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Lokales

14. Dezember 2017 | 09:18 Uhr

Minusgeschäft Milch

vom

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erstellt am 14.Mai.2010 | 05:06 Uhr

Prignitz | Der Milchmarkt bleibt schwierig und stellt Prignitzer Bauern vor immer größere Probleme. 26 Cent Basispreis je Liter erhalten zum Beispiel die Erzeuger für im April erzeugte Milch von der Molkerei Karstädt. Für Mai sind 27 Cent angekündigt, als Qualitätsparameter können zwei bis drei Cent dazu kommen.

"Im Vergleich zum März 2009, als nur 22 Cent gezahlt wurden, sind das bis fünf Cent mehr, doch reicht das für die meisten Betriebe nicht", stellte Ulrich Kieback, Chef der Agrargenossenschaft Halenbeck und Vorsitzender des Kreisbauernverbands Prignitz, auf der Sitzung des kreislichen Landwirtschaftsausschusses klar. Der traf sich am Mittwoch,passend zum Thema aktuelle Milchmarktlage, in der Molkerei Karstädt, an die viele Prignitzer Milchbetriebe liefern.

"26 bis 27 Cent sind eigentlich das, was dem Weltmarkt entspricht", räumet der Bendeliner Landwirt Karsten Krüger ein. Aber zu viel müsse in den hohen Umwelt- und Sozialstandard investiert werden. "Mit Neuseeland oder anderen Erzeugerländern können wir uns daher nicht vergleichen. Uns reicht dieser Preis nicht, wir brauchen aus betriebswirtschaftlicher Sicht 34 Cent, um die Qualität zu halten", machte er deutlich.

Notgedrungen müssten Erzeuger quer subventionieren, um die Einnahmeverluste auszugleichen. Einige Betriebe hätten bereits mit der Milchproduktion aufgehört bzw. den Betriebszweig verkauft, weitere werden folgen, befürchtet Krüger. "Wenn die Milch weg ist, ist sie ein für alle mal weg."

"Der Landwirt erhält für den Liter bei 3,7 Fett- und 3,4 Eiweißgehalt 26 Cent, im Laden wird ein Liter Milch mit 1,5 Prozent Fett für um die 50

Cent verkauft. Der Anteil des Erzeugers ist also relativ gering", machte Ausschussvorsitzender Paul Stets, viele Jahre selbst Agrarchef, deutlich. Er bedauerte, dass in der Öffentlichkeit zwar immer wieder über Qualität gesprochen werde, im Laden jedoch meist der Preis entscheide.

"Wir dürfen die Molkerei aber nicht als Feind betrachten, sondern müssen partnerschaftlich um bestmögliche Ergebnisse mit dem Handel streiten", betonte Kieback. Wichtig sei es, den Standort Karstädt und die Hansa-Genossenschaftsmolkerei mit dem Hauptwerk in Upahl zu erhalten.

Deutschlandweit gibt es noch 100 Molkereien unterschiedlicher Eigentumsformen, 1990 waren es noch über 600. Sorgen bereitet den Bauern die nur geringe Lobby, die sie in Deutschland haben: Nur vier Prozent aller Beschäftigten sind in der Landwirtschaft tätig. Und deren Anteil am Buttosozialprodukt macht nur zwei Prozent aus.

Aus globaler Sicht betrachtet wäre ein weiterer Rückgang landwirtschaftlicher Produktion, und damit auch der Milch, nicht das Problem, andere Länder würden das übernehmen, erklärte Kieback. So würden bereits jetzt 40 Prozent der in Deutschland verwerteten Eier importiert.

Ein Schiff Rindfleisch aus Argentinien sei billiger, als wenn es in deutschland produziert würde, so Stets und weiter: "Doch muss man in Kauf nehmen, dass auch gentechnisch veränderte Futtermittel, wie Sojaprodukte, über die Veredlung auf unseren Teller kommen."

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