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Tobias Grewe hat die Voraussetzungen erfüllt, er lernt den Beruf des Landwirts. Annett Habermann
Tobias Grewe hat die Voraussetzungen erfüllt, er lernt den Beruf des Landwirts. Annett Habermann

svz.de von
07. April 2010, 01:57 Uhr

Köchelstorf/Vitense | Reinhard Drews hält wieder eine Bewerbung in den Händen, die achte in diesem Jahr. Es ist der nächste Bewerber, dem er absagen muss. "Zu schlechte Leistungen." Der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft e.G. Köchelstorf hat entschieden: "Wir nehmen keine Förderschüler als Auszubildende. Der 10. Klasse-Abschluss ist Voraussetzung, um als Landwirt bei uns zu lernen."

Mittlerweile gibt es einige landwirtschaftliche Betriebe, die sich für dieses Auswahlkriterium entschieden haben. Denn im Vergleich zu früher sind die Anforderungen deutlich gestiegen, schulisch wie auch betrieblich. Denn die Steigerung der Arbeitsproduktivität erfordert immer modernere Maschinen, die bedient werden müssen. Wer Landwirt werden will, muss nicht nur Tiere und frische Luft mögen und manchmal morgens um vier im Stall stehen. "Er muss auch gut in Mathe, Physik, Chemie und Biologie sein", so Drews. "Der Durchschnitt sollte bei drei liegen oder besser."

Tobias Grewe hat diese Voraussetzungen erfüllt, aber erst, als er eine zwei in Mathematik mitbrachte. Der 19-Jährige aus Vitense lernt in Köchelstorf den Beruf des Landwirtes. Im ersten Lehrjahr hat er den Traktorführerschein gemacht, für viele Azubis ein Motivationsziel, für manche eine Hürde, weil sie nicht mal das schaffen. Heute ist Tobias im Dritten Lehrjahr und muss in der Lage sein, einen Facharbeiter zu ersetzen, den Boden vorbereiten, landwirtschaftliche Geräte bedienen, Pflanzenschutzmittel passgerecht mischen. "Der Lehrling muss schon ein bisschen rechnen können", sagt Drews. "Manchmal sind es bis zu sechs verschiedene Produkte, die zur gleichen Zeit ausgebracht werden. Das ist eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit."

Die Agrargenossenschaft bildet Landwirte und Bürokauffrau/-mann aus. Landwirte sollen in diesem Jahr zwei ausgebildet werden. "Um den Nachwuchs zu sichern, denn die Altersstruktur im Betrieb ist hoch. Viele werden bald in den Ruhestand gehen." In Zukunft soll auch eine Lehrstelle für einen Tierwirt geschaffen werden. "Dafür haben wir bereits einen Antrag gestellt", sagt Drews.

"Manche Bewerber mit schlechten Zensuren denken: Für die Landwirtschaft wird es noch reichen", sagt Drews. "Doch das ist ein Trugschluss."

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