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Lokales

15. Dezember 2017 | 22:45 Uhr

Mit dem Motorrad durch die Stadt

vom

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erstellt am 09.Mai.2010 | 08:53 Uhr

Güstrow | Auf den ersten Blick mögen sie ihnen zu geschriebene Klischees erfüllen: schwarzes Leder, dröhnende Motoren, graue Haare. Der zweite Blick offenbart Überraschendes: Menschen mit Behinderung sitzen im Seitenwagen von Gespannen, andere stehen noch daneben. Helme werden ihnen gereicht. Polizisten mischen sich mit einem Lächeln auf den Lippen unter die Menschen. Mitarbeiter des DRK sind auch dabei. Irgendetwas stimmt hier nicht, möchte man meinen. Die Bikergemeinschaft Grey Bulls organisierte am Sonnabend einen Aktionstag auf dem Gelände der "Alten Molkerei" in Güstrow mit einer Ausfahrt durch die Stadt als Höhepunkt. Der "Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen" am 5. Mai war ihnen Anlass, "über Integration nicht nur zu reden, sondern sie zu leben", wie Torsten Köpnick es formuliert.

Es sei nicht nur der Name, der die Bikergemeinschaft seit Jahren mit den Elektrorollstuhlhockey-Spielern, den Nording Bulls, verbinde, daraus sei Freundschaft geworden. "Wir wollen Motorrad fahren und Spaß haben, aber wir sind nicht blind, sondern sehen, dass es links und rechts neben uns Menschen gibt Hilfe brauchen", erklärt Torsten Köpnick das soziale Engagement der Güstrower Biker. Und dieses Engagement ist alles andere als eine öffentlichkeitswirksame Eintagsfliege. Sie halfen schon Kinder, unterstützten das Frauenschutzhaus und spendeten gemeinschaftlich Blut. "Biker sind Menschen, denen es in der Regel gut geht", schätzt Torsten Köpnick ein. Also könne man schauen, wie man anderen helfen kann. Nebenbei grenzen sich die Grey Bulls mit solchen Aktionen auch gegen Motorrad fahrende Chaoten, die einen denkbar schlechten Ruf genießen, ab. Biker ist nicht gleich Biker, das erlebten gestern u. a. Frauen und Männer aus dem Wohnheim der Lebenshilfe auf dem Güstrower Distelberg. Stolz saßen Astrid Uecker und Enrico Wolter im Beiwagen. Unbändige Neugierde spiegelte sich auf ihren Gesichter. Kaum konnten sie es abwarten, dass Steffen Riedel die BMW 1100 GS startete und sie zusammen mit all den anderen durch Güstrow fuhr, begleitet von Polizei und DRK.

Da die Grey Bulls selbst keine Maschinen mit Seitenwagen haben, bekamen sie Unterstützung aus Parchim und Dobbertin. Die dortigen Biker waren mit zehn Gespannen gekommen und erlebten anschließend mit den Güstrower Bikern und ihren Gästen einen unterhaltsamen Nachmittag an der "Alten Molkerei", hörten Musik und nahmen sich Zeit für Gespräche. Hemmungen im Umgang mit Menschen mit Behinderung haben die Grey Bulls längst abgelegt, sagt Torsten Köpnick. Jeder der neu in die Bikergemeinschaft komme, lerne das recht schnell.

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