zur Navigation springen
Lokales

11. Dezember 2017 | 04:55 Uhr

Mohrrüben unter der Tarnkappe

vom

svz.de von
erstellt am 14.Sep.2010 | 07:00 Uhr

Güstrow | Der Wels hats geschafft, die Bauernpizza ist durchgefallen, den Pasewalker Gemüse-Hackbällchen steht die Probe noch bevor - drei Mahlzeiten, drei Gemeinsamkeiten: Alle tragen das Etikett einer "gesunden Ernährung", stammen aus MV und werden für die Schülerversorgung getestet. Anlass dazu gab das Projekt "Vital-Menüs in der Schulverpflegung unter Einsatz regionaler Produkte", das der Agrarmarketingverein des Landes ab morgen auf der Mecklenburgischen Landwirtschaftsausstellung (MeLa) präsentiert.

Die Idee: In Schulen soll künftig mehr gesunde Kost aus einheimischen Produkten serviert werden. Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Anliegen mit rund 146 000 Euro Euro. Mit einer Handvoll Partnern wie dem Zentrum für Lebensmitteltechnologie Neubrandenburg oder dem Essenanbieter uwm-Kulinaria aus Demen bei Schwerin will der Agrarmarketingverein in Rostock 20 Vital-Menüs austüfteln. Die ersten acht haben sich bereits bewährt, die nächsten vier sind in Arbeit, wie Projektmanagerin Michaela Cornehl vom Agrarmarketing sagte. Am Stand auf der MeLa können Besucher unter anderem eine Rotkohlroulade aus Wildfleisch der Firma Menüko auf Usedom verkosten.

"Gesund" klingt für Kinder eher unappetitlich

Wild und Wels für Kinder? Die ernährungsphysiologischen Argumente mögen zwar einleuchten: Wildfleisch ist fettarm, leicht verdaulich und enthält hochwertiges Eiweiß. Wels, ein nahezu grätenfreier Fisch aus einheimischen Zuchtanlagen, gilt als optimaler Nährstofflieferant. Doch ob Kindern solche Vorteile munden? Dr. Michaela Cornehl, promovierte Ernährungswissenschaftlerin, hat die Erfahrung gemacht, dass gesunde Ernährung in Kinderohren kaum einladend klingt. Wichtig sei beim Essen vor allem das Aussehen.

Kann ein neues Menü die ersten beiden Kriterien - wertvoll für die Gesundheit und regional zu sein - erfüllen, muss es einer Verkostung an Grundschulen standhalten. Mit Hilfe der Firma uwm-Kulinaria, die in der Region um Crivitz Schulen mit Essen versorgt, hatte der Agrarmarketingverein zuletzt fünf Gerichte erprobt. Der Wels schnitt nach Auskunft von Michaela Cornehl am besten ab. Zwei Drittel der Kinder hätten den "Piratenschmaus" - Wels in Senfsoße mit Kartoffelpüree und Möhrenrohkost - gelobt. "Bei Kartoffelsuppe, einem vegetarischen Kartoffel-Gemüse-Auflauf und Mecklenburger Gyros lag die Zustimmung jeweils bei mehr als 50 Prozent", sagt sie.

Gemüse in Fleischbällchen und Tomatensoße versteckt

Auf Eis gelegt wurde nach dem Test die vegetarische Bauernpizza, die nur bei einem Viertel der Kinder gut ankam. Gemüse, so erlebt die Wissenschaftlerin immer wieder, ist ein heikles Thema. Mitunter helfen nur kleine Kniffe, um Mohrrübe und Co. ans und ins Kind zu bringen. Die Gemüse-Hackbällchen der Pommerschen Fleisch- und Wurstwaren Pasewalk beispielsweise enthalten Karotten-Raspeln. Die Tomatensoße beim "Räuberschnitzel" wird mit Gemüse angereichert. "Lieblingsgerichte aufpeppen" lautet die Strategie. Bis 2012 will der Agrarmarketingverein ein Paket von 20 gesunden, regionalen Mittagsgerichten anbieten, inklusive aller Informationen darüber, wer wo welche Zutaten anbietet. Essenanbieter sollen die Ideen auf die Teller bringen.

Einige Schulen signalisierten schon Interesse, wie die Vernetzungsstelle Schulverpflegung in MV bei einer Umfrage unter allen allgemeinbildenden Schulen im Land ermittelt hat. Eine Frage allerdings muss zuvor beantwortet werden. Wie viel wird ein gesundes, regionales Mittag für Kinder kosten? Der Umfrage zufolge liegen die Preise bisher bei durchschnittlich 2,35 bis 2,50 Euro. Über die Bereitschaft, vielleicht etwas mehr zu zahlen, liegen bislang keine Erkenntnisse vor.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen