Mit Volldampf ins Museum?

Ein technisches Kleinod, die Dampfmaschine im stillgelegten Ritterschen Sägewerk.
Ein technisches Kleinod, die Dampfmaschine im stillgelegten Ritterschen Sägewerk.

Einst trieb es etliche Maschinen im Sägewerk Ritter an, erzeugte Strom und Wärme. Seit mehr als 20 Jahren steht das ehrwürdige Dampfmobil aber nun schon auf dem Altenteil. Jetzt soll es als technisches Denkmal eine Renaissance erleben.

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06. Mai 2009, 07:09 Uhr

Perleberg | Im Jahre 1923 erbaut, kam die Dampfmaschine 1936 ins Rittersche Sägewerk. "Sie war der ganze Stolz meines Großvaters", erinnert sich Dr. Joachim Ritter. Durch ein heißgelaufenes Lager war kurz zuvor das Werk bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die Dampfmaschine, die damals zu den modernsten gehörte, war so eine Art Neuanfang. Die Feuerung war umgebaut worden und konnte fortan mit Sägespänen betrieben werden, der riesige Kessel wurde mit Wasser aus der fabrikeigenen Wasserversorgung gespeist, weiß Dr. Ritter zu erzählen.

Multitalent, das Geschichte schrieb Zwei Gatter, sogenannte Doppelsäumer, sowie mehrere kleinere Anlagen wurden durch die Dampfmaschine angetrieben, über einen Generator wurde Strom erzeugt und mit der Abluft die Zimmerei beheizt sowie Holz getrocknet. Faktisch ein technisches Multitalent, das da bis 1986 in Betrieb war. "Zuletzt allerdings erzeugten wir nur noch Strom damit, zu hoch waren die Auflagen des TÜV", so Dr. Ritter.

Fortan stand der Koloss nicht mehr unter Druck, durchzog das Schnaufen des Dampfrosses nicht mehr die Halle. Als Relikt vergangener Zeiten faszinierte es einzig noch Schulklassen. Doch die zwölf Meter Dampfmobil sind vor allem auch Beleg für das technische Können ihrer Erbauer. Und so erregt sie Interesse der Perleberger Oldtimerfreunde. Jene möchten die Dampfmaschine, von der auch die komplette Dokumentation samt Ersatzteilauflistung vorhanden ist und die zugleich auch ein Teil Perleberger Stadtgeschichte verkörpert, gern in ihren Museumsbestand aufnehmen und auf ihrem Gelände am Ziegelhof einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Konform gehen sie da mit der Stadt, an die sie sich mit der Bitte um Unterstützung wandten, und der Denkmalpflege des Landkreises. Beide wollen dieses technische Denkmal in der Rolandstadt erhalten wissen. Dr. Ritter selbst möchte ebenfalls, dass das Kleinod in Perleberg bleibt, wo es Jahrzehnte seinen Dienst tat.

An Ort und Stelle wurde gestern im wahrsten Sinne des Wortes Maß genommen, wurden gemeinsam mit Stadt und unterer Denkmalbehörde Möglichkeiten ausgelotet, ob und wie man das technische Meisterstück vergangener Zeiten umsetzen kann, brachte es Bauamtsleiter Wolf-Rüdiger Bleeck auf einen kurzen Nenner. Die Oldtimerfreunde wollen dies klären und auch die Kosten einer Umsetzung. Die Stadt wiederum nimmt sich der Frage nach dem Gebäude an, in dem die Dampfmaschine ihr endgültiges Zuhause finden soll. Ein solches in Nachbarschaft der einstigen Turnhalle, die die Oldtimerfreunde liebevoll und mit viel Engagement zu einem Museum technischer Geschichte umgebaut haben, zu errichten, wäre denkbar. Denkmalpflegerische Gesichtspunkte sprechen nicht dagegen, so das Resümee des gestrigen Treffens, war vom Bauamtsleiter zu erfahren. Ein Architekt soll nur Skizzen entwerfen für eine entsprechende Erweiterung des Oldtimermuseums. In zwei bis drei Wochen wolle man sich in dem Gremium wieder treffen und die Recherchen auswerten. An der Stadt liegt es dann, sich zu positionieren.

Außer Zweifel steht, bekommt Perleberg dieses Sinnbild technischer Entwicklung mittels Pressluft oder Motorantrieb wieder zum Laufen und Keuchen, hat die Stadt etwas, was nicht jeder vorweisen kann.

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