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Neues Schmuckstück im Kobrower Kutschenmuseum : Mit Augenmaß an den richtigen Platz

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Ein Speditionswagen aus den 1930er-Jahren hat die umfangreiche Sammlung im Kutschenmuseum Kobrow erweitert. Er ist ab diesem Wochenende erstmals zu sehen. Das Museum zeigt jetzt 140 Fahrzeuge.

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erstellt am 19.Mär.2011 | 04:23 Uhr

Kobrow | Keine Chance, durch den Türbogen zwischen den beiden Ausstellungshallen passt der Wagen auf keinen Fall. Da fehlen bestimmt 30 bis 40 Zentimeter Höhe. Um das festzustellen, braucht Museumsbetreuer Norbert Schönborn nicht einmal einen Zollstock. Doch der Spedi tionswagen, mit dem die illustre Sammlung des Kobrower Kutschenmuseums ab diesem Wochenende um ein weiteres Schmuckstück bereichert worden ist, soll genau an diesen Platz, hinten an der Wand.

Seine Höhe hat das Gefährt aus den 1930er-Jahren einst gebraucht, denn damit wurden Möbel, riesige Kisten der Bahn und andere sperrige Teile transportiert. Es gehörte zu einer Bahnamtlichen Spedition, einem Pferdefuhrwerksunternehmen. Genau das übernahm Josef Rethmann 1934 in Selm bei Dortmund und erweiterte es um damalige Entsorgungsarbeiten wie die Reinigung von Straßen und Vorflutern. "Da wurde noch alles von Hand aufgeladen", weiß der Kobrower Museumsbetreuer. Das heute in zweiter und dritter Generation global agierende Entsorgungs unternehmen, das nun hier in der Region ansässig ist, habe seinerzeit ganz klein angefangen, fügt Norbert Schönborn hinzu.

Der Speditionswagen wurde nach historischem Vorbild nachgebaut. Schönborn blättert in einem Buch mit Zeichnungen von derartigen Gefährten und wird schnell fündig. "Hier, so ein Original-Fahrgestell mit Pritsche habe ich noch aufgetrieben. Es ist restauriert und komplettiert worden. Jetzt sieht der Wagen wie das damalige Modell aus, vielleicht etwas eleganter in einigen Details", freut sich der umtriebige Mann aus dem Kutschenmuseum.

Er weiß auch Rat, wie das Fahrzeug an seinen Ausstellungsplatz zu bekommen ist. Dazu müssen aber die Räder abgenommen werden. Jürgen Balanskat vom Förderverein des Museumsdorfes steht mit einem Hubwagen bereit. Norbert Schönborn und Holger Meyerotto schieben Stützhölzer dazwischen. Jetzt ist der Wagen tief genug und passt unter dem Türbogen hindurch. Auf der anderen Seite muss er wieder auf die Höhe gebracht werden, dass die Räder aufgesteckt werden können. Geschafft, die drei Männer atmen durch. Nun wird nur noch Augenmaß benötigt, um das Gefährt an den schmucken Kutschen vorbei in die vorgesehene Ecke zu dirigieren. Es rollt so leicht, dass sich das zu zweit bewerkstelligen lässt.

Das Kobrower Museum umfasst nun 140 Fahrzeuge, darunter mehr als 100 Kutschen aus verschiedensten Ländern und Epochen. Auch Schlitten und von Pferden gezogene Militärfahrzeuge vorwiegend aus der Zeit beider Weltkriege sowie eine Vielzahl kleiner, originaler Ausstellungsstücke, die Geschichte aus mehreren Jahrhunderten erzählen, gehören zu der Sammlung.

Seit diesem Monat hat das Kutschenmuseum auch wieder am Wochenende und damit täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Im Vorjahr war die Zahl der Besucher auf 6424 angestiegen.

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