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Lokales

14. Dezember 2017 | 11:26 Uhr

Mit Wind Energie von der Ostsee

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erstellt am 05.Mai.2010 | 08:05 Uhr

Rostock | Es könnte das neue Aushängeschild von Mecklenburg-Vorpommern werden. Mit Windkraft wollen das Land und die Hansestadt Rostock in den Sektor der erneuerbaren Energien einsteigen - und geben Vollgas. Mit der Grundsteinlegung für den ersten kommerziellen Windpark vor der deutschen Ostseeküste, "Baltic 1", endet heute auch die Fachmesse "Baltic Future". Hier drehte sich alles um das Thema Offshore-Windenergie, Windkrafanlagen auf dem Wasser. Beim Erndtebrücker Eisenwerk (EEW) in Rostock - das Unternehmen stellt Spezialrohre her - hat man den neuen Markt längst erkannt und erschlossen.

Unaufhörlich kreischen Sägen, fliegen Funken durch die Luft, wirbelt Staub auf - Schweißer, Stahlarbeiter und Metaller arbeiten in den 2007 errichteten Hallen des Werkes im Rostocker Überseehafen auf Hochtouren. Hier entstehen 102 Fundamente für den weltweit größten Offshore-Park, "London-Array" vor der englischen Küste. Auftragsvolumen: Rund 100 000 Millionen Euro. Im Dreischicht-System, sechs Tage die Woche, biegen und schweißen Mitarbeiter die Segmente und fügen sie letztlich zusammen. Die bis zu 120 Meter langen, sich zum Ende hin verjüngenden Rohre werden dann verladen und in den Meeresboden gerammt. 220 Festangestellte plus Zeitarbeiter und Partnerfirmen sind im Einsatz.

Die Auftragsbücher des Unternehmens sind voll. Auch für den Windpark "Baltic 1" liefert EEW die 21 Fundamente. "Seit eineinhalb Jahren sind 80 bis 90 Prozent nur aus dem Bereich Offshore", sagt Werksleiter Olaf Wunderlich. Das Geschäft boomt. Das liegt auch an dem Standort an der Kaikante, der für die Produktion und die Verladung von schwerem Stahl prädestiniert ist. "Wir haben hier eine gute Anbindung zur Autobahn und liegen direkt am Wasser." Deshalb werden in Rostock die schwersten Teile produziert, im Mutterunternehmen im nordrhein-westfälischen Erndtebrück und im Außenstandort Lubmin die kleineren.

10 000 Tonnen gehärtetes Eisen werden am Rostocker Standort monatlich verarbeitet. 120 000 Tonnen im Jahr - "das ist so viel, wie die beiden Wadan-Werften zusammen", vergleicht Wunderlich, der auf der Aker-Werft angestellt war. Das Geschäft mit Offshore-Anlagen - es könnte die maritime Wirtschaft nach dem Kollaps der Wadan-Werften wiederbeleben und die Dauerkrise im Schiffbau lindern. Denn: "Offshore kommt dem Schiffbau in Sachen Auftragsvolumen und Arbeitsplätze am nächsten", sagt der Werksleiter und fügt hinzu: "Die Branche ist noch in den Startlöchern aber wenn alle Aufträge vergeben sind, reichen die Kapazitäten nicht mehr aus." Schon jetzt stoße EEW an seine Grenzen. Am Überseehafen wird der Platz knapp. Dennoch ist eine weitere Halle in Planung, der Bauantrag bereits genehmigt. Über weitere Pachtflächen sei man mit dem Hafen im Gespräch.

In der Ostsee sind die Planungen für vier weitere Windparks in der Ostsee abgesegnet. Auch beim österreichischen Kran-Hersteller Liebherr profitiert man von der neuen Entwicklung. Das Unternehmen hat seinen Sitz gegenüber von EEW im Rostocker Überseehafen. Thomas Müller, Chef des Rostocker Werks, erwartet steigende Umsätze. Im Spezialschiffbau ziehe die Nachfrage nach Kranen unvermindert an. "Offshore hat immer mehr Anteile gewonnen." Der Windanlagenbauer Nordex konnte seinen Umsatz 2009 nur leicht um vier Prozent steigern. Das Unternehmen erwartet vor allem für das zweite Halbjahr 2010 wesentliche Wachstumsimpulse. Der junge Industriezweig schuf bislang rund 4000 neue Jobs. Einer Studie zufolge könnten bis zu 1500 weitere Stellen bei Zulieferern hinzukommen. Durch den Ausbau der Häfen und ihrer Anbindung sollen noch mehr spezialisierte Unternehmen an die Küste gelockt werden. Um neue Fläche zu schaffen, ist das Land auch mit Werft-Eigentümer Witali Jussofow im Gespräch.

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