ist. Es waren immer so angenehme Leute."

Auch der Sachverständige für Schusswaffen und Schusswaffenspuren des Landeskriminalamtes legte seine Untersuchungsergebnisse über die Waffe, mit der die Ehefrau des Angeklagten erschossen wurde, dar: Danach handelte es sich um eine halbautomatische Selbstladewaffe des tschechischen Herstellers Ceska, eine Neun-Millimeter Luger, die 16 Patronen fasst. Es sei die hochwertigste Waffe des tschechischen Herstellers, die sich im einwandfreien Zustand befindet und fehlerfrei funktioniert. Die Funktionstüchtigkeit der Tatwaffe, auf Nachfrage der beisitzenden Richterin auch bezüglich des hohen Sicherungsstandards, führte der Sachverständige im Gerichtssaal vor.

Hintergrund dieser umfassenden Beschäftigung des Gerichts mit Waffenfragen und Angaben zum Können des Schützen Holger H. ist unter anderem seine schriftliche Erklärung vor dem Untersuchungsrichter, dass er seine Ehefrau nicht erschießen wollte, dass sich der tödliche Schuss unbeabsichtigt löste.

Das Gericht befragte außerdem Dr. Bernd Sch., einen Notfallarzt aus Berlin, der den Angeklagten gleich nach seiner Festnahme begutachtete. Er sei ansprechbar, orientiert, ruhig und gefasst gewesen. "Ich hatte eigentlich einen aufgelösten Menschen erwartet", sagte der Arzt. Er sei aber voll aufnahmefähig gewesen und hätte auf jede Frage zutreffend geantwortet. Der Prozess wird am 5. November fortgesetzt.

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