Mit "Komet" wieder zum Adlergrund

<strong>Am Kai des BSH</strong> an der Neptunallee ist die 'Deneb' vor dem Auslaufen zu meereskundlichen Untersuchungen vor Rügen von der Wasserseite aus zu sehen.<foto> rfra</foto>
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Am Kai des BSH an der Neptunallee ist die "Deneb" vor dem Auslaufen zu meereskundlichen Untersuchungen vor Rügen von der Wasserseite aus zu sehen. rfra

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13. Juli 2010, 08:49 Uhr

Rostock | Anfang November treffen sich Hydrografen aus aller Welt in Rostock. Nach Konferenzen ihrer internationalen Vereinigung in Kapstadt, Liverpool, dem australischen Cairns und Antwerpen ist das Konferenzzentrum Hohe Düne Austragungsort der "Hydro 2010". Die Vorkehrungen laufen auf Hochtouren, berichtet Thomas Dehling (46). Der Referatsleiter Seevermessung und Geodäsie im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) ist auch 2. Vorsitzender der Deutschen Hydrografischen Gesellschaft (DHyG), die die Konferenz veranstaltet.

Die DHyG zählt bundesweit mehr als 200 Mitglieder - ein Großteil sind Firmen. Die Geschäftsstelle Rostock wird von Innomar-Geschäftsführerin Sabine Müller geleitet. Eine Firma, die als Ausgründung der Universität Rostock entstand und in der Sediment-Echolote hergestellt werden. Auch das BSH, deren Zentrum der Hydrografie sich in Rostock entwickelte, ist DHyG-Mitglied und Mitausrichter der Konferenz. Schwerpunkt-Themen bilden die Hydrografie im Ostseeraum und die Vermessung auf großen Flüssen.

An der Ostsee gebe es eine gute Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. Ein Beispiel, so Dehling, sei die gute Abstimmung mit Dänemark bei der Vermessung der Kadetrinne. Nach den Hauptschifffahrtsrouten werde nun auch deren Umfeld verstärkt ausgelotet. Und da gebe es noch viel zu tun, wie jüngst die Helsinki-Kommission feststellte. Auch für die BSH-Flotte.

So werden die Vermessungen am Adlergrund, einem Seegebiet vor Bornholm, fortgesetzt. Voraussichtlich im August oder September kommt dafür, wie im Vorjahr, das BSH-Flaggschiff "Komet" zum Einsatz. Mit seinen vier Tochterbooten sei es dafür besonders geeignet, zumal es damit schneller gehe, erklärt Dehling. Die flachgehenden Alu-Boote sind komplett bis hin zu Fächerecholotanlagen ausgerüstet, so dass sie völlig autark operieren können.

Die heimische "Capella" wird im Herbst die Boddenkette West mit dem Saaler Bodden ins Blickfeld nehmen. Ursprünglich war das schon im Frühjahr vorgesehen, doch der lange Winter machte einen Strich durch die Rechnung. Die Crew um Kapitän Karl-Eugen von Abel ist mit dem flachgehenden Vermessungsschiff gegenwärtig bei Vermessungsarbeiten zwischen Elbmündung und Neuwerk. Ab Oktober ist auch der Peenestrom als Nachgang der dort zuletzt erfolgten Baggerungen für die Aktualisierung der Seekarten auszuloten. Die Crew der "Deneb" um Kapitän Andreas Gentes ist nach Vermessungsarbeiten an einem Verkehrstrennungsgebiet gegenwärtig zu meereskundlichen Untersuchungen, unter anderem zu Messungen der Radioaktivität, nördlich vor Rügen unterwegs. Es folgt dann ein Törn in die Nordsee, wo die Schiffe "Wega" und "Atair" bereits im Einsatz sind. Neben der Seevermessung gehen die Schiffe auch mit Sonarhilfe auf Wracksuche. Etwa 2500 Wracks liegen auf dem Meeresgrund von Nord- und Ostsee, davon 1000 in der Ostsee. Jedes Jahr werden etwa 200 erkundet, 2009 wurden auch weit über 50 neue aufgespürt.

Ein mittelalterliches knapp 30 Meter langes Schiffswrack samt erhaltener Ladung ist von der "Deneb" in diesem Jahr zu Ostern vor Rügen entdeckt worden. Das Schiff hatte Rohkupfer geladen und erwies sich für die Archäologen als besonders interessanter Fund, so Dehling. Taucher bargen einige der kegelförmigen Kupferplatten, die nun im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin untersucht werden. Der Fund lässt Rückschlüsse auf Handelswege jener Zeit zu. Das knapp 30 Meter lange Wrack, das nach ersten Schätzungen aus der Zeit von 1400 bis 1600 stammt, soll gesichert und dokumentiert werden. Wo genau der Fundort war, sagt Dehling allerdings nicht. Konkrete Aussagen dazu werden nie gemacht, um keine Hobby-Taucher, die nur das Abenteuer suchen, auf den Plan zu rufen. Er zeigt aber eine Karte, auf der eine Vielzahl von Punkten die Wracks an der deutschen Küste darstellen.

Kapitäne und die Ersten Offiziere an Bord der BSH-Schiffe sind übrigens Nautiker und Vermessungsingenieure zugleich. So bildet das BSH neben Schiffsmechanikern auch Vermessungstechniker aus. International wird das verschieden gehandhabt. So dürfte auch die "Hydro 2010" sicher wieder ein Ort zum Erfahrungstausch werden. 300 Teilnehmer werden zur Konferenz erwartet. Mehr als 50 Ausstellungsstände sind bereits belegt. Neben der heimischen "Deneb" wird auch ein finnisches Vermessungsschiff die Szenerie am Kai bestimmen.

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