Minister: Tunnelparty pietätlos

svz.de von
28. Juli 2010, 08:02 Uhr

Rostock | Dass das Land die für den 11. September geplante Warnowtunnel-Party in Rostock nach den Erfahrungen von Duisburg vorerst gekippt hat, trifft bei den Veranstaltern auf Unverständnis. Robert Plath von der Agentur Plaspo Event aus Rostock erklärte gestern gegenüber unserer Zeitung, er könne die plötzlichen Bedenken der Behörden nicht nachvollziehen. Bereits im Vorjahr hatte es eine Elektro-Party im Warnowtunnel gegeben. "Wir haben auf der Grundlage der damaligen Erfahrungen ein Sicherheitskonzept erarbeitet und es mit der Rostocker Polizei abgesprochen", sagte Robert Plath. Alle Bedenken, die die Beamten vorgebracht hätten, seien in ein überarbeitetes Konzept eingeflossen. Daraufhin habe das Straßenbauamt Schwerin die Sperrung beider Tunnelröhren genehmigt.

Wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums gestern bestätigte, hat Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) die Erlaubnis für die Sperrung und Nutzung der Verkehrsader als Tanzmeile inzwischen aber auf Eis gelegt. Das sei eine gute Entscheidung, sagte gestern Lorenz Caffier (CDU).

Die Landesregierung zieht damit die Konsequenzen aus dem tragischen Unglück von Duisburg, wo am vergangenen Wochenende bei der Loveparade 21 Menschen in einem Tunnel starben und mehr als 500 verletzt wurden. Bei der Warnowtunnelparty in Rostock werden bis zu 4000 Besucher erwartet. "Der Tunnel ist nicht für Partyzwecke gebaut worden, sondern als schnelle Durchfahrt zur Ostseeküste", sagte Innenminister Caffier. Er habe erhebliche Zweifel an der Sicherheit der Gäste.

Nach Meinung von Plath kann es im Warnowtunnel nicht zu einer ähnlichen Katastrophe kommen wie in Duisburg. Gefeiert werde nur in einer der beiden 800 Meter langen Röhren. "Für den Fall, dass im Partytunnel Panik ausbrechen sollte, werden die Fluchttüren zur zweiten Röhre geöffnet, außerdem ist der Tunnel ja an beiden Seiten offen", sagte Plath. Statt normaler Zäune würden zudem "Panikzäune" aufgebaut. "Die verhindern, dass jemand erdrückt wird, wenn von hinten die Massen schieben." Im Vergleich zum Vorjahr haben die Veranstalter ihr Sicherheitspersonal auf 100 verdoppelt.

Caffier empfahl den Organisatoren gestern dringend, einen anderen Veranstaltungsort zu wählen. "Sollte es hier im Interesse der Sicherheit kein Umdenken geben, werde ich im Zweifelsfall selbst der Genehmigungsbehörde meine Bedenken mitteilen", drohte Caffier. Eine Tunnelparty nach den schrecklichen Ereignissen von Duisburg zu feiern, sei pietätlos.

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