Modernes Leben mit Vergangenheit

<fettakgl>Leben in einer alten Büdnerei</fettakgl>:  Dorothea und Peter Parlow kehrten nach 20 Jahren Großstadt nach Vorbeck zurück und haben mit Liebe zum Landleben Neues gestaltet und dabei Altes bewahrt.<fotos>Regina Mai</fotos>
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Leben in einer alten Büdnerei: Dorothea und Peter Parlow kehrten nach 20 Jahren Großstadt nach Vorbeck zurück und haben mit Liebe zum Landleben Neues gestaltet und dabei Altes bewahrt.Regina Mai

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05. Juli 2010, 08:18 Uhr

Vorbeck | Aus dem einstigen Tor ist ein riesiges Fenster geworden. So verrät bereits der Blick hinein, dass die Bewohner der alten Büdnerei nicht nur das Leben auf dem Lande wegen der Ruhe und der guten Luft lieben, viel Energie stecken sie in die Bewahrung kleinbäuerlichen Daseins. "Durch das Tor kam früher das Fuhrwerk hinein. Links waren die Wohnräume und rechts der Stall fürs Vieh. Der Wagen wurde entladen und fuhr hinten wieder raus", berichtet Peter Parlow (71). In einer Büdnerei, quasi ein kleiner Bauernhof, lebten Mensch und Tier unter einem Dach, berichtet der Vorbecker, der nach 20 Jahren in der Großstadt mit der Familie nach Vorbeck zurückkehrte.

Ausstellungsstücke mit persönlichen Erinnerungen

In den 1950er-Jahren hatten seine Eltern die Büdnerei mit der Nummer fünf in Vorbeck übernommen. "Mein Vater wollte selbstständiger Bauer bleiben", erinnert sich Peter Parlow. Nur zwei Jahre währte das, dann habe auch sein Vater in die Genossenschaft gemusst. Dem 71-Jährigen ist die Vergangenheit nicht egal. Er hat gesammelt und aufgehoben, was scheinbar nicht mehr von Nutzen war und hat sich in der Tenne ein kleines Museum eingerichtet. Gleich am Eingang stellt Peter Parlow eine Urkunde aus. "Vom ersten uns bekannten Besitzer, der Land von der Domäne übernommen hat", berichtet er. 1856 soll die Büdnerei gegründet worden sein. Sie trägt in Vorbeck die Nummer fünf. Vier gab es zuvor schon. Zusammen habe Vorbeck 21 Büdnereien gehabt, erzählt Peter Parlow, der sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Geschichte des Ortes, der jetzt seine Ersterwähnung von 725 Jahren feierte, beschäftigt hat. "Was nicht aufgeschrieben oder aufbewahrt wurde, gerät in Vergessenheit", erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Vorbeck/Kambs. Und was er alles zusammengetragen hat: Sense, Torfstecher, Holzbohrer, Zugbank zur Fertigung von Besenstielen, Kutschen räder, Dezimalwaage, Kartoffelquetsche, Saatwerfer usw.

An den meisten Ausstellungsstücken hängen für Peter Parlow Erinnerungen. Der 71-Jährige zeigt auf eine Zentrifuge. Er weiß noch, wie die Milch hinein kam, nach Magermilch und Sahne getrennt wurde, wie die Mutter selbst butterte. "Die Butter wurde verkauft", erinnert er sich. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es die Mutter schwer gehabt, die Familie allein durchzubringen. Private Fotos komplettieren die Sammlung des Vorbeckers, der selbst nicht in die Landwirtschaft gegangen war, sondern als Drogist seinen Lebensunterhalt verdiente.

Leben auf dem Lande: alles andere als 0815

Wo sich einst der Misthaufen befand, steht heute ein Carport. Aus der Waschküche wurde eine kleine Werkstatt. Wo sich der Gemüsegarten befand, wächst heute Rasen. Obst und Gemüse gibt es aber dennoch. Groß ist das Grundstück. Lange Urlaub machen, das können sich die Parlows gar nicht leisten. "Es gibt jeden Tag etwas zu tun", sagt Peter Parlow, aber er empfindet es nicht als Last. "Wir sind auf dem Lande großgeworden und fühlen uns hier wohl", fügt seine Frau Dorothea (66) hinzu. Und weiter: "Es ist viel Arbeit, aber wir haben jeden Tag ein bisschen Freude daran, wenn die Blumen blühen, die Pflanzen gedeihen oder die ersten Kartoffeln geerntet werden können." Das Leben auf dem Lande, nämlich in einer alten Büdnerei, kann alles andere als 0815 sein. Die Neubauwohnung in Rostock tauschten die Parlows gern dagegen ein.

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