zur Navigation springen
Lokales

12. Dezember 2017 | 11:27 Uhr

Minister hebeln Brandschutz aus

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2011 | 06:29 Uhr

Prignitz | In Deutschland gibt es jährlich etwa 45 bis 50 Brände in Pflegeeinrichtungen. "Dabei sterben bis zu 20 Menschen, rund 50 werden verletzt", sagt Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung. Angesichts dieser Zahlen ist es erschreckend, dass Brandenburg seine strikten Brandschutzbestimmungen gelockert hat.

Der jüngste Fall ist nicht lange her. 22. Dezember 2010: Ein Adventskranz löste in einer Seniorenwohnanlage in Brück (Landkreis Potsdam-Mittelmark) ein Feuer aus. 25 Menschen mussten von der Feuerwehr evakuiert werden, eine 79-jährige Bewohnerin erlitt leichte Verbrennungen und eine Rauchgasvergiftung. Ein Sprinkleranlage, die den Brand laut Einschätzung der Feuerwehr hätte eindämmen können, gab es nicht. Selbst eine Brandmeldeanlage (BMA) fehlte. Brück ist kein Einzelfall.

Angesichts der 700 000 Menschen - viele Demenzkrank oder in ihrer Mobilität eingeschränkt - in 11 000 stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland, fordert die Organisation seit Jahren bundeseinheitlich hohe Brandschutzstandards. Dazu gehören BMA, Rauchmelder in jedem Zimmer und eine Sprinkleranlage", so Brysch.

Laut brandenburgischer Bauordnung für Krankenhäuser und Pflegeheime waren BMA, Feuerlöscher sowie Sprinkleranlagen für Foyers und Hallen, durch die Fluchtwege führen, vorgeschrieben. Diese galt aber nur bis zum 26. Januar 2010. Per Beschluss setzten Sozialminister Günter Baaske und Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger die Vorschriften für Pflegeeinrichtungen außer Kraft.

"Brandenburg hatte im Bundesvergleich sehr fortschrittliche Regelungen", bemerkt Rainer Schulz vom Fachausschuss vorbeugender Brandschutz des Landesfeuerwehrverbandes. "Mit dem Ministererlass allerdings werden Pflegeeinrichtungen, in denen maximal sechs Personen leben, im Prinzip Wohngebäuden gleichgestellt, für die nicht mal ein Rauchmelder vorgeschrieben ist." Bei bis zu zwölf Personen sind laut Erlass Brandabschnitte, Rauchmelder sowie ein Rettungswegkonzept vorgeschrieben. Ist ein zweiter Fluchtweg baulich nicht möglich, muss jede Wohnung per Steck- oder Drehleiter erreicht werden können.

"Das ist ein Unding, da so die Evakuierung den Feuerwehren übergeholfen wird, denn Gehbehinderte über Leitern in Sicherheit zu bringen, ist fast unmöglich", so der Brandschutzexperte. Zwar könne bei stationären Pflegeeinrichtungen das meist ausreichend vorhandene Personal die Selbstrettung der Menschen unterstützen, aber in betreutem Wohnen, wo nachts oft nur eine Schwester Dienst habe, reiche das nicht. Selbst wenn die Feuerwehr innerhalb der Hilfsfrist eintrifft, sei es meist zu spät. "Hier können nur Sprinkleranlagen helfen. In Frankreich beispielsweise sind sie längst Vorschrift."

Übrigens: Für Tiefgaragen und Verkaufsräume ist ab einer bestimmten Größe auch in Brandenburg eine Sprinkleranlage vorgeschrieben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen