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Lokales

17. Oktober 2017 | 19:12 Uhr

Mit Ari und Lucia auf Entdeckung

vom

svz.de von
erstellt am 19.Aug.2010 | 05:41 Uhr

Stralendorf | Brav nähern sich Ari und Lucia dem Gartenzaun, wenn Ralph Hennings den Eselwallach und die Eselstute ruft. Sie ahnen: Es könnte ein zusätzliches Leckerli - eine Möhre zum Beispiel - geben, das er hin und wieder bereithält. Aber diesmal sollen die beiden Esel als Fotomotiv herhalten. Auch wenn die Tiere ruhig sind und vor allem Ari schnell den Kontakt zu Fremden sucht - eigenwillig sind sie. "Sie sind keineswegs störrisch, sie haben nur ihren eigenen Willen", sagt der Stralendorfer schmunzelnd.

Vor zehn Jahren haben sich Ralph und Ines Hennings den ersten Esel angeschafft. Als sie ihre geliehenen Schafe, die die große Streuobstwiese hinterm Haus kurz hielten, wieder abgeben mussten, war klar: Sie schaffen sich selbst ein Tier an - in erster Linie zur eigenen Freude, aber auch, weil es auf dem Henningschen Hof viel Grün gibt. Welches Tier es sein sollte, stand nicht fest. Der Zufall wollte es, dass Ralph Hennings im Schweriner Umland sehr bald einen Esel entdeckte - angebunden an einem kurzen Strick. Zu Hause erzählte er seiner Frau davon und die war sofort angetan. "Der Esel war noch klein mit strubbeligem Fell und sehr zutraulich", erzählt Ines Hennings. Der Besitzer gab ihn gerne ab. Und weil der Kleine noch keinen Namen hatte, tauften Hennings ihn auf Ari. "Er hatte Ähnlichkeit mit seinen griechischen Artgenossen, daher sollte er Aristoteles Onassis heißen. Daraus wurde schließlich die Kurzform Ari, so die 39-Jährige.

Treue Gefährtin an die Seite bekommen

Ari freundete sich schnell mit Stine an, der Hundedame des Hauses. "Das war ein verrücktes Paar", erinnert sich der Stralendorfer, der von Beruf Fischer und Korbflechter ist und heute als Gruppenleiter in der Crivitzer Werkstatt der Diakonie "Neues Ufer" Rampe arbeitet. Die beiden Tiere haben zusammen getobt: Der Esel holte dem Hund den Stock, nicht umgekehrt. Stine wiederum hängte sich ans Halfter des Esels und ließ sich so ziehen. Wenn das ungleiche Paar vom Spiel erschöpft war und ruhte, knabberte Ari an Stine herum, die das gern zuließ. Hatte Stine keine Lust zum Spielen, versuchte Ari sie durch liebevolle Kniffe in den Beinen zu animieren.

Doch diese Spielereien sind vorbei. Ralph Hennings: Der Esel brauchte einen Sozialpartner. So gesellte sich Eseldame Lucia dazu. Vorher aber ließen Hennings den Esel kastrieren. Seitdem sei Ari etwas ruhiger geworden und ruft nicht mehr unbedingt am Sonntagmorgen um 4 Uhr laut ia, ia. Lucia, seine neue und treue Gefährtin tue ihm einfach gut.

Die Esel halten Ines und Ralph Hennings aus Spaß an der Freude, "Wir mögen die Tiere". Dass die Tierhaltung auch Arbeit macht und Geld kostet, das wussten das Paar vorher. Deshalb sei das kein Problem. Der Hufschneider kommt zweimal im Jahr, um die Hufe zu pflegen. Heu und Stroh muss gekauft werden. Drei Rundballen Heu verputzen die beiden Huftiere im Jahr. Futtermöhren bringt Hennings von einer Genossenschaft mit. Die Tiere werden vor und nach der Arbeit versorgt, sommers wie winters. In der warmen Jahreszeit fällt das Füttern leichter, weil sie auf der großen Obstwiese am Haus frisches Futter finden. Die Tiere können jederzeit vom Stall, den Hennings aus einer Scheune errichtet hat, allein auf die Wiese laufen.

Zuerst gibts Futter für die Tiere, dann Kaffee für den Hausherrn

Wenn der Stralendorfer mit seinem Auto nach Hause kommt und den Wagen am Garten abstellt, sind die beiden Esel meist schon da. Sie erkennen das Geräusch, rufen ia, und stampfen mit den Hufen. Dann gehts für den Hausherrn erst einmal zu den Tieren. Hennings weiß, sie warten jetzt auf ihr Futter. Erst dann kann er sich den Kaffee am Tisch im Grünen schmecken lassen.

Ist es draußen kalt oder es regnet, verziehen sich Ari und Lucia in den Stall - und machen ganz wie es sich gehört die Tür zu - mit dem Hinterteil. Ganz gekonnt, erzählt der 48-Jährige. Und aufgestoßen wird die Tür, die nicht wirklich mit einem Schloss versehen ist, mit dem Kopf. Wenn Hennings Zeit und Muße haben, nehmen sie Ari und Lucia und gehen mit ihnen spazieren, in Richtung Wald. Aber das passiert zumeist im Herbst oder im Winter. Denn jetzt haben die Tiere Auslauf genug.

Manchmal hat das Ehepaar auch schon überlegt, die Esel abzugeben. Aber den Gedanken dann wieder schnell verworfen. "Wir haben unsere Freude daran. Es geht ihnen gut, und das zählt", sagt der Stralendorfer. Wenn er mit seiner Frau Urlaub macht und mit seinem kleinen Segelboot auf der Müritz-Elde-Wasserstraße unterwegs ist, kümmert sich der

23-jährige Sohn Till um die Tiere des Hauses. Das sind neben den zwei Eseln noch zwei Katzen und die Fische im Aquarium. Hundedame Stine hingegen nehmen Hennings immer mit auf Reisen.

Apropos Reisen. Ein Projekt wollen Hennings - irgendwann - noch mit den beiden Eseln starten: Sie wollen mit ihnen auf große Wanderschaft durch Mecklenburg gehen. Was man für unterwegs braucht, wird den Eseln aufgeladen, sie selbst wollen nebenher laufen. "Völlig ohne Zeitdruck und nur die Natur im Blick", erzählt Ines Hennings und ihr Mann ergänzt: "Das ist unser großer Traum."

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