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Vier Mecklenburger beim Neujahrsempfang im Schloss Bellevue : Mit Räuber Vieting zum Präsidenten

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Zum Neujahrsempfang begrüßte der Bundespräsident Christian Wulff Vertreter aus allen Bereichen der Gesellschaft sowie Bürger, die sich durch ihr Ehrenamt verdient gemacht haben - Darunter vier Mecklenburger.

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erstellt am 13.Jan.2011 | 09:12 Uhr

Berlin | Da hatten Christian Wulff (CDU) und seine Frau Bettina gestern alle Hände voll zu schütteln. Unter den 232 geladenen Gäste standen auf der Liste des Neujahrsempfanges des Bundespräsidents am Donnerstagvormittag auf Schloss Bellevue auch vier Mecklenburger. Erstmalig seit seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer führte Christian Wulff die Tradition seiner Vorgänger fort und begrüßte gemeinsam mit seiner Frau Vertreter aus allen Bereichen der deutschen Gesellschaft sowie mehr als 60 Bürger, die sich durch ihr ehrenamtliches Engagement verdient gemacht haben.

Birgit Lohmeyer (52) aus Jamel, Nordwestmecklenburg, freut sich, dabei zu sein. "Wir brauchen diese öffentliche Aufmerksamkeit, um weiterhin einen langen Atem für unser Projekt bewahren zu können", sagte sie. Zusammen mit ihrem Mann Horst (54) organisiert sie seit 2007 ein Musikfestival gegen Rechtsextremismus in ihrem kleinen Dorf, in dem Neonazis die Mehrheit bilden. Die Einladung des Bundespräsidenten wüssten sie sehr zu schätzen, sagten die Lohmeyers.

Freundlich zurückhaltend, mit einer gewissen Schüchternheit, stellte sich der Bundespräsident mit seiner Frau Bettina dem fast drei Stunden währenden Defilee. Die Präsidentengattin gab sich unauffällig im schwarzem Kleid, einzig Silberschmuck als Zierde. Nichts sollte unnötig ablenken bei diesem großen Auftritt, der nicht nur für so manchen Gast, sondern auch für das Ehepaar Wulff Neuland bedeutete.

Viele der Bürger hatten für ihren Besuch kleine Geschenke mitgebracht - meist Souveniere aus ihrem Heimatort wie Teller, DvDs oder Bilder. Karin Gruhlke aus Parchim überreichte Christian Wulff eine Stofffigur aus ihrer Heimatstadt. "Das ist der Räuber Vieting", sagt sie über das Parchimer Maskottchen. Ob er denn auch ein guter Räuber sei, habe der Bundespräsident von ihr wissen wollen. Mecklenburg-Vorpommern sei ihm sympatisch, habe der Bundespräident ihr gesagt.

Nicht nur die Nacht im Steigenberger Hotel am Abend zuvor fand sie, die sich bereits seit 45 Jahren unentgeldlich für andere einsetzt, außergewöhnlich. Das Stück vom Portal bis zum Eingang des Schlosses Bellevue sei sie in der Limousine gefahren worden, wegen des Nieselregens. Und das, obwohl der Weg keine zweihundert Meter lang war. Karin Gruhlke kann es immernoch nicht fassen. "Man hatte das Gefühl, man ist jemand Besonderes", sagte die 61-Jährige und strahlt. Als Vorsitzende des Netzwerks freiwilliges Engagement Mecklenburg-Vorpommern e.V. hat sie dazu beigetragen, dass eine landesweite Kontakt-und Beratungsstelle aufgebaut werden konnte, die am Mittwoch ihr zehnjähriges Bestehen feierte. Das "ungewohnte Hofieren", das sie im Schloss Bellevue erfahren durfte, scheint ihr auch bei anschließenden Schnittchen und Sekt noch nicht ganz geheuer. "Herr Wulff hat uns ganz persönlich ausgesucht", verriet sie stolz. Von den zweihundert Vorschlägen, die das Staatsoberhaupt von seinen Mitarbeitern als Vorauswahl erhalte, würde er jeden einzeln begutachten, gegebenfalls sogar mit der Notiz "Kontakt halten" vermerken. Auch Jürgen Wörenkämper aus Schwerin habe das sehr beeindruckt, als er dies während der Schlossführung am Mittwochabend erfuhr. Das Besichtigen der Räumlichkeiten vorab war nicht nur zur Unterhaltung der Besucher angedacht. So wollten die Organisatoren sicherstellen, dass der Emfang reibungslos verläuft, wie Wörenkämper sagt. "Das ist schon was hier", sagte der 53-Jährige und bestaunte die Ölgemälde an der Wand - Leihgaben aus Schloss Wilhelmshöhe in Kassel, wie er sich gemerkt hatte. Auch wo sich der geheime Fahrstuhl befindet, mit dem Deutschlands wichtigster Mann direkt zu seinem Arbeitszimmer gelangen kann.

Er glaubt eine leichte Nervosität seitens des Bundespräsidenten gespürt zu haben, sagt Jürgen Wörenkämper und lacht verschmitzt. Seit 1986 leistet er ehrenamtlich Vorstandsarbeit und hat bereits sechs Vereine mitbegründet. So auch den Schweriner Verein "Bauspielplatz e.V.". Die Einladung sei für ihn eine große Ehre. "Als einer von 60 von insgesamt 80 Millionen Menschen in Deutschland die Chance zu haben, heute hier zu sein - das ist fast so unwahrscheinlich", sagt er.


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