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Lokales

17. Oktober 2017 | 02:56 Uhr

Mit ganzem Herzen in der Manege

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erstellt am 29.Sep.2010 | 07:17 Uhr

Parchim | Luftakrobatik unter der Zirkuskuppel war ihre Welt. Die Darbietungen beherrsche sie noch immer, sagt Dagmar Sperlich. Dieses Feld habe sie jedoch ihrem Nachwuchs in Familie und Beruf überlassen. Junges Blut tue eben gut. Die athletische Blondine ist Direktorin, führt Regie, moderiert die Vorstellungen und zeigt ihre Tauben-Revue. Zirkus "Hollywood", der 2002 in Raduhn seine Heimat fand, dort jährlich das Winterquartier in Heim und festen Stallungen aufschlägt, gastiert von diesem Freitag bis Sonntag zum ersten Mal in Parchim. Das rund 500 Plätze bietende, beheizte Zelt steht auf dem Festplatz zwischen Friedhofs- und Pestalozziweg. "Wir haben bewusst diesen Standort gewählt und nicht wie andere einen Privatplatz. Ein Zirkus, der was auf sich hält, gehört auf den Festplatz einer Stadt", meint Dagmar Sperlich und fügt hinzu: "Wir stellen selbst hohe Ansprüche an unsere Arbeit. Die kommt aus dem Herzen, alle von uns sind mit Leib und Seele dabei, damit das Programm gefällt. Der schönste Lohn ist, wenn das Publikum mitgeht und kräftig applaudiert. Natürlich brauchen wir gut besuchte Vorstellungen, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen und für die Winterpause vorzusorgen, aber lieber etwas weniger in der Kasse und begeisterte Zuschauer." Ärgerlich sei es, wenn zuvor ein kleiner Zirkus, der sich nicht diesem Anspruch stelle und wenig geboten habe, in der Stadt gewesen sei. "Dann ist es unheimlich schwer, wieder viel Publikum ins Zelt zu bekommen und dessen Gunst zurückzugewinnen." Dabei sei Zirkus ein Stück Kultur, das wert sei, erhalten zu bleiben. Gerade Kinder hätten große Freude daran.

"Hollywood" gründeten Dagmar und Harald Sperlich 1998 mit ihren Kindern aus dem namhaften Zirkus "Aeros" heraus, der wenige Jahre nach der Wende pleite gegangen war. Zehn Artisten und Dresseure, alle aus der Familie, zeigen ein vielseitiges, knapp zweistündiges Programm. Zudem kümmern sich Tierpfleger um Kamele, Pferde, Hunde, Schlangen und Tauben. "Anfangs hatten wir auch noch Raubtiere in unserer Show, aber der Aufwand dafür war einfach zu groß und unwirtschaftlich", blickt die Zirkus-Chefin zurück.

Neben Dressuren von Friesenhengst und Schecken zieht eine kleine Kamel-Karawane durch die Manege, Hunde laufen im Handstand, und Riesenschlangen begleiten ebenso wie indischer Folklore-Tanz die Show des

Fakirs, der Feuer schluckt und spuckt. Die Zirkus-Direktorin präsentiert sieben Pfautauben in Weiß und Schwarz, die sich auf einem Spielplatz mit Wippe, Schaukel, Treppe und Reifen tummeln. "So eine Darbietung hat früher meine Großmutter gemacht, und das gefiel mir einfach", erklärt Dagmar Sperlich. Die Geschwister Hollywood, eine Springergruppe im Alter zwischen 14 und 22 Jahren, werden manches Raunen im Publikum hervorrufen, genau wie die Luftakrobaten unter der zehn Meter hohen Kuppel. In der Hulla-Hoop-Show kommen bis zu 17 Reifen in Schwingung, und Clown Peppo bringt die Zuschauer zum Lachen. Weitere Programmhöhepunkte sollen eine Überraschung sein. "Es sind Darbietungen dabei, die kein anderer Zirkus zeigt", macht die "Hollywood"-Chefin neugierig.

Der Tourneeplan führt durch ganz Norddeutschland. "Doch am liebsten sind wir in Mecklenburg, hier fühlen wir uns richtig zu Hause", betont Dagmar Sperlich. Vor Parchim war der Zirkus in Güs trow, Hagenow sowie Mölln. Nächste Station soll Crivitz sein, wenn der Regen den Platz nicht aufgeweicht hat. Ins Raduhner Winterquartier, Domizil etwa von Ende Oktober/Anfang November bis Februar, geht es in diesem Jahr früher, denn die Stallungen für die drei Kamele sollen vergrößert werden. Doch erst einmal hoffen die Zirkus-Direktorin und ihre Mannschaft auf zahlreiche Besucher bei den vier Vorstellungen auf dem Parchimer Festplatz.

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