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Lokales

24. September 2017 | 19:38 Uhr

Misswirtschaft im Primerwald?

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erstellt am 22.Jun.2010 | 07:28 Uhr

Güstrow | Die Vorwürfe wiegen schwer: Von "Aufforstungswut" und "Zerstörung eines Biotops" ist die Rede. Erhoben werden sie vom ehemaligen Revierförster von Primerwald, Claus Rudolph. Hintergrund: Eine ca. 150 Jahre alte Pferdekoppel in dem Wald, eine kleine Fläche links hinter der Augrabenbrücke gegenüber der alten Stadtoberförsterei, wurde von der Stadt zum Teil in eine Weihnachtsbaumplantage umgewandelt. Mit dem Verkauf der Bäume erhofft sich die Stadt Mehreinnahmen. "Das ist forstwirtschaftlich unsinnig", behauptet der 73-Jährige. Die nordamerikanischen Tannen würden sich gar nicht als Weihnachtsbäume eignen. Die Rechnung der Stadt würde nicht aufgehen. Ein weiteres Argument wiegt für Rudolph noch schwerer: "Güstrow will doch Hauptstadt der Biodiversität werden. Und hier werden naturnahe Biotope auf Kosten der Stadtkasse vernichtet."

Standort für Weihnachtsbäume nicht geeignet

Bis 2008 wurde das Gelände als Pferdekoppel genutzt und war privat verpachtet. Rudolph vermutet, dass Stadtförster Holger Michel die Pferde aus dem Wald haben wollte. "Man hätte aber die Koppel belassen sollen, da dieser Standort nicht als Weihnachtsbaumplantage geeignet ist", sagt Rudolph, der von 1964 bis 2002 Revierförster in Primerwald war. Er verweist auf eine Verordnung des Landwirtschaftsministeriums, die ein Umwandeln von Grünland verbietet und auf das Landeswaldgesetz, nach dem solche Erstaufforstungen nicht gestattet sind, wenn sie die Belange des Naturschutzes beeinträchtigen. Für Rudolph ist das hier gegeben. "Im Natur- und Umweltpark werden für teures Geld Wiesenwelten geschaffen und hier werden die natürlichen Wiesenbiotope willkürlich vernichtet", schimpft er.

Mehrfach hat Rudolph mit seiner Tochter Heike, die gegenüber der alten Stadtförsterei lebt, Eingaben an die Stadt gemacht. In einer Antwort wies Bürgermeister Arne Schuldt die Vorwürfe zurück: "Die Anlage einer Weihnachtsbaumplantage gilt im forstwirtschaftlichen Sinne nicht als Neuaufforstung", schrieb er vergangenes Jahr an Rudolph. Wegen der über das Gelände führenden Stromleitung sei zudem eine dauerhafte Anpflanzung wenig sinnvoll. Auch Stadtförster Holger Michel bestätigt das. "Wir haben im Stadtforst nur sehr wenige Flächen für Weihnachtsbäume", sagt er. Deshalb seien ca. 3500 Quadratmeter in eine Plantage umgewandelt worden. Die Fläche sei ideal dafür. Im Stadtwald gibt es fünf solcher Plantagen von ca. zwei Hektar. Das von Rudolph bemängelte Anpflanzen von Erlen zwischen Weihnachtsbäumen weist Michel zurück. "Die Erlen wurden als Vorwald, zum Frostschutz für die Weihnachtsbäume gepflanzt", sagt er. Auch sei es ihm nicht darum gegangen, die Pferde aus dem Wald zu bekommen. "Ich habe nichts gegen Pferde im Wald", so Michel.

Kein Biotop vernichtet, sondern Privatkonflikt

Nicht nachvollziehen kann Michel das Argument von Rudolph, die Bäume ließen sich nicht als Weihnachtsbäume verkaufen. "Es handelt sich um Nordmanntannen sowie um pazifische Edeltannen. Letztere eignen sich besonders gut zum Schmuckgrün-Verkauf", erklärt er. "Zudem haben wir kein Biotop vernichtet", so Michel. Nur ein Drittel der Fläche werde als Plantage genutzt, der Rest bleibe Wiese und Biotop. Michel vermutet, dass hier Argumente gesucht werden, um private Ziele zu verfolgen. "Das ist ein Privatkonflikt. Rudolphs Tochter wohnt hier und hätte gerne eine Wiese mit Pferden. Aber wer im Wald wohnt, muss damit rechnen, dass Bäume gepflanzt werden", sagt er.

Für Rudolph handelt es sich dennoch um Misswirtschaft. Viele der Weihnachtsbaumplantagen im Stadtforst befänden sich in einem trostlosen Zustand und würden unvernünftig genutzt. "Unsere Stadt verfügt in Bockhorst, Primerburg und Primerwald über weit geeignetere Aufforstungsflächen, die ohne negative Auswirkungen auf Biotope und Lebensqualität der Bürger bereit gestellt werden könnten", ist er überzeugt.

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